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Debatte um Eigenkapitalquote Wie kann man künftige Bankenkrisen vermeiden?

Stand: 31.03.2011 02:53 Uhr

Heute wird der Stresstest für Irlands Banken veröffentlicht: Die Zahlen dürften dramatisch ausfallen. Der tiefe Fall der Institute ist ein Beispiel für die Instabilität der Finanzsysteme. Aber wie könnte man derartige Krisen künftig vermeiden? Über eine höhere Eigenkapitalquote?

Von Klaus-Rainer Jackisch, HR

In der beschaulichen Metropole Basel unweit der deutsch-schweizerischen Grenze wird seit Jahren große Finanzpolitik geschrieben: In einem hässlichen Betonklotz unweit des Bahnhofes der SBB sitzt die Bank der Banken - die BIZ, Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich. Sie ist die Zentrale der Notenbanken. Wenn sich dort die Elite trifft, hat das Folgen: Dreimal schon verpasste man der internationalen Finanzwelt schärfere Auflagen für die Rücklage von Eigenkapital, kurz Basel I, Basel II und Basel III genannt. Danach müssen Banken bei der Kreditvergabe hohe Rücklagen an Eigenkapital schaffen, um sich vor unerwarteten Turbulenzen zu schützen.

Ausgerechnet London pocht auf strengere Regeln

Irlands Nationalbank
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Die Sorge um die irischen Banken wächst.

Doch spätestens seit der Finanzkrise von 2008 ist klar, dass die Regeln zu lasch waren. Mit der verschärften Variante Basel III, verabschiedet im vergangenen Herbst, sollte sich das ändern. Danach müssen Banken, die einen Kredit vergeben, bis 2019 mindestens sieben Prozent an Eigenkapital hinterlegen. Bislang sind es nur zwei Prozent. Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, meint, dass dieser Schritt "sehr wichtig" sei.

Doch seine Kollegen bei der britischen Notenbank sehen das ganz anders. Ausgerechnet London, sonst eher für das schnelle Geschäft und lockere Regulierungen zu haben, zweifelt, dass das neue Regelwerk ausreicht. Erst eine Eigenkapitalquote, "die mindestens doppelt so groß ist wie bei Basel III", würde den Bankensektor "einer idealen Situation näher bringen“, meint ein Forscherteam der britischen Zentralbank. Quoten von 16 bis 20 Prozent müssten her, so die Briten. Das hätten ihre Simulationsrechnungen ergeben. Ähnlich sind auch die Ergebnisse der britischen Finanzmarktaufsicht FSA.

Deutsche Banken warnen vor Kreditklemme

In der Branche ist der Aufschrei groß. Schärfere Regelungen will sie unter allen Umständen vermeiden. Schon jetzt gelingt es vielen Instituten nur mit Ach und Krach die Eigenkapitalquoten zu erreichen. Eine Erhöhung führe dazu, dass weniger Kredite vergeben würden, warnt der Bundesverband deutscher Banken. Das aber wolle niemand - vor allem nicht der deutsche Mittelstand, der wegen seiner notorisch niedrigen Kapitalausstattung besonders stark am Tropf von Bankkrediten hängt.

Eine höhere Eigenkapitalquote bedeute langfristig ein geringeres Wirtschaftswachstum, lautet das Totschlag-Argument. Auch sei die Eigenkapitalquote "kein Wundermittel, mit der alle Probleme gelöst werden", sagt Verbandssprecher Thomas Schlüter zu tagesschau.de. Man müsse auch auf andere Faktoren schauen, etwa eine bessere Risikovorsorge.

Hohe Eigenkaptitalquote muss die Wirtschaft nicht abwürgen

Verschiedene Euro-Geldscheine
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Wie viel Eigenkapital sollen Banken künftig bereit halten?

Doch der Blick in die Wirtschaftsgeschichte zeigt, dass hohe Eigenkapitalquoten keineswegs schädlich für die Wirtschaft sein müssen. In einer Studie stellte die britische Notenbank fest, dass der Verschuldungsgrad Großbritanniens und der USA zwischen 1880 und 1960 nur etwa halb so hoch war wie heute. Dadurch war die Eigenkapitalquote der Banken wesentlich höher.

Doch dem Wirtschaftswachstum tat das keinen Abbruch: "In dieser Zeit war die wirtschaftliche Entwicklung nicht erkennbar schlechter", heißt es in der Studie. In den Folgejahren stieg die Verschuldung der Banken dann deutlich - doch das Wachstum war deshalb auch nicht viel größer als vorher.

Auch deutsche Wissenschaftler des Bonner Max-Planck-Instituts kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Schon im vergangenen Herbst gaben sie der Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht BaFin den Ratschlag auf den Weg, bei der Eigenkapitalquote einen kräftigen Schluck aus der Pulle zu nehmen: Die Aufseher müssten sich keine "übermäßigen Sorgen machen, dass eine substanzielle Erhöhung deutliche negative Folgen für Wirtschaft und Wachstum hat." So dürfte die Diskussion um die richtige Absicherung der Banken mit Eigenkapital wieder voll entbrennen, auch wenn die Branche das gar nicht mag. Im Baseler Beton-Turm der BIZ macht jedenfalls schon das nächste Kürzel die Runde: Basel IV.

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