Ebay-Zentrale in San Jose | Bildquelle: dpa

Top-Verkäufer abgeworben? Ebay verklagt Amazon

Stand: 18.10.2018 03:57 Uhr

Amazon hat angeblich auf illegale Weise versucht, erfolgreiche Ebay-Verkäufer auf die eigene Plattform zu locken. Das sagt zumindest Ebay und hat den Konkurrenten nun verklagt. Amazon schweigt zu den Vorwürfen.

Die Online-Handelsplattform Ebay hat Amazon verklagt. Mitarbeiter des Rivalen hätten das Ebay-Email-System genutzt, um illegal Verkäufer abzuwerben und dazu zu bewegen, ihre Waren bei Amazon anzubieten, heißt es in der bei einem US-Gericht eingereichten Klageschrift. Dies stelle einen Verstoß gegen die Nutzungsvereinbarungen von Ebay dar.

"Koordinierte, weltweite Kampagne"

Laut Ebay handelte es sich dabei um eine "orchestrierte, koordinierte, weltweite Kampagne". Ab 2015 haben demnach Dutzende von Amazon-Vertretern Ebay-Konten eröffnet und versucht, über das E-Mail-System für Mitglieder des Internethandelsplatzes "viele Hunderte" von Verkäufern dazu zu bewegen, Produkte bei Amazon anzubieten.

Der "Missbrauch" sei systematisch und koordiniert mit dem Ziel erfolgt, Ebay zu schaden. Laut dem Unternehmen sollen Amazon-Vertreter betroffene Ebay-Verkäufer um Telefongespräche gebeten haben, damit die Sache nicht auffliegt.

Amazon äußerte sich bislang nicht zu Vorwürfen

Der Konzern mit Sitz im kalifornischen San Jose forderte Amazon in der Klageschrift auf, den Missbrauch seines Nachrichtensystems zu stoppen und eine nicht näher genannte Summe zu zahlen. Der in Seattle ansässige Amazon-Konzern äußerte sich bislang nicht zur Klage. Beide Online-Portale verlassen sich auf unabhängige Händler, um ihren Umsatz zu mehren.

Gezielt Code-Wörter benutzt?

Die Seite von Amazon auf einem Laptop-Bildschirm | Bildquelle: AP
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Wollte Amazon Ebay-Verkäufer auf die eigene Plattform locken?

Der Klageschrift zufolge gingen die Amazon-Mitarbeiter strategisch vor und waren sich durchaus im Klaren, dass ihre Aktionen verboten waren. So sollen bei den Avancen gegenüber den Verkäufern gezielt Code-Wörter, Abkürzungen und Umschreibungen benutzt worden sein, die es Ebay erschweren sollten, sie per Schlagwortsuche zu finden. So wurde demzufolge der Firmenname mit Satzzeichen wie Punkten oder Bindestrichen bewusst umgestaltet, so dass er in E-Mails statt als Amazon etwa als AMZ, A.M.Z.N. oder a-m-a-z-o-n erschien. Laut Ebay wurden ausgeklügelte Methoden angewandt, um Spuren zu verwischen.

Angebliche dubiose Abwerbeaktionen

Ebays internes E-Mail-System ist für die Kommunikation zwischen Mitgliedern der Plattform untereinander oder auch mit dem Unternehmen vorgesehen. Dabei gelten jedoch klare Vorschriften, Absprachen für Geschäfte außerhalb von Ebays Handelsplatz sind nicht erlaubt.

Brisant für Amazon: Teile der Klage stützen sich auch auf Aussagen von Mitarbeitern, die angeblich an solch dubiosen Abwerbeaktionen teilgenommen haben. Es habe sich um ein ganzes Team gehandelt, das "aktiv Verkäufer sucht, von denen wir glauben, dass sie auf der Amazon-Plattform erfolgreich wären", wird einer von ihnen zitiert. Viele Nachrichten ließen sich auch zu IP-Adressen zurückverfolgen, die Amazon zugeordnet werden könnten.

Die Abwerbeversuche über das interne E-Mail-System wurden laut Ebay nicht nur von Amazon-Mitarbeitern in den USA, sondern auch in Ländern wie Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien sowie Australien und Singapur unternommen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2018 um 04:58 Uhr.

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