EZB-Chef Draghi in Davos

Weltwirtschaftsforum in Davos Draghi freut sich über "Euro-Relaunch"

Stand: 25.01.2013 14:32 Uhr

Stabilere EU-Wirtschaft, weniger Schulden, mehr Wettbewerbsfähigkeit: EZB-Chef Draghi hat sich in Davos optimistisch gezeigt. Die EU profitiere von den Reformen, die Regierungen müssten aber stärker in übernationalen Institutionen zusammenarbeiten, forderte er - und nannte die EZB als Vorbild.

Axel Weiß

Von Axel Weiß, SWR-Wirtschaftsredaktion, zzt. Davos

Bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum hat sich der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, verhalten optimistisch gegeben. Das Jahr 2012 sei das Jahr eines "Relaunchs" des Euro gewesen, sagte er.

Draghi betonte weiter, die EU-Wirtschaft sei dabei, sich auf einem niedrigen Niveau zu stabilisieren. Die Schulden und die Wettbewerbsfähigkeit hätten sich im Lauf des vergangenen Jahres verbessert, weil die nationalen Regierungen in der EU entsprechend gehandelt hätten, indem sie etwa mit Strukturreformen begonnen hätten. Die Früchte dieser Reformen würden sich jetzt langsam zeigen.

"Um zu verstehen, wie viel sich im letzten Jahr getan hat, muss man nur ein Jahr auf die gleichen Dinge zurückblicken: Verschuldung, Defizite, Wettbewerbsfähigkeit, Exporte - wo war das vor einem Jahr?", fragte der Italiener. Die Finanzmärkte rechneten jetzt auch mit dieser neu eingekehrten Ruhe in der Eurozone. Das zeigten ein Blick auf die verschiedenen Wirtschaftsindizes und auch der Anstieg an den Börsen.

Aufruf zum Fortsetzen des Sparkurses

Draghi warnte allerdings vor einer weiteren Verschuldung. Wachstum könne nicht dadurch erzeugt werden, dass man immer neue Schulden mache. Sparsamkeit und Wachstum müssten sich nicht ausschließen, meinte er. Die strategische Herausforderung sei es, in diesem Jahr zu einem "voll integrierten Kapitalmarkt" zurückzukehren.

Für Europa sah der seit November 2011 amtierende EZB-Chef gute Perspektiven: "Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat der Prozess einer Reorganisation der europäischen Integration wieder Fahrt aufgenommen."

"Eine starke Region mit einer starken Basis"

Europa dürfe seine Stärke nicht unterschätzen, betonte Draghi. Wenn man von Verschuldung bis zur Arbeitslosigkeit alles zusammennehme, habe Europa die vergangenen 15 Jahre deutlich besser überstanden als jeder andere Teil der Welt: "Eine starke Region mit einer starken Basis, auf die man den Prozess einer verstärkten Integration aufsetzen kann."

Draghi forderte weiter, die europäischen Nationen Europas müssten in übernationalen Einrichtungen zusammenarbeiten, um die Herausforderungen zu lösen und um ihre Souveränität behalten zu können. Die Krise habe gezeigt, dass man die direkten Verbindungen zwischen den Banken und den Nationalstaaten kappen müsse: "Schaffen Sie etwas Supranationales, wo ihre Herrschaft staatsübergreifend wirkt und jeder Mitgliedsstaat diese Souveränität mit anderen teilt - so wie wir das in der Europäischen Zentralbank machen."

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KOMMENTARE

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Walter Meingott 25.01.2013 • 21:30 Uhr

Viele fragen sich ja, was die

Viele fragen sich ja, was die berühmt-berüchtigte Goldmann-Sachsbank wohl damit bezwecken mag, daß sie eines ihrer Geschöpfe an die Spitze der Spielgeldeurozentralbank EZB gesetzt hat; die Antwort ist denkbar einfach: Mit Hilfe ihrer Bewertungsgesellschaften treiben die Bankenübeltäter die Zinsen der ohnehin schon längst zahlungsunfähigen Staaten Europas nach oben und sobald dann deren Staatsbankrott droht, kauft die EZB deren Staatsanleihen auf, womit dann die Zinsen und Darlehen an die Bankenübeltäter in Übersee und ihre europäischen Lakaien bezahlt werden. Geschähe dies nicht, so würden die Bankenübeltäter mit den wertlosen Staatsanleihen ganz gehörig Schiffbruch erleiden und daher ist es eben so wichtig, daß botmäßige Leute an den Schaltstellen der Macht sitzen und dies ist in hohem Maße gelungen. Damit befinden sich nun Europas Völker in einer wahren Zinsknechtschaft, welche die Früchte ihrer Arbeit verzehrt, aber auch dafür sorgt, daß es nicht zum völligen Bankrott kommt.