Hochhäuser des Bankenviertels in Frankfurt | Bildquelle: picture alliance/dpa

Analyse von Bankexperten Wie sieht die ideale Deutschland-Bank aus?

Stand: 17.03.2019 13:59 Uhr

Experten haben in einem Experiment die ideale Bank für Deutschland erdacht. Ihr Ergebnis: Sie hat nur wenig mit dem Geldhaus gemeinsam, das bei einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank entstünde.

Von Steffen Clement und Sandra Scheuring, HR

Die Gerüchteküche brodelt: Schließen sich Deutsche Bank und Commerzbank zu einer neuen Großbank zusammen? Hinter den Kulissen drängt Bundesfinanzminister Olaf Scholz genau in diese Richtung. Aber würde die Fusion wirklich weiterhelfen?

Um Antworten darauf zu finden, haben drei Banken-Experten der Frankfurter Goethe-Universität in einem Experiment für plusminus untersucht, wie die ideale Bank für Deutschland aussähe.

Baustein 1: Das Geschäftsmodell

Eine Grundsatzfrage mussten Jan Pieter Krahnen, Andreas Hackethal und Rainer Haselmann gleich zu Beginn klären: Welche Art von Geschäften soll die neue Zukunftsbank machen? Sollen alle drei Geschäftssäulen - Privatkundengeschäft, Firmenkundengeschäft und auch das umstrittene Investmentbanking - unter einem Dach geführt werden, als sogenannte Universalbank? Oder wäre eine Aufteilung besser. Die drei Professoren entschieden pragmatisch: "Wenn man an eine Ideal-Bank denkt, dann könnte man sich natürlich verschiedene Modelle vorstellen. Aber wir nehmen jetzt mal die Universalbank, weil sie im Moment deutscher und europäischer Standard ist."

Baustein 2: Die Filialen

Logo der Deutschen Bank an der Konzernzentrale in Frankfurt | Bildquelle: picture alliance / Fabian Sommer
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Auf 10.000 Kunden der Deutschen Bank kommen derzeit 1,3 Filialen.

Die Deutschen gehen immer seltener in ihre Bankfiliale. Online-Banking boomt und auch das mobile Bezahlen wird immer öfter eingesetzt. Für die Banken ist das Filialgeschäft teuer. Deshalb sind die Filialen oft die erste Stellschraube, wenn gespart werden soll. Laut Bundesbank blieben von den 42.000 Filialen, die 2007 in Deutschland geöffnet waren, noch knapp 32.000 übrig. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern liegt Deutschland im Mittelfeld. Wie viele Filialen sind also notwendig?

Bei der Antwort auf diese Frage orientieren sich die Experten an erfolgreichen ausländischen Banken. "Ganz ohne Filialen geht es nicht. Auf Deutschland übertragen bedeutet das: Eine Filiale pro 10.000 Kunden reicht. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank liegt mit 1,3 Filialen darüber, die Commerzbank mit 0,8 leicht darunter."

Baustein 3: Die Größe

Knapp 16 Milliarden Euro ist die Deutsche Bank an der Börse nur noch wert. Ein Alarmzeichen. Mit rund acht Milliarden Börsenwert ist die Commerzbank erst recht ein Zwerg. Um international auf Augenhöhe mitspielen zu können, sollte die Zukunfts-Bank einen Börsenwert von mehr als 40 Milliarden Euro haben, so die Einschätzung der Frankfurter Forscher: "Die Bank sollte auch im Investmentbanking unter den Top Ten sein, sonst ist man einfach nicht bedeutend. Heute eine kritische Größe zu haben, ist sozusagen das Eingangs-Ticket dafür, in einem zukünftigen Bankenmarkt, der zunehmend international wird, auch mitzuspielen", sagt Andreas Hackethal. Denn wenn die Banken zu klein werden, entwickeln sie sich schnell zu Übernahmekandidaten.

Baustein 4: Die Effizienz

Logo der Commerzbank | Bildquelle: picture alliance/dpa
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Pro Euro Ertrag wendet die Commerzbank derzeit mehr als 70 Cent auf.

Die ideale Bank müsste auch ihre Kosten im Griff haben, deswegen ist Effizienz ein wichtiges Merkmal. Das bedeutet für die Deutschland-Bank nach internationalen Maßstäben: Weniger als 70 Cent sollte sie für einen Euro Ertrag aufwenden. Davon sind beide Banken noch weit entfernt: die Deutsche Bank landet bei mehr als 90 Cent, die Commerzbank bei mehr als 70 Cent pro Euro. Krahnen gibt zu bedenken: Die Erträge hängen mit den Kosten zusammen. Fährt man die Kosten zu sehr herunter, geht Geschäft verloren. Haselmann ergänzt, dass Effizienzsteigerungen in Deutschland schwer seien. Die Konkurrenzsituation durch Volksbanken und Sparkassen sei im Vergleich zu anderen europäischen Ländern viel härter.

Der Realitäts-Check

Zuletzt versuchten die drei Forscher den Realitäts-Check: Wie nah käme die fusionierte Großbank aus Deutscher und Commerzbank dem Ideal der Deutschland-Bank?

Das Ergebnis der Experten ist ernüchternd: Zwar würde das neue Institut weniger Mitarbeiter und weniger Filialen haben - aber die Kosten einer Fusion wären immens. Ob sich so das Verhältnis von Aufwand und Ertrag verbessere, sei fraglich. Keine Fortschritte sind der Einschätzung der Experten zufolge zu erwarten bei den Themen globale Präsenz, Ranking im Investmentbanking, Börsenwert und für die Stabilität.

"Einen großen nationalen Champion zu schaffen ist ein Irrweg", sagt Bankenforscher Krahnen in seinem Fazit. "Banken müssen pleitegehen und abgewickelt werden können, ohne dass der gesamte Finanzmarkt mit in den Abgrund gerissen wird. Der nationale Champion würde aber unbedingt die Rettung durch den Steuerzahler einfordern. Das ist genau das, was wir in den letzten Jahren durch die Bankenunion verhindern wollten."

Die drei Forscher sehen als Ausweg nur eine europäische Lösung. Die schwachen deutschen Großbanken bräuchten einen starken europäischen Partner. Doch bislang hat keine andere europäische Bank Interesse bekundet.

Über dieses Thema berichtet heute Abend plusminus ab 21:45 im Ersten.

Über dieses Thema berichtete die ARD in der Sendung Plusminus am 06. März 2019 um 21:45 Uhr.

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