Ein Hafen in China | AFP

Auslandsinvestitionen China überholt die USA

Stand: 25.01.2021 15:03 Uhr

China ist längst die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt. Bei den ausländischen Direktinvestitionen hat das Land nun die Vereinigten Staaten abgehängt - und liegt inzwischen sogar auf Platz eins.

Der Ausbruch der Corona-Krise hat im vergangenen Jahr zu einem dramatischen Einbruch der weltweiten ausländischen Direktinvestitionen geführt. Laut einem Bericht der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) fielen sie von 1,5 Billionen Dollar im Jahr 2019 um 42 Prozent auf geschätzte 859 Milliarden Dollar im Jahr 2020. Ein derart niedriges Niveau wurde zuletzt in den neunziger Jahren registriert. Es liegt sogar um ein Drittel unter dem Investitionsvolumen in den Jahren der globalen Finanzkrise 2008-2009.

In den Vereinigten Staaten gingen die ausländischen Direktinvestitionen um 49 Prozent auf geschätzte 134 Milliarden Dollar zurück. Der Rückgang betraf sowohl den Großhandel, die Finanzwirtschaft als auch das verarbeitende Gewerbe.

In der Europäischen Union sanken die Investitionen um zwei Drittel. Ausnahmen in der EU bilden Schweden und Spanien, wo sie zulegten.

Größtes Plus in der Pharmabranche

Größter Gewinner ist jedoch China. Das Land ist im vergangenen Jahr zum weltweit größten Empfänger ausländischer Direktinvestitionen aufgestiegen. Die Zuflüsse stiegen den Berechnungen der UNCTAD zufolge um vier Prozent auf 163 Milliarden Dollar. Neben dem Technologiesektor (plus 11 Prozent) weckte vor allem die Pharmaindustrie (plus 54 Prozent) das Interesse der Investoren. Außer China haben im vergangenen Jahr in Asien auch Japan und Südkorea mehr ausländische Direktinvestitionen angezogen als 2019.

Für das laufende Jahr erwartet die UNCTAD nur eine zögerliche Erholung. Wegen der Unsicherheit als Folge der anhaltenden Corona-Pandemie dürften die Direktinvestitionen weltweit insgesamt schwach bleiben. Die Organisation hatte im letztjährigen Weltinvestitionsbericht für 2021 einen Rückgang der ausländischen Direktinvestitionen um fünf bis zehn Prozent prognostiziert.

Fusionen im Fokus

"Die Auswirkungen der Pandemie auf die Investitionen werden anhalten", sagte James Zhan, Direktor der Investmentabteilung der UNCTAD. "Investoren werden wahrscheinlich vorsichtig bleiben, wenn sie Kapital für neue produktive Vermögenswerte in Übersee bereitstellen."

Zudem dürften die Direktinvestitionen in diesem Jahr weniger in den Bau neuer Industrieanlagen fließen, sondern sich auf Fusionen und Übernahmen konzentrieren, besonders im Technologiebereich und im Gesundheitswesen.