Die Zentralen der Deutschen Bank (l) und der Commerzbank in Frankfurt am Main | Bildquelle: dpa

Deutsche Bank und Commerzbank Bankenfusion gescheitert

Stand: 25.04.2019 11:23 Uhr

Aus einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank wird nichts. Die Gespräche über einen Zusammenschluss seien beendet worden, teilten die Institute mit. Grund: Der Schritt würde "keinen ausreichenden Mehrwert bieten".

Die Deutsche Bank und Commerzbank haben einer Fusion der beiden Geldhäuser eine Absage erteilt. Nach gründlicher Prüfung seien die Vorstände der beiden Banken zu dem Schluss gekommen, dass ein Zusammenschluss keinen ausreichenden Mehrwert bieten würde, teilten die Institute mit.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz äußerte in einer ersten Reaktion Verständnis für die Entscheidung: "Solche Kooperationen machen nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechnen und auf ein belastbares Geschäftsmodell zusteuern." Gleichwohl brauche die global agierende deutsche Industrie "konkurrenzfähige Kreditinstitute, die sie in aller Welt begleiten können", fuhr der SPD-Politiker fort.

Achleitner äußert sich zur Entscheidung

Der Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Paul Achleitner, äußerte sich ebenfalls: "So richtig die Entscheidung des Vorstands war, die Möglichkeit eines Zusammenschlusses mit der Commerzbank gründlich zu prüfen, so richtig ist die Entscheidung, diese nicht weiterzuverfolgen." Intensive Gespräche und Analysen der vergangenen Wochen hätte gezeigt, dass das Verhältnis von möglichen Risiken und Ertrag für die Investoren nicht attraktiv genug sei.

Scholz und sein Staatssekretär Jörg Kukies, der frühere Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, galten als Unterstützer eines Deals, weil sie einen nationalen "Bankenchampion" wollen, der die heimischen Firmen im Ausland begleiten kann.

Keine Fusion: Pläne für deutsche Großbank gescheitert
tagesthemen 22:15 Uhr, 25.04.2019, Steffen Clement, Jan-Peter Bartels, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Opposition kritisiert Scholz

Die Opposition kritisierte Scholz für seine Vermittlerrolle: Er habe die Fusion herbeireden wollen und "mit seinem amateurhaften Agieren kolossalen Schaden angerichtet", sagte der FDP-Finanzpolitiker Florian Toncar. Die Autorität des Ministers in Finanzmarktfragen sei nun beschädigt.

Linken-Fraktionsvize Fabio De Masi bezeichnete den Abbruch der Gespräche als "Segen". Scholz und Kukies hätten verantwortungslos gehandelt, die Banken in eine Fusion quatschen wollen - "und stehen nun wie der Kaiser ohne Kleider da". De Masi äußerte, dass eine neue Megabank ein hohes Risiko für Steuerzahler sei. Die Deutsche Bank müsse deshalb aufgespalten werden, um das Investmentbanking vom Kreditgeschäft zu trennen und notfalls kontrolliert abzuwickeln.

Koalitionspartner nennt Pläne "Rohrkrepierer"

Selbst der Koalitionspartner kritisierte den Finanzminister: Seine Pläne hätten sich als Rohrkrepierer erwiesen, betonte der CSU-Finanzpolitiker Hans Michelbach. "Die wirtschaftliche Vernunft hat über politische Blütenträume von der Bildung nationaler Champions gesiegt", sagte er. Jetzt könnten sich beide Banken wieder auf die Lösung ihrer internen Probleme konzentrieren.

Die finanzpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Antje Tillmann, betonte aber: "Wenn die Gespräche dazu geführt haben, dass die Verantwortlichen die Potenziale und Probleme ihrer jeweiligen Banken noch gründlicher analysiert haben, dann waren sie nicht umsonst."

Gewerkschaften und Investoren gegen Fusion

Die zwei größten deutschen Privatbanken führten seit Mitte März formelle Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss, durch den die mit weitem Abstand größte deutsche Bank entstanden wäre. Allerdings befürchteten Arbeitnehmervertreter, dass dadurch Tausende Jobs wegfallen würden - in den beiden Frankfurter Zentralen und den vielen Filialen. Die Gewerkschaften liefen deshalb seit dem Bekanntwerden der Fusionspläne Sturm.

Christian Sewing | Bildquelle: AFP
galerie

Christian Sewing, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, muss die Fusionspläne ad acta legen.

Auch große Investoren der Deutschen Bank, darunter das Emirat Katar und der chinesische Mischkonzern HNA, sahen das Unterfangen skeptisch. Finanzwissenschaftler warnten vor einer Bank, die wegen ihrer Größe nicht pleite gehen darf, aber gleichzeitig zu viele offene Baustellen hat, um erfolgreich arbeiten zu können. Von Seiten der Finanzaufseher - zuständig wäre die Europäische Zentralbank (EZB) - waren zuletzt ebenfalls eher skeptische Töne zu hören.

Schlechte Zahlen

Die Deutsche Bank müht sich seit Jahren, an frühere Milliardengewinne anzuknüpfen und schaffte 2018 nach drei Verlustjahren in Folge gerade so die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Skandale und Prozesse verschlangen über Jahre Milliarden, der Aktienkurs ist im Keller.

Die Commerzbank ist ebenfalls seit Jahren im Umbruch. Bei der jüngsten Bilanzvorlage musste der Vorstand einräumen, dass das zehn Jahre nach der Finanzkrise noch immer teilverstaatlichte Institut bei der Senkung seiner Kosten noch nicht am Ziel ist. Nach einer Rettungsaktion mit Steuermilliarden in der Finanzkrise ist der Staat mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner des Instituts und hat damit ein Mitspracherecht.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. April 2019 um 11:00 Uhr.

Darstellung: