Konjunktur

Verzicht auf Konjunkturprognose Das DIW kapituliert vor der Krise

Stand: 17.04.2009 14:09 Uhr

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) verzichtet angesichts des Rekordeinbruchs der Konjunktur auf eine Prognose für 2010. Wegen der extrem großen Unsicherheiten sei es nicht sinnvoll, eine qualitative Prognose für das nächste Jahr vorzulegen, teilten die Berliner Forscher mit. Seit der Verschärfung der Finanzkrise liefen die Prognosen der Entwicklung hinterher, sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann. "Sämtliche Prognostiker - das DIW Berlin inbegriffen - haben die Entwicklung in all ihrer Dramatik so nicht vorausgesehen."

DIW-Präsident Klaus Zimmermann
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Verzichtet auf eine Wachstumsprognose: DIW-Präsident Klaus Zimmermann

Im Januar hatte das DIW für das laufende Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 1,1 Prozent und für 2010 ein Wachstum von 1,1 Prozent vorausgesagt. Damit war das Institut deutlich optimistischer als die meisten anderen Konjunkturexperten. Inzwischen hat sich die Rezession angesichts von Rekordeinbrüchen bei Industrie und Exporten noch verschärft, zahlreiche Analysten haben ihre Prognosen gesenkt. Am pessimistischsten äußerten sich zuletzt die Volkswirte der Commerzbank, die ein Quartalsminus von sieben Prozent erwarten.

Zimmermann: Prognosen verschärfen Lage

Zimmermann hatte bereits Ende vergangenen Jahres erklärt, der Wettlauf der Forschungsinstitute, Bankanalysten und internationalen Organisationen um immer schlechtere Prognosen habe die Schwere und Länge der Wirtschaftskrise verschärft. Er plädierte dafür, die Prognosen eine zeitweise auszusetzen, da die Auswirkungen derartiger Krisen, wie sie aktuell vorherrschten, in keinem Konjunkturmodell berücksichtigt seien.

Im vergangenen Jahr hatten die DIW-Forscher mit ihren Prognosen kräftig daneben gelegen: Sie gehörten zu den wenigen Experten, die noch im November ein Wachstum für das vierte Quartal vorhergesagt hatten. Zum Jahresende war aber die Wirtschaftsleistung in Deutschland mit 2,1 Prozent so stark geschrumpft wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr.

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