Schnee liegt auf den Feldern neben einer Straße im Landkreis Oder-Spree im Osten des Landes Brandenburg. | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Elektromobilität E-Autos lohnen sich auch auf dem Land

Stand: 12.12.2021 14:29 Uhr

Noch nie wurden so viele Elektroautos neu zugelassen wie in diesem Jahr. Viele Autofahrer zweifeln aber weiterhin - wegen der Reichweite und der Kosten. Doch viele Vorbehalte sind überholt.

Von Alexander Dallmus, BR

Die neuen Bundesregierung hat sich vorgenommen, dass bereits Ende 2030 etwa 15 Millionen E-Autos auf den deutschen Straßen fahren sollen. Die E-Mobilität soll dazu beitragen, die selbstgesteckten Klimaziele zu erreichen. Aktuell laufen deutschlandweit gerade mal gut eine Million Pkw elektrisch, und dabei sind so genannte Plugin-Hybride - also Verbrenner mit zugeschaltbarem Elektroantrieb - miteingerechnet.

Die Zahl der Neuzulassungen von rein elektrischen Autos hat zwar 2021 den Rekordwert von über 300.000 erreicht. Insgesamt sind aber nur etwas mehr als ein Prozent aller zugelassenen Autos reine Stromer. Gerade auf dem Land bleiben viele Autofahrer bei Elektrofahrzeugen skeptisch. Vor allem die Reichweite, der Preis und auch die Verfügbarkeit von öffentlichen Ladesäulen werden in Umfragen als Gründe gegen den Kauf angeführt. Doch viele Vorbehalte sind mittlerweile überholt.

   

Kritik an Reichweiten-Versprechen

Wer den Kauf eines Elektroautos in Erwägung zieht, sollte sich zunächst ehrlich damit auseinandersetzen, wie oft und bei welchen Gelegenheiten es künftig genutzt wird. Eine Mobilitätsstudie des Bundesverkehrsministeriums kam 2019 zum Ergebnis, dass die meisten Menschen in den Städten und Metropolregionen durchschnittlich nur 22 Kilometer pro Tag mit dem Auto unterwegs sind. Selbst im ländlichen Raum legen die meisten eine nicht viel längere Strecke mit dem privaten Pkw zurück: nämlich 37 Kilometer im Schnitt.

Moderne, elektrisch betriebene Kleinwagen schaffen im Idealfall heute schon zwischen 300 und 500 Kilometer ohne Zwischenstopp. Die Hersteller vieler neuer E-Autos werben für Modelle wie dem Mercedes EQS oder dem iX von BMW ganz gezielt mit Reichweiten von weit mehr als 600 Kilometern. Alexander Bloch, Chefreporter von "Auto, Motor, Sport" und E-Testfahrer, sieht die maximale Reichweite eher kritisch: "Man muss vorsichtig sein, wenn man diese plakativen Reichweiten der Hersteller hört. Da kann man gleich mal 20 Prozent abziehen, je nachdem, wann man fährt. Im Sommer oder im Winter ist es noch schlimmer. Wenn die Heizung läuft, kann es sogar noch ein bisschen mehr sein."

Je leistungsfähiger die Batterie, desto mehr kostet das Auto. Wirklich nachhaltig sei eine solche Batterie sowieso nicht, sagt Christoph Neef, Batterieexperte am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI in Karlsruhe: "Da wäre natürlich die große Batterie nicht das Optimum, sondern eine Batterie, die den typischen Fahrzyklus abbilden kann, den wir hier in Europa so brauchen. Lange Reichweiten und sehr wenige Ladungen sind aus ökologischer Sicht nicht das optimale Szenario."

Ausbaufähig: Die Ladeinfrastruktur

Großen Nachholbedarf gibt es noch bei der Ladeinfrastruktur. Jahrelang versäumte es die Politik, ein engmaschiges Ladenetz in Deutschland aufzubauen. Mittlerweile tut sich aber einiges. Laut Bundesnetzagentur gibt es insgesamt etwa 45.000 öffentliche Ladepunkte in Deutschland - allerdings sind darunter nur 6500 Schnellladepunkte. Mittlerweile haben auch kleinere Kommunen jenseits der großen Zentren eine bessere Abdeckung. Im bundesweiten Vergleich gibt es aber große Unterschiede, sagt Amelie Thürmer, Fachgebietsleiterin für Ladeinfrastruktur beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW): "Was die Gesamtzahl an öffentlichen Ladepunkten angeht, ist Bayern mit 10.147 Ladepunkten unter den Bundesländern Spitzenreiter. Und auch bei den Schnellladern liegt Bayern mit fast 1300 Ladepunkten auf Platz eins vor Baden-Württemberg."

Bis 2023 sollen mit staatlicher Förderung bundesweit 1000 zusätzliche Ladesäulen entstehen, vor allem auch Schnellladepunkte an Fernstraßen. Die kürzlich verabschiedete Ladesäulenverordnung zwingt die Betreiber außerdem, für die Nutzer attraktiver zu werden. Mindestens eine kontaktlose Zahlung mit einer gängigen Debit- und Kreditkarte muss angeboten werden. Die Regelung gilt für alle Ladesäulen, die vom 1. Juli 2023 an in Betrieb genommen werden; schon betriebene Ladesäulen müssen nicht nachgerüstet werden. Bisher läuft das Bezahlen meist über Smartphone-Apps oder Kundenkarten.

E-Modelle werden günstiger

Auch wenn gerade deutsche Hersteller vor allem ihre Premium-Modelle bewerben, sollte man sich nicht täuschen lassen: Reine Elektroautos werden immer günstiger - gerade im Klein- und Mittelklassebereich der Pkw.  Ein klassischer VW-Golf, als Verbrenner und mit der entsprechenden Motorisierung, kann je nach Ausstattung sogar etwas teurer sein als die entsprechende VW-Elektrovariante des Modells ID3 - wenn man die staatliche Kaufprämie von 9000 Euro berücksichtigt, die es derzeit beim Kauf eines Elektroautos gibt. Die Wartezeiten sind bei Neubestellungen und individuell konfigurierten Pkw allerdings lange. Neun Monate und mehr sind keine Seltenheit.

Auch nach der Zulassung bieten Elektrofahrzeuge viele Preisvorteile im Vergleich zum Verbrenner. Zum Beispiel entfällt für zehn Jahre die Kfz-Steuer. Auch die Wartungskosten sind bei einem E-Auto über die Jahre gerechnet erheblich geringer. "Weiteres Sparpotential ist dann tatsächlich bei den Energiekosten, also den Stromkosten, zu finden", sagt Matthias Voigt, E-Mobilitätsexperte des ADAC. "Wer kostengünstig zu Hause laden kann, spart jeden Kilometer bares Geld." Wer etwa Sonnenstrom der heimischen Photovoltaikanlage nutzen könne, zahle für 100 Kilometer nur etwa zwei Euro. Beim Netzstrom seien es ungefähr sechs Euro. Die Kosten für die Kraftstoffe Diesel oder Benzin sind wesentlich höher.

Etwas ärgerlich für Hausbesitzer: Derzeit gibt es kein staatliches Geld für die so genannten Wallboxen in der heimischen Garage. Eigentlich bekommt man für den Einbau pauschal 900 Euro Zuschuss. Wegen der hohen Nachfrage ist die verfügbare staatliche Fördersumme aber mittlerweile ausgeschöpft. Seit Ende Oktober 2021 werden keine neuen Anträge mehr bearbeitet. Es ist jedoch zu erwarten, dass das Förderprogramm von der neuen Bundesregierung sehr bald neu aufgelegt wird.