Dachdecker Udo Arndt aus dem Sauerland arbeitet an einem der Dächer, die von der Flutkatastrophe beschädigt worden sind. | dpa

Wiederaufbau an der Ahr Dachdecker aus ganz Deutschland helfen

Stand: 04.08.2021 16:06 Uhr

Viele Häuser an der Ahr werden lange nicht bewohnbar sein. Um wenigstens einige Schäden zu beseitigen, sind Dachdecker-Betriebe aus vielen Bundesländern ins Flutgebiet gereist - um ohne Rechnung zu helfen.

Von Michael Lange, SWR

Mehr als 100 Dachdecker sind heute an die Ahr gekommen, um von der Flut zerstörte Hausdächer in den Ortschaften Dernau, Rech und Mayschoß zu reparieren. Der Dachdeckermeister Bernd Krinninger aus Lahnstein hatte zur dieser Aktion in den sozialen Medien aufgerufen. Die rheinland-pfälzische Landesinnung der Dachdecker unterstützte die Aktion.

Krinninger steht auf der Straße in der Verbandsgemeinde Altenahr und versucht, den Verkehr zu regeln. Immer neue Lastwagen bringen gespendete Regenrohre, Leitern, Planen  und Holzbalken. Mit Transportern kommen aus Berlin, Schleswig-Holstein, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und vielen anderen Bundesländern immer mehr Dachdecker an.

"Im Chaos am besten organisiert"

Der Sammelparkplatz ist schon bald überfüllt. Darum schickt der Initiator der Aktion, Dachdeckermeister Krinninger, die Kollegen schnell in die zerstörten Orte an der Ahr. "Wir regeln das jetzt nach dem geplanten Chaos", sagt er. "Der Handwerker kann sich im Chaos am besten organisieren. Wir teilen von hier die Firmen ein und geben sie an die verschiedenen Orte weiter."

Bis gestern haben die Ortsbürgermeister in Dernau, Rech und Mayschoß unter anderem mit Flugblättern nach Anwohnern gesucht, die einen Dachdecker brauchen. In Mayschoß hat sich Waltraut Schütz gemeldet. Das Haus der Familie an der Ahr stand bis zur Decke des zweiten Stockwerks unter Wasser. Es war an eine andere Familie vermietet, die nach der Flut mehrere Tage unter dem Dach auf ihre Evakuierung warten musste.

Waltraut Schütz freut sich über die Hilfe der Dachdecker aus ganz Deutschland. "Ohne die Helfer und die Hilfsbereitschaft kämen wir hier, glaube ich, nicht durch", sagt Schüt. "Auf unseren Dächern lagen gigantische Baumwurzeln und großer Schutt, in einem Dach ist ein offenes Loch." Um die Substanz der Häuser vor dem Herbst zu erhalten, sei es wichtig, jetzt die grundlegenden Arbeiten zu erledigen. "Von Wiedereinzug sind wir hier Lichtjahre entfernt".

Einsatz für mehrere Tage

Acht Dachdecker klettern auf dem Dach ihres Hauses, begutachten Schäden, beseitigen Treibgut und bringen Regenrohre an. Andreas Schulte ist heute am frühen Morgen aus dem Sauerland losgefahren, um bei der Hilfsaktion dabeizusein. Der Dachdeckermeister weiß angesichts der großen Verwüstungen durch die Flut nicht, wo er anfangen soll.

"Wir richten hier die Rinne, legen die Fallrohre frei. Hier oben ist ein Baum rein - das Loch im Dach müssen wir zuschalen", sagt Schulte. "Wir sorgen einfach dafür, dass das Wasser wieder so halbwegs ablaufen kann." Er sei nicht im Krieg gewesen, "aber ich kann mir vorstellen, dass es da ähnlich aussieht."

Weil so viel zu tun ist, wollen viele Dachdecker mehrere Tage an der Ahr bleiben. Das Material und ihre Arbeit sind für die Flutopfer kostenlos.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. August 2021 um 16:18 Uhr.