Auszubildende lernen den Umgang mit einer Standbohrmaschine.

DGB-Ausbildungsreport Hohe Belastungen für Azubis

Stand: 01.09.2016 11:57 Uhr

Die gute Nachricht: Mehr als 70 Prozent der Auszubildenden sind mit ihrer Ausbildung zufrieden. Die schlechte: Viele leiden unter Leistungsdruck, machen Überstunden, erhalten keine Anleitung. Dabei gebe es große Unterschiede zwischen den Branchen, so eine Studie des DGB.

Zehntausende Azubis leiden laut einer Umfrage des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) unter Überstunden, Leistungsdruck und einem Fehlen von jeglicher Anleitung. So gibt jeder Dritte an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen, wie der DGB-Ausbildungsreport 2016 zeigt. Davon muss fast jeder Fünfte nach eigenen Angaben mehr als fünf Überstunden pro Woche leisten, die anderen bis zu fünf Stunden. Bei Köchen, Malern und Lebensmittel-Fachverkäufern sind die Bedingungen der Studie zufolge oft besonders schlecht. So gaben 55 Prozent der angehenden Köche an, regelmäßig Überstunden leisten zu müssen. 

Fast 60 Prozent der Azubis gehen zur Arbeit, auch wenn sie krank sind. Bei einem Drittel fehlt laut Befragung ein Ausbildungsplan, bei 13,4 Prozent findet überhaupt oder fast keine fachliche Anleitung statt. Und: Der Studie zufolge übt jeder zehnte Lehrling regelmäßig ausbildungsfremde Tätigkeiten aus. Mehr als jeder Zweite fühlt sich durch schlechte Arbeitsbedingungen oder hohe Anforderungen stark belastet. Jeder Fünfte fühlt sich hohem Leistungs- und Zeitdruck ausgesetzt.

Erhebliche Branchenunterschiede

Zwar sind die meisten Auszubildenden (71,7 Prozent) dem DGB zufolge mit ihrer Ausbildung zufrieden - es gibt aber erhebliche Branchenunterschiede: Mechatroniker, Industriekaufleute und Zerspanungsmechaniker sind überdurchschnittlich zufrieden. Fachverkäufer des Lebensmittelhandwerks, Zahnmedizinische Fachangestellte sowie Auszubildende in Teilen des Hotel- und Gaststättenbereichs bewerten ihre Betriebe hingegen mangelhaft. An der repräsentativen Umfrage, die zum elften Mal stattfand, haben sich 13.603 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen beteiligt.

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Gesetzliche Vorgaben gefordert

Vize-DGB-Chefin Elke Hannack rief dazu auf, die negativen Auswüchse bei der dualen Bildung mit einer Novelle des Berufsbildungsgesetzes zu beenden: "Die duale Ausbildung war jahrzehntelang der Garant für gute Fachkräfte, die Qualität der Ausbildung schwindet aber in vielen Bereichen." Der DGB forderte außerdem schärfere gesetzliche Vorgaben. "Der Gesetzgeber kann nicht mehr zusehen, wie die duale Ausbildung vor die Wand fährt", sagte Bundesjugendsekretär Florian Haggenmiller.

"Weg von der Bestenauslese"

Hannack forderte die Wirtschaft zu mehr und besseren Plätzen auf - auch für Flüchtlinge. "Wer über unbesetzte Ausbildungsplätze klagt, muss qualitativ gute Ausbildungsplätze mit Perspektive anbieten". Zur Situation auf dem Ausbildungsmarkt sagte sie: "Es sind deutlich mehr Anstrengungen der Arbeitgeber notwendig. Sie müssen weg von ihrer Bestenauslese und wieder mehr Ausbildungsplätze auch für Hauptschüler anbieten."

Zum Stand Ende Juli waren noch mehr als 170.000 Ausbildungsplätze unbesetzt. Bei den Agenturen für Arbeit waren 24.000 mehr Ausbildungsangebote als suchende Jugendliche gemeldet. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hatte auf Probleme für viele Unternehmen hingewiesen. "Ihnen gehen die Bewerber aus", sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Viele Unternehmen würden intensiv für ihre Ausbildung werben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. September 2016 um 12:00 Uhr.

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