40. Weltwirtschaftsforum in Davos eröffnet Sarkozy prangert "Finanzkapitalismus" an

Stand: 27.01.2010 21:42 Uhr

Mehr Kontrolle der Banken, Umbau des Finanz- und Währungssystems: Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy hat zum Auftakt des 40. Weltwirtschaftsforums im Schweizer Wintersportort Davos die Auswüchse des "Finanzkapitalismus" angeprangert.

Nicolas Sarkozy
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Wider den "Finanzkapitalismus": Frankreichs Staatspräsident sarkozy.

Sarkozy sagte, er stimme mit US-Präsident Barack Obama darin überein, dass etwa die Banken von unmäßigen Spekulationen oder dubiosen Finanzgeschäften abgebracht werden müssten. Dazu könnte auch eine stärkere Besteuerung gehören. Alleingänge lehnte er aber ab: "Diese Debatte kann aber nicht auf ein einzelnes Land begrenzt sein, wie groß auch immer sein Gewicht in der weltweiten Finanzwelt sei." Nach Ansicht Sarkozys gehört dieses Thema in die Gruppe der G20, in der Industrie- und Schwellenländer versammelt sind. Frankreich übernimmt im kommenden Jahr den Vorsitz.

Frankreichs Präsident rief die Welt dazu auf, "gemeinsam Lehren aus der Krise zu ziehen." Ohne die Intervention der Regierungen wäre alles zusammengebrochen. Daraus müsse man lernen. Die Schweizer Bundespräsidentin Doris Leuthard forderte zuvor in ihren Grußwort Politik und Wirtschaft auf, nicht zu den Praktiken vor der Krise zurückzukehren. Eine Regulierung des Finanzsystems sei unbedingt nötig. Ein Rückkehr zum alten System sei nicht möglich, betonte auch WEF-Gründer Klaus Schwab zum Auftakt.

"Fruchtbarer Boden für schlechte politische Entscheidungen"

Die Banken reagierten mit Kritik auf die angekündigte verschärfte Kontrolle. Würden Finanzinstitute durch neue Vorschriften in ihrer Größe beschränkt, werde das neue Finanzkrisen nicht verhindern, sagte der Chef der britischen Barclays-Bank, Robert Diamond, mit Blick auf Obamas Bankenpläne. Der Chef der US-Investmentbank JPMorgan Chase, Jacob Frenkel, sagte in Davos, "die tiefe Rezession, die wir durchlaufen haben, ist ein fruchtbarer Boden für potenziell schlechte politische Entscheidungen".

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac äußerte sich skeptisch zum Treffen in Davos. "Dort diskutieren diejenigen, die die Krise herbeigeführt haben", sagte ein Sprecher des deutschen Ablegers in Frankfurt am Main.

Blick auf den verschneiten Ort Davos
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In Davos findet zum 40. Mal das Weltwirtschaftsforum statt.

An dem Treffen in Davos nehmen rund 2500 ranghohe Manager, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft teil. Aus Deutschland werden von der Regierung Außenminister Guido Westerwelle, Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sowie Wirtschaftsminister Rainer Brüderle erwartet. Das Treffen steht unter dem Motto "Den Zustand der Welt verbessern: überdenken, umgestalten, erneuern". Bis Sonntag soll über Wege diskutiert werden, den Aufschwung nach der Krise zu verstetigen. Auch der Wiederaufbau von Haiti nach dem schweren Erdbeben und der Klimawandel sind Themen.

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