Macau | Bildquelle: AFP

Wirtschaftliche Folgen Macau schließt Kasinos wegen Coronavirus

Stand: 04.02.2020 15:11 Uhr

Das Coronavirus hat immer stärkere Folgen für Chinas Wirtschaft und globale Lieferketten. In Macau schließen die Kasinos - der wichtigste Wirtschaftszweig der Stadt. Auch die Sorgen um die Weltkonjunktur wachsen.

Es ist ein drastischer Schritt des Regierungschefs von Macau: Ho lat-seng kündigte an, die Kasinos in der chinesischen Sonderverwaltungszone für zwei Wochen zu schließen. Ho sagte, er wolle entsprechende Gespräche mit den Betreibern aufnehmen. Die Maßnahme soll der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in der Stadt entgegenwirken. Macau gehört zu den am dichtesten besiedelten Orten der Welt - entsprechend hoch ist das Ansteckungsrisiko. Zuvor war bekannt geworden, dass es in der ehemaligen portugiesischen Kolonie mittlerweile zehn Krankheitsfälle gibt.

Die Schließung dürfte die Glücksspielmetropole hart treffen. Macau gilt als Monte Carlo des Ostens und ist bei Reisenden aus Festlandchina sehr beliebt. Rund 40 Kasinos gibt es in der Stadt. Etwa 100.000 Menschen sind dort beschäftigt. Die Branche trägt etwa zur Hälfte der Wirtschaftsleistung der Stadt bei und übertrumpft sogar den Glücksspielumsatz in Las Vegas.

Bänder in Fabriken stehen still

Die Entscheidung gilt als kleine Sensation. Dass alle Kasinos der Stadt dicht gemacht werden, kam seit der Übergabe der Stadt von Portugal an China vor 20 Jahren erst einmal vor. Im Herbst 2018 stellten sie ihren Betrieb für anderthalb Tage wegen des Taifuns Mangkhut ein. Die Entscheidung der Behörden ist auch ein Zeichen dafür, wie ernst die Epidemie inzwischen genommen wird. Die Kasinos führen von ihren Gewinnen rund 40 Prozent Steuern ab. Die Stadt verzichtet mit ihrer Maßnahme also auf viel Geld.

Mittlerweile sind in China zahlreiche Wirtschaftszweige von den Auswirkungen des Coronavirus betroffen. Etliche Airlines haben ihre Flüge nach China eingestellt. Fabriken stehen still. In der besonders betroffenen Stadt Wuhan ging die Produktion von TV-Displays zurück. Dort befinden sich allein fünf verschiedene Werke.

Probleme für globale Lieferketten

Die stillstehenden Fabriken werden zunehmend zum Problem der global verzahnten Lieferketten. Der südkoreanische Hersteller Hyundai kündigte beispielsweise an, seine gesamte Produktion im Heimatland noch in dieser Woche auszusetzen. Grund sind fehlende Teile, die normalerweise aus China geliefert werden. Analysten gehen davon aus, dass ähnliche Probleme viele Unternehmen treffen werden.

In den betroffenen Städten Chinas sind etliche Geschäfte zu. Die schwedische Modekette H&M etwa machte 45 Filialen vorübergehend dicht. Der Jeans-Hersteller Levi Strauss schloss etwa die Hälfte seiner Läden. Aus Angst vor Ansteckung bleiben viele Kunden ohnehin daheim. Auch BMW und Volkswagen verlängerten die zum Neujahr üblichen Ferien in ihren Fabriken bereits auf diese Woche.

Unterhaltungsbranche muss Einbußen hinnehmen

Zudem bangen Entertainer und Künstler in Asien um ihr Geschäft. So wurden zahlreiche Konzerte und Shows abgesagt - nicht nur in China, sondern auch in weiten Teilen Asiens. Bereits Ende Dezember hatte das renommierte Bostoner Symphonieorchester seine Tour auf dem Kontinent verschoben. Das Hongkong Philharmonic Orchestra strich fünf Konzerte. Die Art Basel Hongkong, eine der renommiertesten Kunstmessen in Asien, prüft aktuell, ob eine für März geplante jährliche Veranstaltung stattfinden soll.

Menschen mit Atemmasken in einem Kasino in Macau. | Bildquelle: AFP
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Menschen mit Atemmasken in einem Kasino in Macau.

Auswirkungen auf globale Konjunktur befürchtet

Bislang scheinen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen insgesamt in Grenzen zu halten. Wegen der Feiertage rund um das chinesische Neujahrsfest - in diesem Jahr am 25. Januar - war die Produktion ohnehin eingeschränkt.

Zugleich wächst aber die Sorge vor ernsthaften Auswirkungen auf die globale Konjunktur. Diese könnten nach Einschätzung mancher Experten sogar heftiger ausfallen als bei der SARS-Krise vor 17 Jahren. Die Infektionskrankheit war damals auch in China ausgebrochen. Die wirtschaftliche Bedeutung des Landes ist seitdem stark gewachsen. China ist mittlerweile die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Ein längerer Stillstand könnte vor allem globale Lieferketten in der Chemie, im Fahrzeugbau, in der Textilbranche und der Elektronik unterbrechen, warnen Ökonomen. Hersteller auch in Deutschland bekämen benötigte Teile nicht mehr. Sie müssten andere Lieferanten finden oder ihre Produktion herunterfahren.

Mit Informationen von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Macau schließt für zwei Wochen alle Kasinos wegen Coronavirus
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
04.02.2020 11:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Februar 2020 um 09:45 Uhr.

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