Das Gebäuder der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt am Main | dpa

EZB-Ratssitzung Mit weiteren Milliarden gegen die Krise

Stand: 10.12.2020 15:05 Uhr

Europa kämpft gegen die zweite Corona-Welle. Für die EZB Grund genug, ihre Hilfen gegen die Krise nochmals deutlich aufzustocken: Weitere 500 Milliarden Euro sollen in das Notfall-Anleihekaufprogramm PEPP fließen.

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise legt die Europäische Zentralbank (EZB) nochmal kräftig nach. Das Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere wird zum einen aufgestockt und zum anderen deutlich verlängert.

Gemeint ist das sogenannte Pandemic Emergency Purchase Programme, kurz PEPP. Die EZB will 500 weitere Milliarden Euro in das Programm investieren und weitet es damit auf insgesamt 1,85 Billionen Euro aus. Zudem läuft PEPP neun Monate länger als angedacht, bis mindestens Ende März 2022.

Ins Leben gerufen wurde das Programm im März unter der Führung von Christine Lagarde, damals gerade einmal ein paar Monate in ihrer neuen Funktion an der Spitze von Europas Währungshütern. Im Sommer, nach der ersten großen Corona-Welle, wurde PEPP schon einmal ausgeweitet: um 600 Milliarden Euro auf insgesamt 1,35 Billionen Euro mit einer Laufzeit bis kommenden Juni. Die Wertpapierkäufe helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen für ihre Papiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt. In der Krise haben Staaten milliardenschwere Rettungspakete aufgelegt, das belastet die Haushalte.

Zweite Welle "keine geringere Gefahr" für Wirtschaft

Für EZB-Chefin Lagarde stand kaum infrage, dass die Institution bei ihren Maßnahmen gegen die Coronakrise nochmals nachlegt: "Die EZB war in der ersten Welle da und wird auch in der zweiten Welle da sein." Denn selbst wenn sich die zweite Welle "als weniger heftig erweist" als die erste im Frühjahr, ist Lagarde überzeugt, dass sie "keine geringere Gefahr für die Wirtschaft" darstelle.

Auch für Geschäftsbanken schafft die EZB Erleichterungen: Sie können besonders günstige Langfristkrediten (PELTROs) erhalten. Die Bedingungen für bereits laufende Kredite werden gelockert.

Keine Änderungen beim Leitzins

Wenig Spielraum blieb der EZB beim Leitzins. Der liegt schon seit Jahren auf einem Rekordtief von null Prozent. Der Einlagesatz für Geschäftsbanken bleibt weiterhin bei minus 0,5 Prozent. Das Minuszeichen bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Seit Herbst 2019 gibt es allerdings für die Banken Freibeträge.

Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent. Die Inflation liegt allerdings seit Jahren unter diesem Zielwert. Der Trend hat sich in der Corona-Krise durch den Einbruch der Energiepreise in Folge weltweit gesunkener Nachfrage verschärft. Im November lag die Inflationsrate im Euroraum bei minus 0,3 Prozent.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Dezember 2020 um 15:00 Uhr.