Ein Mann fährt auf einem Elektro-Tretroller | Bildquelle: REUTERS

Elektromobilität Lizenz zum Rollen

Stand: 03.04.2019 15:14 Uhr

In Mailand oder Paris kurven sie längst über die Straßen, nun könnten E-Tretroller bald in Deutschland unterwegs sein. Das Kabinett hat die Zulassung beschlossen. Wie können die E-Scooter zur Verkehrswende beitragen?

Von Jan Koch, WDR

Lars Thüner in Köln hat nicht gewartet: Er verkauft seit Jahren E-Tretroller in seinem kleinen E-Mobilitätsladen am Kölner Randbezirk. Auch wenn seine Kunden diese Roller im Verkehr bis heute gar nicht nutzen dürfen. "Die Leute schreiben mich an, rufen an, fragen, wann es denn beschlossen ist und dann sage ich: Meine Importeure werden liefern, sobald es klar ist", erzählt er.

In den USA längst ein Hit

Im Ausland sind schon seit Längerem E-Tretroller im Verkehr zu sehen: etwa in Madrid, Tel Aviv, Paris oder Washington. Vor allem in den USA boomt das Geschäft mit dem neuen Fortbewegungsmittel. Vor allem die Sharing-Variante kommt dort gut an, sorgt aber auch für Unmut.

Denn häufig lassen Nutzer am Ende ihrer Leihe die Elektroroller einfach in der Gegend herumliegen. Ein Problem, mit dem auch in Deutschland zu rechnen ist, insofern E-Tretroller zu einem ähnlichen Hit werden, nachdem sie zugelassen sind. Die Bundesregierung hat bereits grünes Licht gegeben. Nun muss noch der Bundesrat zustimmen.

Doch das war nicht das Hauptproblem, weswegen eine Zulassung länger dauerte als woanders in der Welt. Größter Knackpunkt war hier die Sicherheit und die Frage, wie sie in den Straßenverkehr integriert werden können.

Ein E-Tretroller steht in Kopenhagen neben einem Fahrrad. | Bildquelle: dpa
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In anderen Ländern - so wie hier in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen - gehören E-Tretroller längst zum Stadtbild.

Verkehrsministerium gibt E-Tretroller frei

Das Bundesverkehrsministerium hat Regeln aufgestellt, um elektrifizierte Kleinstfahrzeuge mit Lenkstange für den Straßenverkehr freigeben zu können, sobald der Bundesrat zugestimmt hat. Dazu gehören eben auch E-Tretroller.

Wer bisher mit einem solchen Gefährt unterwegs war, tat dies nicht legal. Nur in einer deutschen Stadt gab es bisher Tests mit dem neuen Fortbewegungsmittel: in Bamberg. Hier durfte Marktführer Bird seine Elektrotretroller präsentieren. Sobald die Verordnung des Bundesverkehrsministeriums in Kraft tritt, will das Start-up seine Bamberger Flotte auf 100 Tretroller aufrüsten.

Verordnung zu E-Tretrollern

Verkehrsrechtlich werden sie wie Fahrräder behandelt und müssen also auf dem Radstreifen fahren. Wenn diese fehlen, dann auf der Straße. Fahrer dürfen nicht schneller als mit 20 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Es gibt zwar keine Helm-, dafür aber eine Versicherungspflicht. E-Tretroller dürfen ohne Führerschein genutzt werden. Zuvor war lange diskutiert worden, ob dafür eine Mofa-Prüfbescheinigung nötig ist.

Start-ups in den Startlöchern

Es wird wohl nicht lange dauern, bis auch Konkurrent Lime seine elektrifizierten Tretroller in Deutschland platziert hat. Aber nicht nur die beiden großen US-Firmen wollen etwas vom neuen Verkehrskuchen abhaben. Auch in Deutschland stehen Start-ups in den Startlöchern. Wie zum Beispiel Tier Mobilty in Berlin.

Das Unternehmen ist bereits in anderen Städten Europas aktiv, wie Noah Kruse erzählt, Marketing-Manager des Start-ups: "Da wir als Start-up initiativ wenig Einfluss auf die Gesetzgebung haben, haben wir uns strategisch darauf konzentriert, unseren Service zu Beginn in den europäischen Städten anzubieten, in denen andere gesetzliche Regelungen herrschen. Wir planen langfristig, in allen großen und mittelgroßen Städten aktiv zu sein."

Start-ups wie Tier oder auch Bird wollen mit ihren E-Tretrollern auf der einen Seite Geld verdienen, aber - so sagen sie - auch einen Teil zu einer neuen Mobilität beitragen.

Zulassung von Elektro-Scootern rückt näher
tagesthemen 21:35 Uhr, 03.04.2019, Friederike Hofmann, WDR

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Kleiner Baustein der Verkehrswende

Auch Verkehrsforscher sehen in E-Tretroller einen weiteren Baustein auf dem Weg zum Verkehr der Zukunft, wie auch Thorsten Koska. Er forscht am Wuppertal Institut zur Verkehrswende und neuen Mobilität. Er betont allerdings, dass es zwar ein wichtiger, aber kleiner Baustein wäre: "E-Tretroller sind ein Part. Es ist gerade der Mix aus verschiedenen Verkehrsmitteln, der dafür sorgen kann, dass ich nicht mehr nur mit dem Rad oder der Bahn fahren muss, sondern Verkehrsmittel je nach meinen Bedürfnissen kombinieren kann." Vor allem die Sharing-Variante, also E-Tretroller an verschiedenen Stationen in der Stadt verteilt ausleihen zu können, sei für viele Experten besonders interessant.

Der Fußgängerverein FUSS und der Radfahrerverband ADFC befürchten allerdings eine unsichere Verkehrssituation. Sie warnen vor möglichen Unfällen bei Kollisionen von Fußgängern und E-Tretroller-Fahrern. Diese Rollerfahrer sollen künftig zwar den Fahrradweg nutzen und - sollte es diesen nicht geben - auf der Straße fahren. Aber mit ihnen käme ein weitere Player hinzu, der am täglichen Verkehr teilnehmen möchte.

"Ergänzung zum Straßenverkehr"

Kruse von Tier Mobility meint dazu: "Wir glauben, dass Dialog entscheidend ist. E-Tretroller sind auf lange Sicht eine klare Ergänzung für den öffentlichen Straßenverkehr. Dementsprechend ist es essentiell für uns, gemeinsam mit Kommunen und anderen Vereinigungen Partnerschaften zu schließen. Nur so können wir die aktuellen Hindernisse erfolgreich lösen."

Unternehmer und Verkäufer Lars Thüner aus Köln erwartet ein großes Geschäft. "Der Sommer könnte voll sein mit E-Tretrollerfahrern, die aus voller Neugierde ihre Wege mit dem neuen Verkehrsmittel bestreiten" - und unsere Städte in diesem Sommer ein wenig anders aussehen lassen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 03. April 2019 um 13:08 Uhr.

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