Hessen, Hünfelden-Kirberg: Eine Milchkuh steht im Stall nahe eines Tankwagens der Rohmilch im Auftrag einer Molkerei von Bauern einsammelt. | Bildquelle: dpa

Coronavirus-Pandemie Milchbauern fürchten neue Krise

Stand: 14.04.2020 17:04 Uhr

Im Supermarkt ist die Milchnachfrage gestiegen - doch der Export und das Geschäft mit der Gastronomie stocken in der Corona-Krise. Milchviehhalter warnen und empfehlen weniger Kraftfutter für die Kühe.

Angesichts eingebrochener Absatzmärkte und sinkender Milchpreise warnt der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) vor einer Krise für Landwirte. Der Milchpreis sei im Bundesdurchschnitt auf bis zu 31 Cent pro Liter gefallen, sagte BDM-Sprecher Hans Foldenauer der Nachrichtenagentur AFP. Im vergangenen Jahr lag der Preis für konventionell erzeugte Rohmilch laut dem Bundeslandwirtschaftsministerium deutlich über der 32 Cent-Marke.

Derzeit liege die Milchproduktion zwischen drei und fünf Prozent über der Nachfrage auf den Märkten, sagte Foldenauer. In der letzten Milchpreis-Krise im Jahr 2015 hatte der Produktionsüberschuss demnach bei gut zwei Prozent gelegen.  Seither hätten die Landwirte wegen der weiterhin "zu niedrigen Preise" zwar ihre laufende Kosten decken, aber keine Kredite begleichen oder Rücklagen bilden können.

Weniger Kraftfutter als mögliches Gegenmittel

"Wenn wir jetzt in die nächste Krise reinrutschen, wird die Situation schlimmer als 2015", sagte Foldenauer. "Dann werden viele Bauern sagen: Ich kann nicht mehr, ich steige aus." Bereits im vergangenen Jahr hätten fünf Prozent der Höfe aufgegeben.

Foldenauer sieht nun auch die Erzeuger selbst in der Verantwortung, um für ein wenig Abkühlung auf den Milchmärkten zu sorgen: Er rät, die Milcherzeugung vorübergehend zu drosseln, etwa indem die Kühe vorübergehend etwas weniger Kraftfutter erhielten.

Auch einige deutsche Molkereien reagieren mittlerweile auf den Milchüberschuss in der Pandemie. "Erste Molkereien haben damit begonnen, weniger Milch anzunehmen", sagt Björn Börgermann, Referent beim Milchindustrie-Verband. Eine Forderung für die gesamte Branche wolle er daraus indes nicht machen. Er rechne mit einer Stabilisierung des Absatzmarkts in Asien.

Höhere Nachfrage in den Supermärkten

Wegen der Corona-Pandemie ist die weltweite Nachfrage nach Milch stark eingebrochen. Insbesondere auf dem wichtigen chinesischen Absatzmarkt wird derzeit weniger verkauft. Der Milchpreis sank - zugleich allerdings zog die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten in deutschen Supermärkten zeitweilig stark an.

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner hatte den Lebensmitteleinzelhandel zuletzt vor einem allzu hohen Preisdruck auf die Milchbauern gewarnt. "Wenn die Händler die Endverbraucherpreise erhöhen sollten, dann erwarte ich, dass davon auch ein fairer Anteil bei unseren Landwirten ankommt", sagte die CDU-Politikerin der "Rheinischen Post".

Milchkühe stehen in einem Stall des Landwirtschaftsbetriebes Helms, Mecklenburg-Vorpommern. | Bildquelle: dpa
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Die weltweite Nachfrage nach Milch ist in der Corona-Krise eingebrochen.

Frankreichs Bauern schlagen Alarm

Auch in anderen EU-Staaten reagieren Milchbauern alarmiert auf die Corona-Krise. In Frankreich mussten nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP viele Milchbauern Tausende Liter Milch wegschütten, weil sie keinen Abnehmer mehr dafür fanden.

Auch die Käse-Produzenten leiden demnach unter der Krise. "Vom Brie über den Rocamadour und den Münsterkäse bis hin zum Reblochon, die Lage ist katastrophal", sagt Michel Lacoste. Er vertritt die Hersteller geschützter Milchprodukt-Marken in Frankreich. "Wir fühlen uns sehr alleine und isoliert, wir haben auf einen Schlag all unsere Kunden verloren."

Der Preis für Magermilchpulver lag laut dem European Milk Board (EMB), dem Dachverband der europäischen Milcherzeuger, jüngst bei nur noch 211 Euro pro 100 Kilogramm.

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