Das Foto zeigt die Schuldenuhr am neuen Standort des Bundes der Steuerzahler Deutschland in Berlin.  | picture alliance / Bund der Steu

Folgen der Corona-Krise Staatsverschuldung steigt auf Rekordniveau

Stand: 28.07.2021 16:02 Uhr

Die finanziellen Hilfen zur Bewältigung von Folgen der Corona-Pandemie machen sich deutlich auf der Schuldenuhr der öffentlichen Haushalte bemerkbar. Ende 2020 beliefen sich diese auf den Rekordwert von 2172,9 Milliarden Euro.

Die immensen Ausgaben, um die Folgen der Corona-Pandemie abzumildern, haben die öffentlichen Schulden in Deutschland auf ein Rekordniveau ansteigen lassen.

Zum Jahresende 2020 beliefen sich die Schulden des Öffentlichen Gesamthaushaltes im nicht-öffentlichen Bereich auf 2172,9 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Diese Summe fasst alle Schulden zusammen, die Bund, Länder, Gemeinden, Gemeindeverbände und Sozialversicherung beim nicht-öffentlichen Bereich haben, also etwa bei privaten Banken oder Unternehmen im In- und Ausland.

Höchster Wert binnen Jahresfrist

Binnen eines Jahres wuchsen die Schulden damit um 14,4 Prozent oder 273,8 Milliarden Euro an - der höchste in der Statistik jemals erfasste Wert am Ende eines Jahres. Pro Kopf entspricht das einer Verschuldung von 26.141 Euro. Zum Vergleich: Zum Jahresende 2019 lag die Schuldensumme pro Kopf noch bei 22.860 Euro.

Den Anstieg der Verschuldung begründet das Statistische Bundesamt vor allem mit den Maßnahmen gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Dazu zählen die finanziellen Hilfspakete für Unternehmen oder Selbstständige sowie beispielsweise die Absenkung der Mehrwertsteuer.

Schulden des Bundes legen um 18,1 Prozent zu

Der Bund war Ende des vergangenen Jahres den endgültigen Zahlen zufolge mit 1403,5 Milliarden Euro verschuldet, was einem Plus von 18,1 Prozent binnen Jahresfrist entspricht.

Wesentlich geringer fiel die Zunahme bei Ländern und Gemeinden aus: Die Verschuldung der Länder wuchs um 9,8 Prozent auf 636 Milliarden Euro an.

Höchste Pro-Kopf-Verschuldung in den Stadtstaaten

Dabei entfiel die höchste Verschuldung pro Einwohnerin oder Einwohner auf die Stadtstaaten. An erster Stelle lag dabei Bremen mit einer Verschuldung von 57.823 Euro pro Kopf, gefolgt von Hamburg mit 19.181 Euro und Berlin mit 16.307 Euro. Allerdings müssen die Stadtstaaten, anders als die Flächenländer, auch kommunale Aufgaben wahrnehmen.

Unter den restlichen Bundesländern wies das Saarland mit 14.737 Euro die höchste Verschuldung je Einwohnerin oder Einwohner auf. Auf Platz zwei lag Schleswig-Holstein mit 11.002 Euro. Die niedrigste Pro-Kopf-Verschuldung wiesen laut Statistik Bayern mit 1359 Euro und Sachsen mit mit 1244 Euro auf.

Die Verschuldung der Gemeinden und Gemeindeverbände nahm nur um 1,5 Prozent zu. Deren Schulden lagen Ende 2020 bei 133,3 Milliarden Euro. Die Schulden der Sozialversicherung sanken auf 44 Millionen Euro.

FDP-Fraktionsvize warnt vor höherer Inflation

Christian Dürr, stellvertretender Vorsitzender der FDP-Bundestagsfraktion, zeigte sich angesichts des starken Anstiegs der Schulden alarmiert. "Wenn sich der Staat immer mehr verschuldet, kann das zu einer höheren Inflation führen", warnte er gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Ziel einer nächsten Bundesregierung müsse es daher sein, "die Staatsfinanzen wieder auf solide Füße zu stellen".

Der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, Sebastian Dullien, sieht in dem zwar "massiv" erscheinenden Plus der Schulden trotzdem "ökonomisch keinen Grund zur Sorge". Die Schuldenquote, also das Verhältnis von Schulden zur jährlichen Wirtschaftsleistung, liege nach wie vor "deutlich niedriger als nach der Finanzkrise 2012 und dürfte ab 2022 zügig abnehmen".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. Juli 2021 um 09:43 Uhr.

IHRE MEINUNG

KOMMENTARE

avatar
Moderation 28.07.2021 • 20:40 Uhr

Schließung der Kommentarfunktion

Sehr geehrte User, die Kommentarfunktion für dieses Thema wird nun geschlossen. Danke für Ihre rege Diskussion. Mit freundlichen Grüßen Die Moderation