Ein versperrter Aussteller-Eingang auf dem Messegelände in Hannover | Bildquelle: dpa

Coronavirus Stillstand im Messeland

Stand: 07.03.2020 11:16 Uhr

Deutschland ist ein Land der Messen und Ausstellungen. Wegen des Coronavirus ist der Betrieb aber weitgehend eingestellt. Für Messebauer, Hotelbetreiber und Gastwirte hat das dramatische Konsequenzen.

Von David Zajonz, WDR

So etwas hat es in der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Die Sorge vor einer Ausbreitung des Coronavirus führt dazu, dass im ganzen Land Handelsmessen abgesagt oder verschoben werden. Betroffen sind etwa die Leipziger Buchmesse, die Kölner Fitnessmesse FIBO, die Hannover Messe und die Berliner Tourismusmesse ITB.

Weltweit zahlreiche Messen abgesagt oder verschoben wegen Coronavirus
tagesthemen 21:45 Uhr, 06.03.2020, Jenni Rieger/Angela Wistuba, SWR

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Kurzarbeit für Messebauer

"Ich mache jetzt seit 25 Jahren Messebau und so eine Situation hatten wir noch nie", sagt Andreas Berning, Geschäftsführer der Firma Display Messebau aus Essen. Fast alle seine Aufträge für die kommenden Wochen sind wegen des Coronavirus abgesagt worden. "Das trifft einen bis ins Mark", so Berning.

Seine Firma hat in dieser Woche Kurzarbeit beantragt. Für viele der 50 Mitarbeiter werden Teile des Gehalts also wohl teilweise von der Arbeitsagentur übernommen. Kurzarbeit hat für Arbeitgeber Berning einen großen Vorteil: Er muss seine Mitarbeiter vorerst nicht entlassen und nach der Krise nicht händeringend nach neuen Fachkräften suchen. Seinen Mitarbeitern bietet das Kurzarbeitergeld zumindest eine gewisse Sicherheit.

Hotelbuchungen massenhaft storniert

In der Messestadt Köln betreibt die Dorint GmbH drei Hotels, eines davon direkt am Messegelände. Aufsichtsratschef Dirk Iserlohe beklagt, die Messeabsagen führten dazu, dass in seinen Kölner Hotels jedes fünfte Bett leer bleibe. "Wir glauben, dass die Auswirkungen uns Geld kosten werden, aber nicht das Leben", sagt Iserlohe. "Aber die gesamte Tourismusbranche braucht Hilfe", so sein Appell an die Politik.

Dass an den großen Messestandorten viele Hotelbetten leer bleiben, ist wenig überraschend. Betroffen sind aber auch Unternehmen in kleineren Städten, wie etwa das Lindgart Hotel im ostwestfälischen Minden. Das Hotel hat 100 Zimmer, zu normalen Zeiten treffen sich dort Geschäftsleute für Tagungen und Konferenzen. Die Firmen hätten ihre Reisetätigkeit mehr oder weniger eingestellt, beklagt Hotelbesitzer Bernd Niemeier: "Ich habe in drei Tagen circa 700-800 Übernachtungen verloren."

"Ein Flächenbrand" in der Branche

Niemeier ist zugleich Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga in Nordrhein-Westfalen. Der Verband hat auf Bundesebene eine Blitzumfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt. Demnach gehen vor allem die Buchungen von Geschäftsreisenden zurück, private Buchungen sind weniger betroffen.

Nach eigener Aussage verzeichnen über 80 Prozent der Hoteliers in Deutschland Umsatzeinbußen, bei den Restaurants sind es über 70 Prozent. Niemeier spricht von einem "Flächenbrand". Für Hotels und Gaststätten ist die Lage auch deshalb so kritisch, weil im Dienstleistungsbereich sogenannte Nachholeffekte häufig ausbleiben. Niemeier erklärt das an einem Beispiel: "Wenn Sie einen Porzellanteller herstellen und ihn heute nicht verkaufen können, können Sie ihn ins Regal stellen und morgen verkaufen. Das Hotelzimmer, das ich heute nicht verkauft habe, kann ich nicht morgen doppelt verkaufen."

Politik soll helfen

Die Hotelbranche fordert Hilfe von der Politik. Das Kurzarbeitergeld solle unbürokratischer werden, für kriselnde Unternehmen will Dehoga Not-Kredite. Dazu kommt eine alte Forderung des Verbands: Die Senkung der Mehrwertsteuer auf Restaurantbesuche. Letzteres dürfte aber wohl eher einen langfristigen Effekt haben und kaum zur Lösung der akuten Krise beitragen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus gehen aber weit über Messebau, Hotels und Restaurants hinaus. Gefahr droht auch für viele Industrieunternehmen, denen Bauteile aus China fehlen. Die deutsche Wirtschaft droht insgesamt in die Rezession zu rutschen. Vor diesem Hintergrund steht die Bundesregierung unter Druck, eine große Krise zu verhindern. Am Sonntag treffen sich die Koalitionsspitzen von CDU, CSU und SPD, um über Hilfen zu sprechen. Unternehmer und Arbeitnehmer im ganzen Land werden gespannt auf die Ergebnisse warten.

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