Eine Frau läuft neben einem Zug auf dem Bahnsteig entlang

Suche nach Wegen aus der Krise Bahnbeauftragter fordert höhere Preise

Stand: 27.01.2019 12:54 Uhr

Die Bahn soll investieren. Doch woher könnte das Geld kommen? Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Ferlemann, fordert höhere Fahrpreise. Auch für 19 Euro quer durch Deutschland zu fahren, soll kein Normalfall mehr sein.

Wie kommt die Bahn aus der Krise? Dass mehr Geld nötig ist, scheint klar. Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU), hat nun zur Finanzierung von Investitionen höhere Fahrpreise ins Gespräch gebracht. "Die Bahn könnte ihre Preise anheben oder die Sondertarife reduzieren", sagte Ferlemann der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Auch Fernbusse würden teurer, "die Zeiten des ruinösen Wettbewerbs sind vorbei". Es könne nicht der Normalfall sein, für 19 Euro quer durch Deutschland zu fahren.

Forderung nach Digitalisierung des Schienennetzes

Ferlemann sprach sich für eine komplette Digitalisierung des Schienennetzes aus. Das koste zwar bis 2040 jedes Jahr rund 1,5 Milliarden Euro. Doch damit könne auch viel Geld gespart werden, "weil auf demselben Netz mehr Züge fahren". Dazu müsse sich die Bundesregierung jetzt bekennen, forderte der CDU-Politiker.

Enak Ferlemann (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur. | Bildquelle: dpa
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Radikale Vorschläge vom Bahnbeauftragten Ferlemann: Teurere Bahntickets für eine besseres Schienennetz.

"Politik muss umdenken"

Er forderte grundsätzlich ein Umdenken in der Politik. In der Vergangenheit sei das Geld lieber in neue, teure Strecken wie zwischen Berlin und München gesteckt worden. "Wichtiger wäre ein Ausbau der Bahnknoten in den Ballungsräumen, da verlieren die Züge zu viel Zeit", zeigte sich Ferlemann überzeugt. Aber Politiker wollten natürlich lieber Schnellstrecken eröffnen als ein Ausweichgleis.

Appell an die Bahn: "Ihr müsst eure Jobs machen"

Ferlemann kritisierte aber auch die Bahn und deren Forderungen nach mehr Geld. "Immer höre ich von der Bahn: Wenn ihr uns für dieses oder jenes mehr Geld gebt, wird alles besser", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Doch das Gegenteil sei eingetreten. Seit eineinhalb Jahren gebe es auf einmal riesige Probleme im täglichen Betriebsablauf. Da sage er als Bahnbeauftragter: "Ihr müsste euren Job machen, das System muss funktionieren. Vorher gibt die Politik kein Geld."

Ferlemann stellte sich zugleich hinter Bahn-Chef Richard Lutz und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla. "Wir haben einen guten Vorstandsvorsitzenden Lutz und ein gutes Vorstandsmitglied Pofalla. Ein neuer Chef macht die Bahn nicht besser", sagte der CDU-Politiker.

Pro Bahn: Preiserhöhungen im Straßenverkehr nötig

Der Fahrgastverband Pro Bahn halte eine Diskussion über höhere Preise im gesamten Verkehrswesen aus ökologischen Gründen für denkbar, sagte Sprecher Karl-Peter Naumann. Preiserhöhungen seien aus seiner Sicht dann aber vor allem im Straßen- und Luftverkehr nötig. Für den Fahrgastverband Pro Bahn schlug Sprecher Naumann vor, die Schweiz zum Vorbild zu nehmen. Dort finanziere die Straßenmaut den Bahnverkehr mit. "Kein Fahrgastverband wird jubeln, wenn es um höhere Preise geht", sagte er. "Aber das System Bahn braucht Geld." Vorstellen könne er sich eine Lösung für alle Verkehrsbereiche in einem Gesamtpaket - unter ökologischen Gesichtspunkten. Im Bereich Straße und Luftverkehr müsse es dann aber die größten Erhöhungen geben.

Grünen zeigen kein Verständnis

Weniger Verständnis zeigt Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen: "Die Bundesregierung hat offensichtlich noch nicht verstanden, dass es darum geht, die Bahn attraktiver zu machen", teilte er in einem Statement mit. Höhere Preise würden seiner Ansicht nach nur dazu führen, dass Reisende auf andere Verkehrsmittel umsteigen. Die Bundesregierung "muss deutlich mehr Geld in die Bahn investieren und gleichzeitig einen radikalen Neustart bei der Bahn voranbringen, damit das Geld sinnvoll genutzt wird und nicht versickert."

Rote Rücklichter leuchten am Triebwagen eines ICE-Zuges der Deutschen Bahn | Bildquelle: dpa
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Die Bahn braucht weitere Milliarden für Investitionen.

Nächstes Bahntreffen am Mittwoch

Der Bahnbeauftragte der Bundesregierung ist der Bahn AG gegenüber nicht weisungsbefugt. Er bündelt die Bahnpolitik des Bundes als Eigentümer der Bahn. Zusammen mit Verkehrsminister Scheuer verhandelt er derzeit mit der Spitze des bundeseigenen Konzerns, damit es im ersten Halbjahr Verbesserungen für die Fahrgäste hinsichtlich Service und Pünktlichkeit gibt. Zwei Treffen gab es schon, das nächste steht kommenden Mittwoch an. Eine erstes Maßnahmepaket wurde bereits vorgelegt.

Wegen Staus auf dem Schienennetz, Baustellen und Mängeln bei den Fahrzeugen war 2018 im Jahresdurchschnitt jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn zu spät. Der Konzern verfehlte sein Ziel von 82 Prozent pünktlicher Züge deutlich. Die Bahn ist hoch verschuldet und braucht weitere Milliarden für Investitionen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Januar 2019 um 13:00 Uhr.

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