Ola Källenius

Überraschend starke Erholung Daimler macht wieder Gewinn

Stand: 16.10.2020 09:30 Uhr

Der Automarkt erholt sich, und Daimler erholt sich mit: Im dritten Quartal hat der Autokonzern den Sprung in die operative Gewinnzone geschafft, auch der Rest des Jahres wird wieder rosiger gesehen – wenn es nicht wieder zu Corona-Lockdowns kommt.

Der Markt habe sich schneller erholt als gedacht, vor allem im September hätten sich die Geschäfte stark entwickelt, teilte Daimler am Donnerstagabend nach US-Börsenschluss mit. Dazu wirkten sich die strikte Disziplin bei den Kosten und die übrigen Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz positiv aus. Auch für den Rest des Jahres erwarte man nun positive Effekte - vorausgesetzt, es komme zu keinen weiteren Corona-Lockdowns.

"Chancen genutzt"

Im dritten Quartal erwirtschaftete Daimler vor Zinsen und Steuern ein Ergebnis von 3,07 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 2,14 Milliarden Euro gerechnet. Das ist sogar deutlich besser als das Vorjahresergebnis, damals standen bei Daimler knapp 2,7 Milliarden Euro zu Buche.   

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Mercedes Benz Autohaus: Gute Geschäfte seit September

Im zweiten Quartal hatte Daimler wegen der Nachfrageschwäche in der Corona-Krise und Kosten für den Umbau der Werke noch einen operativen Verlust von 1,7 Milliarden Euro verbucht. Seit Juli gab es laut Daimler Anzeichen für eine Absatzerholung, vor allem im September liefen die Geschäfte gut.

"Die Resultate des dritten Quartals reflektieren eine sehr starke Leistung und beweisen, dass wir bei der Absenkung der Gewinnschwelle auf dem richtigen Weg sind", sagte Finanzvorstand Harald Wilhelm. Gleichzeitig habe man die Chancen genutzt, die sich aus der Erholung der Märkte ergeben hätten. "Wir erwarten, dass diese positive Dynamik auch im vierten Quartal anhält, wobei dabei jedoch die übliche Saisonalität des Jahresendgeschäfts zu beachten ist", sagte Wilhelm.

Das Management stellt bei der Veröffentlichung der vollständigen Quartalszahlen am 23. Oktober eine neue Prognose für das Gesamtjahr in Aussicht.

Sparprogramm senkt die Gewinnschwelle

Nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie hatte Daimler-Chef Ola Källenius sein ohnehin geplantes Sparprogramm nochmals verschärft, um in der Krise das Geld zusammenzuhalten. Auch langfristig soll die Gewinnschwelle deutlich nach unten gebracht werden - auch mit Einschnitten beim Personal. Betriebsbedingte Kündigungen sind zwar vom Tisch, dafür werden auf anderen Wegen Arbeitsplätze gestrichen.

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Daimler-Werk in Untertürkheim: Keine betriebsbedingten Kündigungen

Als kurzfristige Reaktion auf die Corona-Pandemie wird in bestimmten Bereichen die Arbeitszeit verkürzt. Zudem muss die komplette Belegschaft in Deutschland auf die jährlich gezahlte Prämie verzichten. Das sogenannte tarifliche Zusatzgeld wird automatisch in freie Tage umgewandelt. Und sein Smart-Werk im französischen Hambach will Daimler verkaufen.

Kosten um 20 Prozent senken

Die Pkw-Tochter Mercedes-Benz erzielte den vorläufigen Zahlen zufolge ein Ebit von 2,1 Milliarden Euro im dritten Quartal und damit mehr, als die Analysten geschätzt hatten. Anfang Oktober hatte Daimler angekündigt, bis 2025 die Fixkosten, Investitionen und Entwicklungsausgaben im Pkw-Geschäft um mehr als 20 Prozent gegenüber 2019 zu senken.

Außerdem wird der Ausbau des Angebots an Elektroautos vorangetrieben mit mehr als 20 reinen batterielektrischen Modellen bis 2030. Auch das Nutzfahrzeuggeschäft Trucks & Buses und die Sparte Daimler Mobility hätten im dritten Quartal besser als erwartet abgeschnitten, erklärte der Konzern.

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"Positives Signal für die Branche"

Der Autobauer habe sich im dritten Quartal hervorragend entwickelt, schrieb JPMorgan-Analyst Jose Asumendi in einer ersten Reaktion. Die Autosparte dürfte wohl von der Preismacht des Unternehmens, einem starken Produktmix und Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe profitiert haben. Die Zahlen seien insgesamt auch ein positives Signal für die Branche. Die anderen deutschen Autobauer und Zulieferer könnten auch positiv überraschen, meint der Marktbeobachter.

Die Daimler-Aktie legt im frühen Handel um mehr als vier Prozent zu.

ts

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 16. Oktober 2020 um 09:15 Uhr.

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