Drei paar Füße mit Schuhen | picture alliance / dpa

Männerrunden in Vorständen Einige DAX-Firmen verfehlen Frauenquote

Stand: 06.01.2021 19:53 Uhr

Die von der Bundesregierung beschlossene Frauenquote in Vorständen dürfte einige deutsche Konzerne unter Druck bringen. In mehreren DAX-Firmen sitzen nur Männer in den Führungszirkeln.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Gerade erst gab es ein großes Stühlerücken in den Top-Etagen von VW. Nach wochenlangem Machtkampf zwischen VW-Boss Herbert Diess und dem Aufsichtsrat wurden gleich drei Vorstandsposten beim Wolfsburger Autobauer neu besetzt - mit Männern.

Künftig aber wird es keine reinen Männerriegen in DAX-Vorständen mehr geben. Die Bundesregierung hat eine Frauenquote für Unternehmensvorstände auf den Weg gebracht. Der Gesetzentwurf sieht vor, dass in Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern mindestens eine Frau sitzen muss.

Kein weiblicher Vorstand in neun DAX-Konzernen

Mehrere große deutsche Konzerne erfüllen diese Quote bisher nicht. Neun DAX-Unternehmen haben momentan keine Frauen in ihren Vorständen. Das sind Adidas, Bayer, Delivery Hero, Deutsche Wohnen, E.on, HeidelbergCement, Infineon, Linde und MTU.

Der Anteil weiblicher Führungskräfte im Vorstand der DAX-Konzerne sank im vergangenen Jahr sogar auf 12,8 Prozent, hat die schwedisch-deutsche Allbright-Stiftung herausgefunden. Es war der niedrigste Stand seit 2017. In den USA stieg hingegen der Frauenanteil in der Top-Etage der 30 Börsenschwergewichten innerhalb eines Jahres auf 28,6 Prozent, in Schweden auf 24,9 Prozent, in Großbritannien auf 24,5 Prozent und in Frankreich auf 22,2 Prozent. 

In der zweiten Reihe ist es noch schlimmer

Noch dramatischer sieht die Situation in kleineren Firmen aus. Laut einer Auswertung der Organisation FIDAR ("Frauen in die Aufsichtsräte") hat fast die Hälfte aller börsennotierten deutschen Unternehmen (44 Prozent) derzeit keine Managerin in ihrem Führungsgremium. 73 Konzerne wären demnach von der Frauenquote betroffen.

Mit der Deutschen Telekom erreicht bisher nur einer der 30 DAX-Konzerne bislang einen Frauenanteil im Vorstand von über 30 Prozent. Ansonsten gibt es nur bei Daimler, Fresenius Medical Care und der Allianz überhaupt mehr als eine Frau im Vorstand.

Belen Garijo |

Belen Garijo rückt an die Spitze im Vorstand von Merck.

Merck bekommt die erste DAX-Chefin

Immerhin: Im  kommenden Frühjahr soll die Spanierin Belén Garijo an die Spitze des Pharma- und Chemiekonzerns Merck rücken. Sie ist dann die einzige DAX-Vorstandsvorsitzende. 2019 war Jennifer Morgan die erste Frau, die einen DAX-Konzern führte - im Duo mit Christian Klein. Doch schon nach wenigen Monaten musste sie schon wieder gehen. Das Führungsduo harmonierte offenbar nicht wie erhofft.

Ironie der Geschichte: SAP ist auf dem besten Weg, zum Vorreiter in Sachen Gleichberechtigung zu werden. Der Software-Konzern will bis 2030 bei allen Führungspositionen Geschlechterparität erreichen. Bis 2022 soll ein Drittel aller Führungskräfte weiblich sein. Momentan ist es ein Viertel.

Geschlechtervielfalt zahlt sich aus

Untersuchungen haben längst bewiesen, dass sich Diversity für Unternehmen auszahlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen mit hoher Geschlechtervielfalt profitabler sind, liegt laut einer Analyse von McKinsey bei 25 Prozent. Gemischte Teams treffen bessere Entscheidungen, heißt es.

Investoren wie Blackstone wollen auf Hauptversammlungen Firmen mit rein männlichen Führungsriegen nicht mehr entlasten. "Reine Männerrunden machen auf Dauer nicht erfolgreich", gesteht auch SAP-Chef Christian Klein.

In einer früheren Version des Artikels hatten wir fälschlicherweise die Deutsche Telekom zu den Konzernen mit einem Frauenanteil im Vorstand von weniger als 30 Prozent gezählt. Tatsächlich beträgt der Anteil dort 37 Prozent. Dies haben wir korrigiert.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. Januar 2021 um 11:20 Uhr.