Der Hauptsitz von Renault in Boulogne-Billancourt nahe Paris.

Autohersteller verkauft Aktien Renault koppelt sich von Daimler ab

Stand: 12.03.2021 12:47 Uhr

Vor mehr als zehn Jahren besiegelten die Konzerne ihre Allianz, nun trennt sich der französische Autohersteller Renault von seinen Anteilen am deutschen Partner Daimler - ein Milliardengeschäft. Was steckt dahinter?

Renault hat überraschend seine gesamten Daimler-Aktien verkauft. Das Unternehmen erlöste durch das Geschäft mehr als 1,1 Milliarden Euro. Mit seinem Aktienpaket hatte der französische Autohersteller eine Beteiligung von gut 1,5 Prozent an dem Stuttgarter Konzern gehalten. Die Daimler-Aktie geriet durch den Verkauf stärker unter Druck und war am Freitagvormittag zeitweise der schwächste Wert im deutschen Leitindex DAX.

Die Franzosen können den Geldsegen gut gebrauchen. Der Konzern hat im vergangenen Jahr stark unter den Auswirkungen der Pandemie gelitten. Der Absatz schrumpfte auf weniger als drei Millionen Fahrzeuge. Das entsprach einem Rückgang um mehr als ein Fünftel. Im internationalen Vergleich gehört Renault damit bestenfalls zu den mittelgroßen Unternehmen in der Autobranche, die seit jeher von hohen Kosten und einem starken Wettbewerb mit hohen Rabatten gekennzeichnet ist.

Steigende Schulden

Während der Absatz schrumpfte, stiegen parallel dazu die langfristigen Schulden auf fast vier Milliarden Euro an. Renault hatte seinen Daimler-Anteil im Zuge einer gemeinsamen Kooperation mit dem japanischen Autobauer Nissan vor mehr als zehn Jahren erworben. Die Zusammenarbeit hatten die damaligen Chefs von Daimler und Renault, Dieter Zetsche und Carlos Ghosn, angeschoben. Noch heute ist Daimler an Renault und Nissan beteiligt.

Konzernchefs Zetsche und Ghosn besiegeln 2010 ihre Partnerschaft.

Konzernchefs Zetsche und Ghosn besiegeln 2010 ihre Partnerschaft.

Von den ursprünglich hochfliegenden Plänen ist heute nicht mehr allzu viel übrig. Insbesondere die damals angekündigte Zusammenarbeit bei Kleinwagen ist mittlerweile Geschichte. So werden die kommenden Elektroautos der Marke Smart in Zusammenarbeit mit dem chinesischen Autobauer Geely entstehen. Dessen Gründer und Vorstandschef Li Shufu ist außerdem mit knapp zehn Prozent der größte Einzelaktionär von Daimler.

An der deutsch-französischen Auto-Partnerschaft werde sich durch den Ausstieg nichts ändern, hieß es von Renault. "Die Kooperation wird fortgesetzt", bestätigte ein Daimler-Sprecher. Der Verkauf sei Sache von Renault. Die Autobauer arbeiten unter anderem noch bei Vans und Transportern zusammen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2021 um 07:35 Uhr.