Leere Sonnenliegen auf einem Strand auf Teneriffa | Bildquelle: AP

Corona und die Reisebranche "Buchungszurückhaltung"

Stand: 05.03.2020 03:32 Uhr

Züge sind leerer als üblich, Flüge werden gestrichen, Messen abgesagt. Es sind viele Dinge, die zeigen, wie stark sich Corona auf die Reisebranche auswirkt. Der Verband erwartet ein "herausforderndes Jahr".

Von Philipp Wundersee, WDR

Das weltweit größte Reisebüro bleibt in diesem Jahr dicht, die Tourismus-Börse ITB in Berlin findet nicht statt. Auch diese Absage zeigt, wie sehr das Coronavirus den weltweiten Tourismus fest im Griff hat.

Weltweit fehlen den Hotels Buchungen, Flüge werden gestrichen, Sehenswürdigkeiten bleiben dicht. Die "Mona Lisa" im Pariser Louvre hatte tagelang keinen einzigen Touristen zu Besuch. Trotzdem gebe es derzeit keinen Grund, nicht zu reisen, betont der Deutsche Reiseverband.

Abgesperrter Eingang zum Louvre | Bildquelle: AFP
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Der Pariser Louvre eines der berühmtesten Museen der Welt, ist wegen der Corona-Epidemie geschlossen.

"Eine gestiegene Buchungszurückhaltung"

Zahlreiche Reiseveranstalter hätten aktuell die Stornierungs- und Umbuchungsregelungen für Buchungen gelockert, um Reisenden eine zusätzliche Sicherheit zu geben. Dennoch: "Aktuell sehen wir bei Reiseveranstaltern und Reisebüros eine gestiegene Buchungszurückhaltung", so der Verband.

In der Reisebranche sind fast alle Bereiche infiziert - auch der Flugverkehr. Die Lufthansa und ihre Töchter schränken ihre Flüge auf den Strecken nach Italien und Asien wegen der Coronavirus-Entwicklung teils deutlich ein. Im März und April werden Teile der Flüge nach Italien, Hongkong und Südkorea ausgesetzt. Flüge nach Festland-China bleiben bis zum 24. April gestrichen, die Verbindung nach Teheran bis zum 30. April.

Bei der Lufthansa stehen 23 Langstreckenmaschinen rum

Je nachdem, wie sich die Lage weiter entwickle, könnte der Konzern seine Kurz- und Mittelstreckenflügen um bis zu ein Viertel kürzen, so die Lufthansa. "Aktuell sind rechnerisch bis zu 23 von rund 200 Langstreckenflugzeugen in der Lufthansa Group frei gestellt", bestätigt ein Lufthansa-Sprecher. Der Konzern hat bereits ein Sparprogramm angekündigt, kann aber noch nicht beziffern, wie sich das Virus auf die Bilanz auswirkt.

Wer eine Reise gebucht hat und jetzt verunsichert ist, sollte Kontakt zum Reiseveranstalter suchen, rät Fachanwalt Oliver Matzek. "Sofern eine konkrete Gefahr für die Gesundheit zu befürchten ist, kann der Reisende kostenfrei stornieren und erhält seinen gesamten Reisepreis zurück", sagt der Anwalt für Reiserecht. Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes seien zwar ein klares Indiz, aber nicht notwendig, um eine konkrete Gefahr anzunehmen. Man müsse hier den Einzelfall prüfen.

Fluggäste lassen Tickets verfallen

Reiseveranstalter räumen bei Pauschalreisen häufig schon von sich aus freiwillig das Recht ein, die Reise zu stornieren oder umzubuchen und kontaktieren Urlauber. Laut Fachanwalt Oliver Matzek können Pauschalreisende ihre Reise kostenfrei stornieren, wenn außergewöhnliche Umstände - wie etwa Epidemien - auftreten, die die Durchführung der Reise oder die Beförderung von Personen an den Bestimmungsort erheblich beeinträchtigen.

Der Individualreisende hingegen könne nur dann kostenfrei stornieren, wenn es zu einem staatlich angeordneten Reiseverbot kommen sollte. Sonst müssten Personen, die ihren Urlaub selbst organisiert haben, auf die Kulanz der Anbieter hoffen.

Länder in Asien stärker betroffen

Aus Angst vor der Coronavirus-Epidemie lassen viele Fluggäste ihre Tickets nach Darstellung des Branchenverbandes IATA verfallen. Viele Airlines würden dem Verband berichten, dass rund 50 Prozent der Fluggäste gar nicht auftauchten. "Keinesfalls sollte man die Reise einfach verfallen lassen, da man so am wenigsten Geld zurückerhält", warnt Fachanwalt Matzek.

Problematischer als in Europa ist die Situation in Asien. Neun von zehn Auslandsreisen der Chinesen haben Ziele in Asien selbst. Der Tourist aus China ist ein echter Wirtschaftsfaktor. Experten sprechen von rund 150 Millionen chinesischen Auslandsreisen im Jahr, die Regionen stärken aber auch schwächen können. Allein in Japan war im vergangenen Jahr rund jeder vierte Tourist aus China. Weil viele Flüge nach China eingestellt wurden, blieben die zahlungskräftigen Gäste aus der Volksrepublik bisher weitgehend aus.

Ägypten, Griechenland und Türkei bislang Gewinner

Auch der Deutsche Reiseverband sagt: "Wir sehen uns einem sehr herausfordernden Jahr gegenüber. Je länger es dauert, das Virus in den Griff zu bekommen, umso stärker wird auch die Reisewirtschaft betroffen sein." Nach bisherigem Stand gelten laut Verband Ägypten, Griechenland, die Türkei und Deutschland als Urlaubsziele im Sommer 2020 noch zu den Gewinnern. Entscheidend sei aber, wie sich die Ausbreitung des Virus weiter entwickle.

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