Ein Sicherheitsmitarbeiter läuft am leeren Check-In auf dem Flughafen in Hongkong entlang. | EPA

Deutsche Maschinenbauer in China Schluss mit der Quarantäne-Pflicht

Stand: 12.07.2022 20:34 Uhr

China ist für viele deutsche Maschinenbauer ein wichtiger Partner - und gerade darum wächst bei vielen der Ärger über die dortigen strengen Corona-Auflagen. Denn die bremsen auch die Geschäfte aus.

Von Ruth Kirchner, ARD-Studio Peking, zzT. in Berlin

Normalerweise sind deutsche Mittelständler eher zurückhaltend mit Kritik an China. Niemand will es sich auf dem wichtigen Markt verderben. Doch etwa 20 Chefs und Manager von Maschinen- und Anlagebauern machen jetzt in persönlichen Stellungnahmen ihrem Ärger über die Corona-Einreisebeschränkungen ungewöhnlich offen Luft.

Ruth Kirchner ARD-Studio Peking

Über eine "unmenschliche Quarantäne-Situation" in China klagt ein Firmenchef aus dem niedersächsischen Düren auf der Website des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Quarantäne-Einrichtungen seien wie "Knast". Von einer Kostenexplosion ist die Rede, von Verzögerungen bei der Einrichtung oder Wartung von Anlagen in China, von Rückgängen im China-Geschäft, weil der Kontakt zu Kunden und Lieferanten fehlt. 

Auch Ulrich Ackermann, Abteilungsleiter Außenwirtschaft beim VDMA, nimmt kein Blatt vor den Mund:

Der VDMA ruft die chinesische Regierung dazu auf, wie in allen anderen Ländern auch, auf Quarantäne zu verzichten, wenn die Reisenden vollständig geimpft sind.

Einbußen und einbrechende Exporte

Rund 3500 Maschinen- und Anlagebauer sind im VDMA organisiert. Etwa ein Viertel hat eigene Gesellschaften in China, viele produzieren auch in der Volksrepublik. Konnten sie im vergangenen Jahr noch zweistellige Wachstumsraten in China verzeichnen, rechnen viele Firmen für dieses Jahr mit einer Stagnation oder einem Rückgang des China-Geschäfts.

Auch die Exporte leiden: Seit Beginn des Jahres ist der Export von Maschinen und Anlagen nach China auch wegen der Reiserestriktionen spürbar gesunken - um 8,5 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro von Januar bis April.

Ein "Flickenteppich" an Regelungen

Doch eine Änderung der strikten chinesischen Einreise-Bestimmungen und komplizierten Visa-Regeln ist nicht in Sicht. Zwar haben die chinesischen Behörden Ende Juni die Quarantänepflicht für Einreisende auf sieben Tage verkürzt. Doch ob das wirklich umgesetzt wird, sei unklar, sagt Außenwirtschaftsexperte Ackermann, "denn bisher war wenig Verlass auf die Aussagen der regionalen chinesischen Behörden und es gaben einen Flickenteppich von Regelungen innerhalb Chinas".

Die Lieferketten nicht nur weltweit, sondern auch innerhalb Chinas seien weiter anfällig für Störungen - selbst bei kleinsten Corona-Ausbrüchen, so Ackermann. Mittlerweile denken viele Firmen daher darüber nach, ob es sich noch lohnt, das bislang so lukrative Geschäft mit China weiter auszubauen. Er habe die Suche nach neuen Zulieferern in China auf Eis gelegt, schreibt ein Firmenchef, und suche jetzt nach Alternativen außerhalb Chinas.