Bundesagentur für Arbeit in Rostock | dpa

Arbeitsmarkt in Corona-Krise So viel Kurzarbeit wie noch nie

Stand: 30.04.2020 13:03 Uhr

Die Corona-Krise trifft den Arbeitsmarkt massiv. Für mehr als zehn Millionen Menschen wurde Kurzarbeit beantragt - mit Abstand der Höchstwert. Auch bei der Arbeitslosenquote gibt es historisch einmalige Werte.

Die Unternehmen in Deutschland haben in der Corona-Krise bis zum 26. April für 10,1 Millionen Menschen Kurzarbeit angemeldet. Diesen Rekordwert gab die Bundesagentur für Arbeit bekannt. "Das heißt aber nicht, dass diese Menschen schlussendlich auch alle kurzarbeiten werden", betonte Detlef Scheele, der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur. Es sei aber nichtsdestotrotz eine im Vergleich zu den letzten Jahrzehnten nie dagewesene Zahl. 

Damit wurden alle Prognosen von Volkswirten bei weitem übertroffen. Die Schätzungen der Experten hatten zwischen drei und sieben Millionen Menschen gelegen. Der bisherige Rekordwert der Bundesagentur für Arbeit für dieses arbeitsmarktpolitische Instrument stammt aus dem Mai 2009. Damals waren 1,44 Millionen Menschen in Kurzarbeit. Im gesamten Krisenjahr 2009 waren 3,3 Millionen Anzeigen für Kurzarbeit bei der Bundesagentur eingegangen.

Die Kurzarbeit dient dazu, Arbeitnehmer mit staatlicher Hilfe im Job zu belassen und Entlassungen zu vermeiden.

Erster Anstieg in einem April seit der Nachkriegszeit

Trotz der extrem hohen Zahl von Anzeigen für Kurzarbeit stieg auch die Zahl der Arbeitslosen an. Es sei das erste Mal seit der Nachkriegszeit, dass dies in einem April der Fall sei, so Scheele. Normalerweise sinkt die Arbeitslosigkeit in dieser Jahreszeit wegen der Frühjahrsbelebung am Arbeitsmarkt.

Im April waren 308.000 Menschen mehr arbeitslos als noch im März und 415.000 mehr als im April 2019, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Gesamtzahl stieg damit auf 2,644 Millionen. Dies entspricht einer Quote von 5,8 Prozent. Sie stieg im Vergleich zum März um 0,7 Punkte und im Vergleich zum April des Vorjahres um 0,9 Punkte. "Die Corona-Krise dürfte in Deutschland zur schwersten Rezession der Nachkriegszeit führen", sagte Scheele. Dadurch gerate auch der Arbeitsmarkt stark unter Druck.

Deutlich weniger Nachfrage nach Arbeitskräften

Die Nachfrage nach Arbeitskräften sei parallel zum Anstieg der Arbeitslosigkeit und zum noch nie da gewesenen Niveau bei der Kurzarbeit regelrecht eingebrochen, erklärte die Bundesagentur. Im April 2020 waren nur noch 626.000 unbesetzte Stellen bei den Arbeitsagenturen gemeldet, 169.000 weniger als noch vor einem Jahr. Saisonbereinigt sei die Zahl der offenen Stellen um 66.000 nach unten gegangen.

Heil: "Werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen"

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sagte angesichts der Zahlen, Kurzarbeit sichere in Deutschland Millionen Arbeitsplätze: "Wir können zwar auch in unserem Land nicht für jeden Arbeitsplatz garantieren, aber wir werden um jeden Job kämpfen", so der SPD-Politiker.

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Der Arbeitsmarkt im April 2020

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. April 2020 um 12:00 Uhr.

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Moderation 30.04.2020 • 21:50 Uhr

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