Boote liegen in einem Kanal im Kopenhagener Stadtteil Nyhavn vor Anker | Bildquelle: dpa

OMX 20 Die dänische Börse trotzt Corona

Stand: 11.09.2020 17:52 Uhr

Corona streckt die Wirtschaft nieder - so gut wie jeder Börsenplatz der Welt musste in den vergangenen Monaten Einbrüche hinnehmen. Ausgerechnet die Kopenhagener Börse aber scheint sich blendend erholt zu haben.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Die Dänen sind der Zeit mal wieder voraus. Natürlich hat es mit Glück zu tun, aber nicht nur. Während die Menschen in dem kleinen Land als Meister der Entspanntheit und Zufriedenheit gelten, sorgt ihr Börsen-Leitindex OMX 20 dafür, dass das trotz Corona auch für Börsianer gilt. Denn dieser Index hat den Vor-Pandemie-Höchststand nicht nur schon wieder erreicht, sondern ihn getoppt.

Damit ist die dänische Börse Spitze im Norden: besser als die im Energie- und Fischland Norwegen, im wirtschaftlich eher traditionell aufgestellten und exportorientierten Schweden oder im Post-Nokia-Finnland, das besseren Zeiten noch immer hinterher träumt.

Stolz hier, neidische Blicke da

"We are red, we are white, we are Danish dynamite!" - ein alter Fußball-Schlachtruf, der auch für die Aktien gilt und weltweit für neidvolle Blicke sorgt. Simon Richard Nielsen ist Chefredakteur bei "Euroinvestor.dk" und stolz auf sein kleines Land, das es im Moment den Großen so richtig zeigt.

"Der dänische Markt ist durch eine große Zahl von Unternehmen aus der Gesundheitsbranche gekennzeichnet: Medikamente, Biotechnologie", erklärt Nielsen. "Deren Aktien haben die Tendenz, immer dann besonders gut zu performen, wenn es am Markt drunter und drüber geht."

Natürlich geht es auch am dänischen Markt drunter und drüber, aber eben dänisch: ein bisschen, weit weniger heftig. Dänemark ist wirtschaftlich bisher besser durch die Krise gekommen, das Bruttoinlandsprodukte ging im zweiten Quartal "nur" um minus 7,4 Prozent zurück.

"Flaggschiff" Novo Nordisk

Ein Grund - aber es gibt andere, sagt Nielsen, viele defensive Werten an den Börsen zum Beispiel - und ein echter "Star": "Hier in Dänemark haben wir ein Flaggschiff, das ist Novo Nordisk. Sie stellen Diabetes-Medikamente her. Wenn deren Kurs nur ein bisschen steigt, bringt das schnell den gesamten Markt in Kopenhagen hoch." Das sei schon sehr ungewöhnlich, dass es ein so großes Unternehmen in einer so kleinen Ökonomie gebe.

Daneben wirkten andere Unternehmen klein, auch wenn sie für dänische Verhältnisse schon ziemlich groß seien und mit zum Börsenerfolg beitrügen, so Nielsen. "In 2020 sehen wir hier drei Megatrends: Wir haben die "grünen" Aktien, zum Beispiel von Vestas. Die bauen Windkraftanlagen und haben sich sehr gut entwickelt; Gesundheit haben wir schon erwähnt; fehlt noch der Technologiesektor."

"Unsere Robustheit ist bemerkenswert"

Nielsen klingt zufrieden und ist es auch. Der dänische Weg durch die Coronakrise mit schnellen und harten Gegenmaßnahmen, von denen viele wieder aufgehoben sind, hat sich in seinen Augen ausgezahlt. Anders als beim Lockdown-freien Schweden, dessen Wirtschaft stärker gelitten habe als die dänische, die jetzt entsprechend gut aufgestellt sei.

"Den Unternehmen wird es weiter sehr gut gehen", ist sich Nielsen sicher. Ob sich das dann auch so an der Börse spiegele, sei eine andere Geschichte. "Aber schauen Sie auf die vergangenen fünf Jahre: Der dänische Markt - plus 60 Prozent, der deutsche plus 30. Unsere Robustheit ist schon ziemlich bemerkenswert."

Dänische Börse: Die beste im Norden
Carsten Schmiester, NDR Stockholm
11.09.2020 16:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 Profit-aktuell am 11. September 2020 um 18:05 Uhr.

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