In Bremerhaven stehen Autos für den Export bereit. | Bildquelle: REUTERS

Deutsche Ausfuhren im März Stärkster Export-Rückgang seit 1990

Stand: 08.05.2020 10:36 Uhr

Die deutschen Ausfuhren sind im März durch die Corona-Krise massiv gesunken - im Vergleich zum Februar steht ein Minus von 11,8 Prozent. Die Exporte seien zwischen "zwei Mühlsteinen aufgerieben" worden, so ein Volkswirt.

Die deutschen Exporte sind wegen der Corona-Krise drastisch eingebrochen. Die Unternehmen führten im März Waren im Wert von 108,9 Milliarden Euro aus. Das waren 7,9 Prozent weniger als im Vorjahresmonat und 11,8 Prozent weniger als im Februar dieses Jahres, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Gegenüber dem Vormonat sei dies der "größte Rückgang seit Beginn der Zeitreihe im August 1990".

"Die deutsche Warenausfuhr wurde im März zwischen zwei schweren Mühlsteinen aufgerieben", analysiert DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. "So spürten die deutschen Exporteure nicht nur die Corona-bedingte Schwäche des chinesischen Marktes, sondern auch das immer stärkere Wegbrechen ihres europäischen Heimatmarktes." Während im kommenden Monat die Impulse aus China wieder zunehmen sollten, "werden sich die Bremseffekte in Europa nochmals verschärfen".

Die Corona-Krise dürfte bei der exportlastigen Wirtschaft auch im April für einen massiven Einbruch gesorgt haben. Dazu fehlen aber noch die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.

Auch bei den Einfuhren gibt es eine negative Entwicklung. Die Importe im März verringerten sich um 5,1 Prozent - das ist das größte Minus zum Vormonat seit Januar 2009.

Ein schwieriges Quartal

Die März-Zahlen hinterließen deutliche Spuren in der Bilanz des ersten Jahresquartals. Die Ausfuhren sanken gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,3 Prozent auf 324,9 Milliarden Euro. Die Einfuhren verringerten sich um 2,9 Prozent auf 273,1 Milliarden Euro.

"Die hohe internationale Verflechtung der Wirtschaft wird dem Exportsektor in Corona-Zeiten zum Verhängnis", sagte Chefökonom Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe und signalisierte, dass es schlimmer komme dürfte. "Noch ist die Messe hier nicht gelesen."

Fertige Ware, keine Schiffe

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank aus Liechtenstein, verweist auch auf Versandprobleme. "Das Exportgeschäft wird von unterbrochenen Logistikketten erschwert oder unmöglich gemacht." Fertige Ware könne stellenweise nicht in den Versand nach Übersee gegeben werden, weil auf den Weltmeeren der Schiffsverkehr ins Stocken geraten sei.

Die gesamte deutsche Wirtschaft steht 2020 vor einer tiefen Rezession. Die Bundesregierung rechnet mit einem preisbereinigten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sprach Ende April von großen politischen und wirtschaftlichen Herausforderungen.

Statistisches Bundesamt meldet Minusrekorde der Wirtschaft
Uwe Lueb, ARD Berlin
08.05.2020 11:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete BR5 am 08. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

Darstellung: