Der Trump Tower in New York. | REUTERS

Mangelnder Rückhalt in der Wirtschaft Der letzte Sargnagel für Trumps Business?

Stand: 13.01.2021 10:12 Uhr

Es wird einsamer um Trump - auch in der Wirtschaft. Selbst seine einstige Hausbank, die Deutsche Bank, kehrt ihm den Rücken. Und so dürfte es für ihn schwer werden, als Geschäftsmann wieder Tritt zu fassen.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Der für den passionierten Golfer Donald Trump persönlich vielleicht schwerste Schlag kam am Sonntag. Eigentlich sollte 2022 eines von vier Major-Turnieren auf Trumps Golfkurs in Bedminster, eine knappe Autostunde von New York entfernt, ausgetragen werden - bis sich der Präsident des US-Golfverbandes, Jim Richerson, per Video zu Wort meldete:

Peter Mücke ARD-Studio New York

"Es ist deutlich geworden, dass eine Austragung der Marke PGA of America schaden würde. Außerdem würden zahlreiche Programme und die Nachhaltigkeit unserer Mission gefährdet."

Auf die Absage des Turniers soll Trump nach Medienberichten schockiert reagiert haben. Weit schwerwiegender für den Unternehmer Trump dürfte allerdings das Ende anderer Geschäftsbeziehungen sein.

Zusammenarbeit aufgekündigt

Zahlungsdienstleister zogen sich zurück, Internet-Shops kündigten die Zusammenarbeit und Banken wollen nichts mehr mit dem einst gern gesehenen Kunden zu tun haben. Allen voran Trumps Hausbank, die Deutsche Bank.

"Seit vielen Jahren ist die Deutsche Bank das einzige große Geldinstitut auf der Welt, das noch regelmäßig Geschäfte mit Trump machte", sagt David Endrich von der "New York Times", der seit Jahren das Thema recherchiert und auch ein Buch darüber schrieb.

Die Tatsache, dass ihm jetzt auch noch die Deutsche Bank den Rücken kehrt, sei vielleicht keine Überraschung - aber es sehe so aus, als wäre das so etwas wie der letzte Sargnagel für die Trump-Geschäfte, so Endrich.

Wie Trump loswerden?

Bereits seit einiger Zeit beschäftigten sich Manager mit der Frage, wie man Trump möglichst schnell loswerden könne. Das Problem: Die Trump Organization steht bei der Deutschen Bank mit mehr als 300 Millionen Dollar in der Kreide.

"Es gab Überlegungen, die Kredite zu verkaufen oder auf andere Weise aus den Bilanzen zu bekommen. Da gab es aber rechtliche Probleme. Am einfachsten wäre es, die Kredite einfach abzuschreiben und Trump davonkommen zu lassen. Das geht schon aus Image-Gründen nicht. Also hat sich die Deutsche Bank entschieden abzuwarten, bis die Kredite fällig sind. Aber dann sind sie durch mit ihm", ergänzt Endrich.

Das wäre 2024. Was der Bank in die Karten spielt: Trump ist dann kein Präsident mehr - und es wäre deutlich einfacher, Immobilien pfänden zu lassen oder Zwangsvollstreckungen einzuleiten.

YouTube sperrt Trump

Der scheidende US-Präsident Donald Trump büßt ein weiteres Sprachrohr ein. Die zum US-Technologiekonzern Alphabet gehörende Videoplattform YouTube teilte mit, den Trump-Kanal zu sperren und begründete dies mit der Anstiftung zu Gewalt nach dem Sturm auf das Kapitol in der vergangenen Woche durch Unterstützer des Republikaners. Trump könne nun für mindestens sieben Tage keine Videos mehr hochladen oder Livestreams vornehmen.

"Megafon verloren"

"Hinzu kommt, dass Trump mit Twitter jetzt sein Megafon verloren hat. Trumps Tweets haben viele Unternehmen als echte Bedrohung wahrgenommen. Die Sorge ist jetzt weggefallen." Auch ein Grund dafür, dass Endrich die Entscheidung der Deutschen Bank diesmal für endgültig hält.

"Sie waren gierig"

Immer wieder hatte es in der Vergangenheit Bedenken gegen die Geschäftsbeziehungen mit Trump gegeben, doch immer gab ihm das Frankfurter Geldhaus neue Kredite: "Weil sie gierig waren. Sie dachten, sie können Geld mit ihm machen. Das war das Einzige, was die Deutsche Bank lange Zeit interessiert hat", erläutert Endrich.

"Sie brauchten Kunden in den USA und deshalb mussten sie welche finden, die nicht schon eine Hausbank hatten. Und da passte Trump genau ins Profil." Trotz einer langen Reihe von Pleiten, Schulden und geplatzten Krediten.

Noch nicht ganz abgeschrieben

Und auch diesmal will Max Abelson vom Finanzsender Bloomberg Trump noch nicht ganz abschreiben. Zum einen öffnen sich nach dem Ausscheiden aus dem Weißen Haus wieder neue Möglichkeiten für internationale Geschäfte.

Zum anderen habe Trump immer wieder neue Geldgeber gefunden: "Das ist ein Typ, den man nicht auszählen kann. In den Achtzigern, Neunzigern, Zweitausendern stand er immer wieder mit dem Rücken zur Wand und hat es mit diesem Trumpismus immer wieder geschafft, sich neu zu erfinden", sagt Abelson.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 13. Januar 2021 um 10:36 Uhr.