Ein Dorsch wird mit einem Kescher aus dem Wasser geholt.  | dpa

Kipp-Punkt überschritten Dorsch in der Ostsee droht auszusterben

Stand: 17.08.2021 12:12 Uhr

In der westlichen Ostsee sind die Dorschbestände so stark geschrumpft, dass sie sich vorerst nicht erholen können. Das geht aus einer neuen Studie hervor. Die Hauptgründe dafür: Klimawandel und Überfischung.

Der Dorschbestand der westlichen Ostsee ist einer Studie zufolge derart zusammengebrochen, dass eine absehbare Erholung aus Expertensicht unwahrscheinlich ist. Forscher unter Leitung von Christian Möllmann vom Centrum für Erdsystemforschung und Nachhaltigkeit der Universität Hamburg kamen zum Ergebnis, dass der Kipp-Punkt für diese Population überschritten ist.

Das Team habe jahrzehntelange Fischereidaten der Region mit Hilfe statistischer Modelle analysiert, teilte die Universität mit. Beteiligt waren auch Wissenschaftler der Universität Kiel und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig. Die Studie wurde im Fachblatt "Scientific Reports" veröffentlicht.

Klimawandel und Überfischung

Die Hauptgründe für die Entwicklung seien der Klimawandel und Überfischung. "Aufgrund von hohen Fangquoten und bisher nicht beachteten Umweltfaktoren ist es sehr unwahrscheinlich, dass sich der Bestand des Dorsches an der deutschen Ostseeküste in näherer Zukunft erholen wird", heißt es in der Mitteilung.

Im Fischereimanagement werde zwar jährlich eine nachhaltige Gesamtbiomasse für bestimmte Fischarten festgelegt, die gefangen werden darf. So könne sich deren Bestand erholen. "Dieses System berücksichtigt jedoch nicht die sich verändernden Umweltbedingungen in der Region, zum Beispiel durch den Klimawandel." So sei in den vergangenen Jahren zu viel Dorsch - in anderen Seegebieten Kabeljau genannt - gefangen worden.

Weniger Fische brüten

"Normalerweise geht man davon aus, dass sich die Bestände erholen können, wenn man den Fischereidruck verringert", erläuterte Möllmann. "Unsere Analyse zeigt, dass dies wahrscheinlich nicht mehr der Fall ist." Der Fischereidruck in Kombination mit der Erwärmung des Wassers könne dazu geführt haben, dass weniger Fische brüten können, so dass immer weniger Eier überleben. Der Dorschbestand werde sich gar nicht oder nur äußerst langsam erholen.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 17. August 2021 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.