Betonröhren in Thüringen | dpa

Coronavirus und die Wirtschaft Experten für rasches Handeln des Staates

Stand: 11.03.2020 11:46 Uhr

Das Coronavirus wird deutliche Folgen für die deutsche Wirtschaft haben. Führende Ökonomen rechnen im ersten Halbjahr 2020 mit einer Rezession. Die Wissenschaftler haben ein Maßnahmenpapier ausgearbeitet.

Wegen der Folgen der Corona-Epidemie wird die deutsche Wirtschaft nach Ansicht führender deutscher Ökonomen im ersten Halbjahr mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession rutschen. Gemeinsam veröffentlichten sie ein 15-seitiges Papier. Ifo-Chef Clemens Fuest sagte, die Politik müsse nun umdenken und schnell handeln. Es sei besser, aktiv Maßnahmen zu ergreifen, als später mit den wirtschaftlichen Folgen der Epidemie leben zu müssen.

Abkehr von der Schwarzen Null

Als Möglichkeiten nannte Fuest die Abkehr von der Schwarzen Null, Steuersenkungen oder Staatsbeteiligung an Unternehmen. Unabhängig von den Kosten sei die Top-Priorität jetzt die Stärkung des Gesundheitssystems, heißt es in dem Papier weiter. Der Würzburger Ökonom Peter Bofinger sagte, zudem müsse eine Schieflage von Unternehmen und Banken verhindert werden. Der Staat sei finanzpolitisch voll handlungsfähig. Das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts dürfe hier keine Bremse sein.

Extra-Hilfen für Italien notwendig

Das besonders betroffene Italien müsste nach Auffassung von Bofinger Extra-Hilfen von der EU bekommen, zum Beispiel könnte dem Land eine höhere Neuverschuldung erlaubt werden. Zudem könne es über den europäischen Rettungsfonds ESM direkte Hilfen geben.

Hamburger Hafen | dpa

Unternehmen werden wieder größere Lagerbestände anlegen Bild: dpa

Weiter gehen die Wirtschaftswissenschaftler davon aus, dass Unternehmen als Reaktion aus der Corona-Krise wieder größere Lagerbestände anlegen. Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft aus Kiel, Gabriel Felbermayr, sagte, es werde wohl auch politische Reaktionen geben, die die Globalisierung ein Stück zurückdrehten. Übertriebene Antworten könnten die Weltwirtschaft langfristig Wachstumspotenzial kosten.

Mehrwertsteuersenkung würde nicht viel bringen

Der Ökonom Sebastian Dullien vom Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung meint, eine Mehrwertsteuersenkung würde pro Prozentpunkt den Staat 11,7 Milliarden Euro kosten. Das sei relativ teuer und würde nicht zwingend viel bringen.

Die Senkung helfe womöglich nicht, weil Unternehmen mit Lieferungen Probleme hätten und es in der Coronavirus-Krise nicht das Ziel sein könne, dass die Menschen mehr ausgingen, etwa in Restaurants.

Bofinger meint, sobald die Gesundheitskrise überwunden sei, brauchten die Unternehmen noch zwei Monate, um zum Normalbetrieb zurückzukommen.

Über dieses Thema berichtete das Nachtmagazin am 11. März 2020 um 01:00 Uhr.