Eine leere Autobahn bei Stuttgart im April 2020 | Bildquelle: dpa

Klimaforschung Corona reduziert CO2-Ausstoß

Stand: 14.10.2020 11:53 Uhr

Die Corona-Pandemie hat weltweit dafür gesorgt, dass deutlich weniger CO2 ausgestoßen wurde. Lockdown und Homeoffice führten dazu, dass weniger Autos und Lkw auf den Straßen waren. Dem Klima nützt das aber kaum.

Klimaforscher haben für das erste Halbjahr 2020 weltweit einen deutlichen Rückgang der CO2-Emissionen festgestellt. Einer Studie unter Beteiligung des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zufolge wurden weltweit mehr als eine Milliarde Tonnen weniger CO2 in die Atmosphäre gepustet als im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das sei ein stärkerer Rückgang als während der Ölkrise 1979 und der Finanzkrise 2008.

Allerdings profitiert das Klima kaum davon. Der Effekt sei vielerorts nur von kurzer Dauer gewesen. Es sei anhand von Zeitreihen festzustellen, dass der reduzierte Ausstoß mit den Lockdowns in den einzelnen Ländern zusammenhänge, erklärte der Hauptautor der Studie, Zhu Liu, von der Tsinghua-Universität Peking. Im April seien die Emissionen um 16,9 Prozent zurückgegangen. Vergleichbare Zahlen gebe es "normalerweise nur kurzfristig an Feiertagen wie Weihnachten oder dem chinesischen Frühlingsfest".

Stärkster Rückgang im Landverkehr

Am stärksten hat sich der Rückgang den Forschern zufolge im Landverkehr bemerkbar gemacht. "Vor allem aufgrund des weit verbreiteten Arbeitens von zu Hause gingen die CO2-Emissionen im Verkehr weltweit um 40 Prozent zurück", sagte Daniel Kammen von der University of California in Berkeley. Im Energie- und Industriesektor seien es dagegen nur 22 bzw. 17 Prozent gewesen. Sogar im Wohnsektor sei der Ausstoß um drei Prozent gesunken, das sei allerdings vor allem auf den milden Winter auf der Nordhalbkugel zurückzuführen.

Kaum Auswirkungen auf Klimawandel

Die Wissenschaftler wiesen darauf hin, dass die meisten Volkswirtschaften nach dem Ende der starken Corona-Beschränkungen ihr gewohntes Kohlendioxid-Niveau wieder weitgehend erreicht hätten. Einzige Ausnahme sei der Verkehr. Eine langfristige Auswirkung auf die CO2-Konzentration in der Atmosphäre würde sich aber auch dann nicht zeigen, so die Ansicht der Klimaforscher, wenn die Länder auf ihren niedrigen Werten verharren. Damit gebe es auch so gut wie keine positiven Folgen bezüglich der Erderwärmung.

"Wir müssen uns auf die globale Wirtschaft konzentrieren"

Der verzeichnete Rückgang sei zwar "beispiellos", sagte der Gründungsdirektor des PIK, Hans Joachim Schellnhuber. Doch ein "Rückgang menschlicher Aktivitäten" könne nicht die Antwort sein. "Worauf wir uns wirklich konzentrieren müssen, ist die Verringerung der CO2-Intensität unserer globalen Wirtschaft."

Der Studie liegen Daten aus dem Carbon Monitor zugrunde, einem Forschungsprojekt aus mehreren Ländern. Verwendet wurden Daten der Stromerzeugung in 31 Ländern, des täglichen Fahrzeugverkehrs in mehr als 400 Städten weltweit, von Passagierflügen und der Industrieproduktion. Für Deutschland zeigt der Monitor einen Rückgang des CO2-Ausstoßes in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um 53 Millionen Tonnen, das entspricht einem Minus von fast 15 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Oktober 2020 um 11:35 Uhr.

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