Ein Saisonarbeiter sticht in Weiterstadt (Hessen) den ersten Spargel der Saison aus dem Acker. (Archivbild) | dpa

Regierung ordnet Verbot an Erntehelfer dürfen nicht mehr einreisen

Stand: 25.03.2020 19:43 Uhr

Die Spargelernte beginnt, anderes Gemüse muss jetzt ausgesät werden. Normalerweise machen das Saisonarbeitskräfte, die oft aus Rumänien oder Bulgarien kommen. Doch ab heute dürfen sie nicht mehr einreisen.

Um die Ausbreitung der Corona-Pandemie in Deutschland zu bremsen, hat das Bundesinnenministerium ein Einreiseverbot für Saisonarbeiter angeordnet. Erntehelfern und anderen Saisonarbeitskräften werde von heute 17 Uhr an im Rahmen der bestehenden Grenzkontrollen die Einreise verweigert, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.

Diese Regelung gelte für die Einreise aus Drittstaaten, aus Großbritannien, für EU-Staaten wie Bulgarien und Rumänien, die nicht alle Schengen-Regeln vollumfänglich anwenden, sowie für Staaten, "zu denen Binnengrenzkontrollen vorübergehend wieder eingeführt worden sind". Diese Beschränkungen seien "zwingend erforderlich, um Infektionsketten zu unterbrechen", fügte der Sprecher hinzu.

Bauernpräsident: Trifft Betriebe sehr hart

Bauernpräsident Joachim Rukwied sagte, das Einreiseverbot treffe die Betriebe in der jetzigen Phase sehr hart. Der Stopp müsse so kurz wie möglich gehalten werden. Die Betriebe seien bereit, jegliche Maßnahmen zum Infektionsschutz umzusetzen.

Insbesondere Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe bräuchten dringend Arbeitskräfte, so Rukwied. In der Landwirtschaft sind jährlich knapp 300.000 Saisonarbeitskräfte beschäftigt, die vor allem aus Osteuropa kommen.

Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner ist sich der Dringlichkeit bewusst: "Eine Ernte wartet nicht, eine Ernte, die nicht reingeholt wird, die kann man nicht nachholen", sagte sie. "Und das, was nicht gepflanzt wird, kann man dann auch nicht ernten. Das bereitet uns große Sorge."

Klöckner wies darauf hin, dass das Kabinett bereits am Montag entschieden habe, Saisonarbeitskräfte, die schon im Land sind, länger bleiben zu lassen - und zwar 115 anstatt der 70 regulären Tage. Außerdem sei sie im Gespräch mit Bundesinnenminister Seehofer, ob Asylbewerber in Deutschland, die keine Arbeitserlaubnis haben, in der Landwirtschaft arbeiten können.

Suche nach Freiwilligen im Internet

Schon vor dem Einreiseverbot war klar, dass viele von ihnen in diesem Jahr nicht kommen würden. Verbände und das Bundeslandwirtschaftsministerium haben deshalb Internet-Plattformen aufgesetzt, um Betriebe und Freiwillige, die auf den Feldern arbeiten könnten, in Kontakt zu bringen.

Schon jetzt gibt es Kritik an den Plänen. Markus Drexler, der Sprecher des Bayerischen Bauernverbands, ist skeptisch: Die Erfahrungen aus der Vergangenheit würden zeigen, dass auf dem Markt für Saisonarbeitskräfte das Interesse im Inland eher gering sei, meint er. 95 Prozent der Arbeitskräfte kämen aus dem Ausland. Es handele sich eben um schwere körperliche Arbeit, die außerdem nicht besonders gut bezahlt sei.

Drexler zweifelte auch an der zeitlichen Umsetzbarkeit der Pläne: Denn für viele Betriebe entscheide sich schon in den kommenden Tagen, ob sie aussähen oder ihre Hopfengärten anbauen könnten. Für die Lebensmittelsicherheit gebe es aber keine Auswirkungen.

Mit Informationen von Sophie von der Tann, ARD-Hauptstadtstudio.