In Detroit präsentiert der Mercedes-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche gemeinsam mit Arnold Schwarzenegger die neue G-Klasse. | Bildquelle: dpa

Detroit Automesse aus einer anderen Zeit

Stand: 15.01.2018 09:23 Uhr

Bei der Automesse in Detroit dominieren wieder einmal die klassischen Geländewagen. Nur VW präsentiert sich diesmal ausgesprochen kleinlaut.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington, z.Zt. Detroit

Das Leitmotiv für diese Automesse in Detroit hat Chevrolet mit der Präsentation des Silverado gesetzt: Ein Drei-Tonnen-Truck mit Pritsche, dessen größte Neuerung darin besteht, dass er jetzt 200 Kilo leichter geworden ist. "Jedes unserer neuen Modelle wiegt weniger, im Schnitt 250 Kilogramm, das ist fantastisch", sagt Alan Batey, Vizepräsident bei General Motors. "Wir tragen Verantwortung. Und wir haben uns dem Elektroauto verschrieben. Aber gleichzeitig haben wir ein Geschäft mit Trucks."

SUV-Fan Schwarzenegger

Batey steht damit nicht allein. Mercedes-Benz präsentiert in der Ruine des Michigan Building in Detroit vorab die neue G-Klasse: einen Geländewagen. Sein größter Fan Arnold Schwarzenegger sagt: "Ich bin mit dem Geländewagen schon zu einer Kinopremiere gefahren und er sieht aus wie eine elegante Limousine. Das Auto kann wirklich alles."

SUV und Trucks bleiben für Autohersteller in Nordamerika das wichtigste Segment. Es sind die Fahrzeuge mit der größten Gewinnmarge. Kein Unternehmen will darauf verzichten. Schon gar nicht, wenn die Absatzzahlen weiter zurückgehen. Deshalb wirkt Detroit wie eine Messe von vorgestern.

Der Volkswagen Jetta R-Line wird bei der Automesse in Detroit präsentiert. | Bildquelle: AFP
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VW-Jetta in Detroit: Einstiegspreis von rund 19.000 US-Dollar.

VW will bezahlbar bleiben

Volkswagen geht dieses Jahr einen anderen Weg. 1,2 Milliarden US-Dollar sollen allein in den USA in neue Modelle investiert werden. Bei der Probe klingt die Präsentation des neuen Jetta noch etwas lahm. Aber das Auto mit Kofferraum für den US-Markt habe jetzt die gleiche Plattform wie der aktuelle Golf. Und VW verspricht einen Einstiegspreis von 18.545 US-Dollar, sagt Vorstandsmitglied Jürgen Stackmann. "Wir wollen ein klares Signal setzen, dass Volkswagen trotz hervorragender Qualität - gerade mit der technischen Kompetenz, die wir mitbringen - eine bezahlbare Marke für jedermann in Amerika ist."

Andere Hersteller wie Ford denken darüber nach, ob klassische Limousinen überhaupt noch Sinn machen. VW setzt auf Volumen und versucht, über den Preis Honda Civic und Toyota Corolla Marktanteile in den USA abzunehmen. Der Betrug bei Dieselfahrzeugen spielt dabei für Volkswagen keine Rolle mehr. Dafür wird jetzt dem US-Hersteller Ford vorgeworfen, bei den Abgaswerten manipuliert zu haben.

Ford will in E-Autos investieren

Der zweitgrößte US-Autobauer Ford will sein Engagement bei Elektroautos massiv erhöhen. Der Konzern werde bis 2022 über elf Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) in batteriebetriebene und Hybrid-Fahrzeuge investieren, kündigte Ford-Manager Jim Farley bei der Detroiter Automesse an. Bislang hatte das Unternehmen 4,5 Milliarden Dollar bis 2020 hierfür aufwenden wollen. Noch ist der Anteil von E-Autos in den USA und den meisten anderen großen Märkten verschwindend gering. Doch aufgeschreckt vom Hype um Tesla forcieren die großen Autokonzerne ihre Bemühungen inzwischen deutlich. Ford bietet mit dem Focus bislang erst ein US-Modell als E-Version an.

Ford verspricht einen Hybrid-Truck

Bei der Präsentation verzichtete Ford darauf, den angekündigten Truck F-150 mit Diesel-Motor auf die Bühne zu fahren. Das habe aber nichts mit den Schlagzeilen zu tun, heißt es. Dann lieber in die Zukunft schauen: Ford verspricht einen Hybrid-Truck und einen Sportwagen mit Elektroantrieb für 2020, insgesamt aber 16 Elektroautos und 24 Hybrid-Modelle.  "Wir nehmen unsere wichtigsten Fahrzeuge und elektrifizieren sie", sagt William C. Ford Jr. "Um Erfolg mit Elektroautos zu haben, nehmen wir Fahrzeuge, die bereits beliebt sind und von denen wir wissen, dass sie großartig sind."

Zu sehen ist auf dem Stand davon nichts. Und noch etwas: Viele Ideen zur Mobilität der Zukunft, die vergangene Woche auf der Technikmesse CES in Las Vegas ausgestellt waren, haben es womöglich gar nicht nach Detroit geschafft.

SUV und Trucks dominieren Automesse
Torsten Teichmann, ARD Washington
15.01.2018 09:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Januar 2018 um 04:48 Uhr.

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