Einkaufstüten von Edeka und Tengelmann | Bildquelle: dpa

Entscheidung des Bundeskartellamts Edeka darf Kaiser's nicht übernehmen

Stand: 01.04.2015 17:42 Uhr

Edeka darf die rund 450 Filialen des Konkurrenten Kaiser's Tengelmann nicht übernehmen. Das Bundeskartellamt hat dem einen Riegel vorgeschoben. Zu erheblich sei die Verschlechterung des Wettbewerbs in einigen Regionen.

Trotz aller Zugeständnisse darf Edeka die Kaiser's-Tengelmann-Supermärkte nicht übernehmen. Das Bundeskartellamt untersagte die von Anfang an umstrittenen Pläne des Branchenprimus und seines Mülheimer Rivalen.

Eingang eines Edeka-Supermarkts
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Edeka wollte rund 450 Filialen des Konkurrenten übernehmen.

Die Unternehmensgruppe Tengelmann wollte ihre Filialen in Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen zum 30. Juni 2015 an den Edeka-Verbund verkaufen. Tengelmann sieht nach eigenen Angaben "keine Perspektive mehr", das seit Jahren defizitäre Supermarktgeschäft wieder profitabel zu machen. Über die genauen Vertragsinhalte sowie die Kaufsumme hatten Tengelmann und Edeka Stillschweigen vereinbart.

Die Fusion hätte zu einer erheblichen Verschlechterung des Wettbewerbs auf zahlreichen ohnehin stark konzentrierten regionalen Märkten und in Stadtbezirken im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen geführt, erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt.

Die größten Lebensmittelhändler in Deutschland

Der Lebensmittelhandel in Deutschland ist hart umkämpft und wird von einer Handvoll großer Ketten dominiert. Die größten Unternehmen in Deutschland nach Umsatz im Inland im Lebensmittelbereich sind:

1. Edeka-Gruppe (einschließlich Netto): 47 Milliarden Euro
2. Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland): 27,7 Milliarden Euro (geschätzt)
3. Rewe-Gruppe (einschließlich Penny): 27,6 Milliarden Euro (geschätzt)
4. Aldi-Gruppe: 22,6 Milliarden Euro (geschätzt)
5. Metro-Gruppe (Real, Metro): 10,8 Milliarden Euro (geschätzt)

Die Tengelmann-Gruppe (Kaiser's Tengelmann) steht mit rund 2 Milliarden Euro Umsatz an Platz 13.

(Quelle: Lebensmittelzeitung/Trade Dimensions, Zahlen von 2014)

Bundeskartellamt und Logo
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Das Bundeskartellamt sah eine Verschlechterung des Wettbewerbs.

"In diesem Fall kommt es vor allem auf die Marktverhältnisse vor Ort an", erläuterte Mundt. Nicht der relativ geringe bundesweite Marktanteil von Kaiser's Tengelmann sei entscheidend. "Niemand fährt zum Einkaufen quer durch Deutschland oder auch nur quer durch eine Großstadt." Die Einkaufsalternativen wären durch den Zusammenschluss für die Verbraucher erheblich eingeschränkt worden, die Gefahr von Preiserhöhungen wäre gegeben gewesen, so Mundt.

Auch gegenüber den Zulieferern wäre die ohnehin große Verhandlungsmacht der großen Unternehmen Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe mit Kaufland und Lidl weiter gestiegen.

Noch eine Chance?

Edeka und Tengelmann zeigten sich enttäuscht von der Entscheidung des Kartellamts. Die Untersagung der Übernahme durch die Marktwächter ist aber noch nicht rechtskräftig. Alle Beteiligten können beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde dagegen einlegen. Nach Informationen von "Manager Magazin online" bereiten Edeka und Kaiser's Tengelmann einen Antrag auf Ministererlaubnis vor.

Die seltene Praxis können Unternehmen anwenden, wenn ein öffentliches Interesse an einer untersagten Fusion besteht. In diesem Fall kann der Bundeswirtschaftsminister trotz Verbots durch das Kartellamt den Zusammenschluss erlauben. Eine Sprecherin von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel sagte, eine Ministererlaubnis stehe "aktuell nicht zur Debatte". Kaiser's Tengelmann bestätigte den Bericht nicht.

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