Auszubildende der Deutschen Bahn arbeiten in der Ausbildungswerkstatt des Unternehmens | Bildquelle: dpa

DGB-Azubi-Report Zwischen Firmencloud und Kloputzen

Stand: 29.08.2019 10:32 Uhr

Der DGB-Ausbildungsreport 2019 zeigt: Je größer der Betrieb, umso zufriedener die Azubis. Doch viele fühlen sich nicht ausreichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet.

Von Jutta Hammann, Hendrik Buhrs und Ute Schyns, WDR

Die angehende Bäckereifachverkäuferin macht unter dem Pseudonym "Wanja" ihrem Ärger Luft. Statt Brötchen zu verkaufen, muss sie regelmäßig Klos putzen: "Seitdem ich meine Probezeit bestanden habe, hat man mir gesagt, dass man hier viermal am Tag Kundentoiletten samt Kloschüsseln und Pissoire putzen muss", schreibt sie in ihrem Post auf dem Online-Beratungsforum der DGB-Jugend. "Mir wird kotzübel davon. Ich mag meine Ausbildung, aber das geht nicht."

Ausbildungszufriedenheit leicht gesunken

Ihre Beschwerde ist kein Einzelfall: Nahezu jeder achte Azubi muss immer wieder Arbeiten übernehmen, die nicht zu seiner Ausbildung gehören. Das zeigt der diesjährige DGB-Ausbildungsreport, für den rund 16.000 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen befragt wurden.

Ein weiteres Ergebnis: Mehr als ein Drittel muss regelmäßig Überstunden machen. Darunter sind auch viele Jugendliche unter 18 Jahren, obwohl die nicht mehr als 40 Stunden in der Woche arbeiten dürfen. Zwar ist der Großteil der Befragten laut der DGB-Studie grundsätzlich zufrieden. Aber der Anteil der Zufriedenen ist leicht gesunken - zum ersten Mal auf knapp unter 70 Prozent.

Eine Auszubildende zur Köchin im dritten Lehrjahr | Bildquelle: dpa
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Vor allem angehende Köche, Hotelfachleute und Friseure sind mit ihrer Ausbildung nicht zufrieden.

Große Unterschiede bei der Digitalisierung

Vor allem aber bei der Frage, wie gut die Azubis auf die Digitalisierung in der Arbeitswelt vorbereitet werden, sehen die Autoren der Studie großen Nachholbedarf. Rund 80 Prozent der befragten Lehrlinge bewerten die Digitalisierung und Automatisierung in ihrer Ausbildung mindestens als wichtig. Doch nur gut die Hälfte (54 Prozent) findet, dass sie gezielt darauf vorbereitet werden, digitale Technologien auch zu nutzen.

Lucas Lütke hat es da in seinem Betrieb, der Elektro- und Sanitärfirma Josef Beermann, gut getroffen. Der 21-Jährige macht dort im zweiten Lehrjahr eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. "Ich bin sehr zufrieden mit meiner Ausbildung und habe nette Kollegen", sagt er. "Wir sind eine große Firma mit geordneten Arbeitsabläufen."

Vor allem von einigen Mitschülern, die in kleineren Firmen arbeiten, höre er auch andere Geschichten. Auf die Digitalisierung werde er gut vorbereitet, glaubt Lütke. "Als Elektroniker ist man mit der Technik sowieso weit vorne. Wir haben zum Beispiel eine firmeneigene Cloud. Da werden die Bilder von den Baustellen reingestellt, so dass die Mitarbeiter von überall darauf zugreifen können."

Um die Lehrlinge besser zu unterstützen, hat die Firma einen eigenen Azubi-Mentor eingestellt. Der gibt zum Beispiel bei Bedarf auch Nachhilfeunterricht und vermittelt, wenn es zu Konflikten zwischen Gesellen und den Auszubildenden kommt. Für den Betrieb hat Ausbildung einen hohen Stellenwert: Bei rund 500 Mitarbeitern sind allein in diesem Jahr 24 Azubis neu dazugekommen. Fachkräftesicherung sei auf dem Land ein Riesenthema, sagt Personalleiterin Birthe Barkey. 

Gute Betreuung hängt von Branche und Betriebsgröße ab

So läuft es aber lange nicht für alle Azubis. Wie gut Lehrlingen die Ausbildung gefällt, hängt laut der Studie stark von der jeweiligen Branche ab - und von der Unternehmensgröße. Dabei zeigt die Untersuchung eine klare Tendenz: Je größer der Betrieb, desto zufriedener die Azubis.

Die Autoren führen das auch darauf zurück, dass große Betriebe häufig mehr Personal haben und klarere Strukturen. Zudem achteten sie stärker darauf, dass Ausbildungspläne eingehalten werden und könnten Azubis häufig besser betreuen.

Azubi "Quentin" hat von Betreuung in seinem Betrieb noch nicht viel mitbekommen. Ob es sich um ein großes oder kleines Unternehmen handelt, schreibt er in seinem Post im DGB-Beratungsforum nicht - nur so viel: "Der Meister, der meinen Vertrag unterschrieben hat, ist seit locker drei bis vier Jahren nicht einmal im Betrieb gewesen."

Eine Auszubildende zum Schweißer arbeitet  in einem Ausbildungszentrum an einem Stück Metall | Bildquelle: dpa
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In größeren Firmen fühlen sich viele Azubis besser aufgehoben.

Zufriedene Industriemechaniker - unzufriedene Köche

Ganz anders hat die 22-jährige Arta Haxhiu das in ihrem Betrieb erlebt. Sie ist im dritten Lehrjahr und macht eine Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement bei ThyssenKrupp. "Meine Ausbildung ist abwechslungsreich und macht viel Spaß. Ich habe schon viele Abteilungen durchlaufen." In jeder Abteilung werde genau darauf geachtet, dass die Azubis ihre Lernziele erreichten.

Haxhiu ist mit ihrer Ausbildung deshalb sehr zufrieden. Dabei liegen die Kaufleute für Büromanagement im DGB-Ranking eher im Mittelfeld - genauso wie etwa die Ausbildungen zum Bankkaufmann, zur Tischlerin und Steuerfachangestellten.

Überdurchschnittlich zufrieden sind dagegen zukünftige Industriemechaniker, Verwaltungsangestellte und Industriekaufleute. Am schlechtesten bewerten angehende Köche, Hotelfachleute und Friseure ihre Ausbildung - vor allem in sehr kleinen Betrieben.

Ausbildungspläne um digitale Technologien ergänzen

Um die Qualität der Ausbildung zu verbessern, fordert der DGB, die Ausbildungspläne um digitale Techniken und Medien zu ergänzen. Zudem müsse sich die technische Ausstattung an Berufsschulen verbessern. Entscheidend dafür sei, dass die Mittel aus dem sogenannten Digital-Pakt von Bund und Ländern auch dort ankommen.

Wer Azubis schlecht behandelt, braucht sich nicht wundern...
Christopher Jähnert, ARD Berlin
29.08.2019 19:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. August 2019 um 03:00 Uhr.

Korrespondentin

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