Deutsche-Wohnen-Immobilie-Siemensstadt Berlin

DAX-Konzern Deutsche Wohnen Trotz Mietendeckel läuft das Geschäft

Stand: 13.11.2020 11:30 Uhr

Jahrelang profitierte die Deutsche Wohnen vom Berliner Immobilien-Boom. Nun muss der Konzern wegen des Mietendeckels Tausende Mieten in der Hauptstadt senken. Mietausfälle wegen Corona halten sich dagegen in Grenzen.

Von Notker Blechner, boerse.ARD.de

Für Berliner Mieter ist die Deutsche Wohnen das ideale Feindbild. Der Dax-Konzern betreibt 116.000 Wohnungen in der deutschen Hauptstadt und kontrolliert sechs Prozent des Berliner Wohnungsmarkts. Sanierungen und damit einhergehende Mieterhöhungen brachten den größten Vermieter in Berlin in die Negativ-Schlagzeilen. Die Sanierung eines Wohnblocks in Pankow wurde 2017 zum Politikum. Viele Mieter hatten Angst vor Verdrängung und suchten Hilfe bei der Politik. Seither wächst der Unmut über den "Mietenwahnsinn" in der Hauptstadt. In Kreuzberg, wo die Deutsche Wohnen mehrere Objekte besitzt, protestierten Mieteraktivisten gegen den Konzern und lancierten die Initiative "Deutsche Wohnen & Co enteignen!".

Tausende Mieten in Berlin müssen gesenkt werden

Deutsche Wohnen-Immobilie in Berlin-Britz
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Deutsche Wohnen-Immobilie in Berlin-Britz

Die rot-rot-grüne Regierung in Berlin reagierte und verhängte im Februar 2020 einen Mietendeckel. Die Folge: Mieterhöhungen ab Mitte 2019 musste die Deutsche Wohnen zurücknehmen und sich bei Neuvermietungen an Obergrenzen halten. Ab dem 23. November greift eine weitere Regelung, die Senkung überzogener Bestandsmieten, die mehr als 20 Prozent über der zulässigen Obergrenze liegen. Dann muss die Deutsche Wohnen in gut 30 Prozent ihrer betriebenen Wohnungen die Mieten senken. Dadurch rechnet das Unternehmen mit Mietausfällen von neun Millionen Euro in diesem Jahr und 30 Millionen Euro im Jahr 2021.

Wer bei der Deutsche Wohnen eine neue Wohnung in Berlin nimmt, zahlt aktuell durchschnittlich 7,51 Euro je Quadratmeter – ohne Mietendeckel wären es zwei Euro mehr. In den neuen Mietverträgen steht eine so genannte Schattenmiete. Diese könnte anfallen, wenn Karlsruhe den Mietendeckel für verfassungswidrig erklärt.

Kippt Karlruhe den Mietendeckel?

Das Management der Deutsche Wohnen zeigt sich zuversichtlich, dass das Bundesverfassungsgericht den Deckel kippen wird. Auch mehrere Experten rechnen mit einem Urteil zugunsten der Wohnungsvermieter. "Dann werden die Vermieter wieder in der Kritik stehen, weil sie die gekürzten Mieten zurückverlangen", prophezeit Deutsche-Wohnen-Chef Zahn. Er sieht den Berliner Senat in der Verantwortung. Union und FDP haben eine Normenkontrollklage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht. Ein Urteil wird im ersten Halbjahr 2021 erwartet.

Selbst den Mietendeckel kann die Deutsche Wohnen bisher ganz gut verkraften. Bundesweit legten die Vertragsmieten in den ersten neun Monaten um 1,9 Prozent auf 634,5 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis (Funds from Operations 1, kurz FFO1) ging leicht um 1,2 Prozent auf 422,4 Millionen Euro zurück – wegen höherer Zinsaufwendungen. Für 2020 erwartet das Unternehmen ein operatives Ergebnis auf dem Vorjahresniveau.

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Kaum Corona-Belastungen

Die Corona-Pandemie spürt die Deutsche Wohnen bislang noch kaum. "Der ökonomische Effekt ist gering", sagte Vorstandschef Zahn im August. Nur rund ein Prozent der Mieterhaushalte haben sich bis jetzt hilfesuchend an den Wohnungskonzern gewandt. Der von der Deutsche Wohnen aufgesetzte Corona-Hilfsfonds von 30 Millionen Euro, der Mieter in Härtefällen schützen sollte, wurde kaum in Anspruch genommen.

Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen
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Michael Zahn, CEO Deutsche Wohnen

Deutsche-Wohnen-Chef Zahn glaubt aber, dass in den kommenden zwei Jahren mehr Mieter in Zahlungsschwierigkeiten geraten werden. Denn die Arbeitslosigkeit dürfte steigen und die staatliche Unterstützung zurückgehen. Der Corona-Hilfsfonds bleibt deshalb langfristig bestehen.

Expansion nach Leipzig und Dresden

Die Deutsche Wohnen setzt weiter fest auf den Standort Berlin, expandiert aber auch in andere Städte. Vor kurzem übernahmen die Berliner eine Minderheitsbeteiligung von 40 Prozent an der Quarterback Immobilien AG und sicherte sich den Zugriff auf attraktive Neubauprojekte in der Region Dresden und Leipzig. Ebenso einigte sich das Unternehmen mit dem Projektentwickler Isaria Wohnbau auf den Erwerb von neuen Immobilienprojekten. Außerdem ist der Dax-Konzern einer der größten Pflegeimmobilienanbieter Deutschlands. Anders als Konkurrent Vonovia zieht es die Deutsche Wohnen vorerst nicht ins Ausland. Vorstandschef Zahn: "In Deutschland gibt es im Neubau noch viel zu tun."

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. November 2020 um 12:00 Uhr.

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