Ein Eisengitter hängt vor einem geschlossenen Geschäft. | dpa

Deutsche Wirtschaft 350 Milliarden Euro Schaden durch Corona

Stand: 23.01.2022 11:48 Uhr

Der deutschen Wirtschaft sind einer Studie zufolge seit Beginn der Corona-Pandemie Schäden in Höhe von rund 350 Milliarden Euro entstanden. Experten hoffen, dass die Omikron-Variante den Negativtrend stoppen wird.

Die Corona-Pandemie hat in den vergangenen beiden Jahren zu riesigen wirtschaftlichen Schäden geführt. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln kommt in einer Analyse zum Ergebnis, dass der sogenannte Wertschöpfungsausfall bei rund 350 Milliarden Euro liegt.

Weniger Konsum durch Lockdown

Ein Großteil davon gehe auf Ausfälle beim privaten Konsum - unter anderem wegen Lockdown-Maßnahmen - zurück, rechnete das IW vor. Dazu kämen außerdem reduzierte Investitionen von Unternehmen. In den ersten drei Monaten dieses Jahres entstünden möglicherweise weitere Ausfälle in Höhe von 50 Milliarden Euro, erklärte das Institut weiter.

"Die Erholung wird Jahre dauern", heißt es in der Analyse. Selbst wenn zum Jahresende 2022 beim Bruttoinlandsprodukt das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden sollte, bestehe auch dann noch eine "markante Lücke" zur Wirtschaftsleistung im Vergleich dazu, wenn es die Pandemie nicht gegeben hätte.

Probleme mit den Lieferketten

Zu Beginn der Pandemie führten demnach die Lockdown-Maßnahmen zu Problemen bei Produktionsprozessen und störten Lieferungen im In- und Ausland. Hinzu kamen Kosten durch eingeschränkte Konsummöglichkeiten und vorsichtige Kunden. Die Geschäfte mit dem Ausland gingen stark zurück. Dadurch sackte das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) im zweiten Quartal 2020 im Vorjahresvergleich um elf Prozent ab. 

Im weiteren Verlauf der Pandemie sorgten zwischenzeitlich gesunkene Infektionszahlen immer wieder für Hoffnung auf eine dauerhafte Erholung - diese wurde jedoch durch erneute Infektionswellen getrübt. Im zweiten Corona-Jahr waren laut Studie Probleme bei Lieferketten entscheidend: Fehlende Bauteile machten besonders der Automobilindustrie zu schaffen. Die Staatsausgaben in der Pandemie und die Exporte hätten die deutsche Wirtschaft im zweiten Jahr zumindest teilweise aufgefangen, erklärte das IW.

Ökonomen hoffen auf endemische Phase

"Die neue Omikron-Variante gibt allerdings auch Grund zur Hoffnung", erklärte IW-Ökonom Michael Grömling. "Sollten wir in diesem Jahr in die endemische Phase eintreten, dürfte es wieder bergauf gehen." In den nächsten Jahren brauche es dann ein kräftiges Wachstum, um die Einbußen wieder wettzumachen.

Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit einem schwächeren Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,6 Prozent, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Regierungskreise berichtet. Die Vorgängerregierung war im Herbst noch von 4,1 Prozent Wachstum in diesem Jahr ausgegangen. Die Prognose ist Teil des Jahreswirtschaftsberichts, der am Mittwoch im Kabinett beschlossen werden soll.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. Januar 2022 um 06:30 Uhr.