Ein Tesla lädt an einer Ladesäule. | dpa

Hohe Spritpreise E-Auto-Fahrer sparen echtes Geld

Stand: 16.03.2022 16:12 Uhr

Benzin und Diesel sind teurer denn je. Desto mehr lohnt es sich, mit dem Elektroauto unterwegs zu sein. Wie viel Geld können Autofahrer so aktuell einsparen?

Von Anne-Catherine Beck, tagesschau.de

Die massiv gestiegenen Spritpreise wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine haben das Fahren eines Elektroautos finanziell erheblich attraktiver werden lassen. Laut Berechnungen des Vergleichsportals Verivox liegt die Kostenersparnis bei der Elektromobilität im Vergleich zu Benzinern aktuell bei 59 Prozent, im Vergleich zu Diesel sind es danach 57 Prozent.

"Angesichts der hohen Preise für Benzin und Diesel sparen alle, die ein E-Auto fahren, momentan richtig viel Geld. Die durchschnittlichen Kosten für Benzin und Diesel sind aktuell mehr als doppelt so hoch", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox.

Diesel im Schnitt bei 2,30 Euro

Seit Russlands Angriff auf das Nachbarland Ende Februar sind die Preise für einen Liter Benzin um mehr als 25 Prozent gestiegen. Diesel verteuerte sich bislang sogar um rund 38 Prozent. Laut ADAC liegt der Durchschnittspreis für einen Liter Benzin derzeit bei 2,20 Euro, bei Diesel sind es sogar 2,30 Euro. Das Tanken von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren ist damit deutlich teurer geworden. 

Für die Berechnung geht Verivox von einem Stromverbrauch von 19 Kilowattstunden (kWh) pro 100 Kilometer aus. Das entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch der zehn Elektroauto-Modelle, die 2020 am häufigsten zugelassen wurden. Da laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens EuPD Research 77 Prozent aller Ladevorgänge zu Hause stattfinden, rechnet Verivox mit Haushaltsstrompreisen. Die lagen laut dem Vergleichsportal zuletzt bei 37,02 Cent pro kWh.

Vorteil beim Verbrauch und bei der Steuer

Die Energiekosten für 100 Kilometer liegen damit bei 7,04 Euro. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 15.000 Kilometern wären das 1055 Euro.   

Bei Benzinern wurde mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,7 Litern auf 100 Kilometern gerechnet. Bei einem durchschnittlichen Benzinpreis von 2,20 Euro pro Liter ergeben sich auf dieser Strecke Kosten von 16,94 Euro. Das entspricht aufs Jahr gerechnet 2541 Euro bei gefahrenen 15.000 Kilometern. Bei Diesel-Pkws rechnet das Portal mit einem Durchschnittsverbrauch von 7,0 Litern. Bei Kosten von 2,30 Euro pro Liter käme ein Fahrer also auf 16,22 Euro pro 100 Kilometer und 2433 Euro pro Jahr.

Zur Ersparnis bei den Verbrauchskosten kommt noch der steuerliche Vorteil hinzu: Wer ein reines Elektroauto kauft, zahlt noch bis mindestens Ende 2030 keine Kfz-Steuer.

Auch Strom teurer

Doch nicht nur Benzin und Diesel kosten momentan so viel wie nie; auch Strom hat sich seit Beginn des russischen Kriegs gegen die Ukraine verteuert. Das macht sich auch bei den Ladekosten bemerkbar. So will der Versorger Hamburg Energie den Preis für Strom an 1000 öffentlichen Ladepunkten in der Hansestadt im Mai um mehr als zwei Drittel erhöhen.

Gregor Kolbe, Verkehrsreferent beim Verbraucherzentrale-Bundesverband, geht dennoch davon aus, dass insbesondere Fahrzeughalter, die zum großen Teil zu Hause oder bei der Arbeit laden können, auch künftig mit dem E-Auto günstiger unterwegs sein werden als mit einem Verbrenner. Schließlich machten sich Strompreiserhöhungen am Markt erst mit Verzögerungen bei Haushalten bemerkbar.

Auch das Wegfallen der EEG-Umlage ab dem 1. Juli 2022 dürfte für Entlastung bei Verbrauchern sorgen. Vom Sommer an sei demzufolge mit günstigeren Strompreisen zu rechnen. 

Produktionskosten der E-Autos sinken

Inwiefern das aktuelle Niveau der Spritpreise von Dauer ist, sei schwer zu prognostizieren, so Kolbe. Die kurzfristige Preisentwicklung von Benzin und Diesel hänge vor allem vom weiteren Verlauf des Kriegs in der Ukraine ab sowie von einem möglichen Importstopp von Gas und Öl aus Russland. Für die langfristige Entwicklung der Preise spielt laut Kolbe vor allem die Klimapolitik in Deutschland und Europa eine entscheidende Rolle. 

In den kommenden Jahren könne Rohöl zunehmend knapp und somit ein immer teureres Gut werde, sagte der Experte. Gleichzeitig sorgten der Produktionshochlauf bei E-Autos und niedrigere Kosten etwa für Batterien dafür, dass die Preise für E-Autos sinken. Deswegen sei klar, dass der Preisvorteil zum Verbrenner noch deutlich zunehmen werde.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. Februar 2022 um 11:53 Uhr.