Schild mit Corona-Maßnahmen in Kanada | Bildquelle: dpa

Finanzhilfen in Corona-Krise Kanadas "Green Deal"

Stand: 22.05.2020 03:09 Uhr

Auch Kanadas Wirtschaft ist durch die Corona-Krise hart getroffen. Die Arbeitslosenquote hat sich innerhalb weniger Wochen fast verdoppelt. Premier Trudeau verspricht Hilfsgeld - aber nur gegen Klimaauflagen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York, zzt. Köln

Nicht jeder Firmenchef in Kanada ist in der glücklichen Lage, in der Jens Merkel ist, der Chef des zu Siemens gehörenden Unternehmens Epocal in Ottawa. Epocal gehört hier zu den wenigen Firmen, die nicht Corona-gebeutelt sind. Im Gegenteil: Der Hersteller von mobilen Blutanalytik-Systemen boomt durch die Pandemie. "Gerade wurden wieder 70 Stellen ausgeschrieben", erklärt Merkel in einem Podcast der deutschen Botschaft.

Viel Arbeit gibt es auch bei Dr. Oetker in der Provinz Ontario. Die Tiefkühlpizzen des Konzerns aus Bielefeld finden erst recht in der Krise in ganz Nordamerika reißenden Absatz.

13 Prozent Arbeitslose

Doch das sind Ausnahmen in Kanada: Im April verloren fast zwei Millionen Menschen ihre Jobs. Die Arbeitslosenquote verdoppelte sich fast seit März - auf 13 Prozent. Kanadas Wirtschaft ist schwer getroffen.

Die Regierung lasse sie nicht im Stich, verspricht Wirtschaftminister Bill Morneau. Alle Wirtschaftsbereiche, die unter der Corona-Krise leiden, können Kredite beantragen. Doch das Hilfspaket der Regierung ist an strenge Bedingungen geknüpft: Boni-Grenzen für Führungskräfte etwa, Kontrolle bei Aktienrückkäufen. "Unternehmen, die Gelder erhalten, müssen sich außerdem zu Klimazielen bekennen - und unsere Nachhaltigkeitspläne unterstützen", so Morneau.

Trudeau will grüner werden

Justin Trudeau | Bildquelle: REUTERS
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Kanadas Premier Trudeau bleibt auch in der Corona-Krise bei seiner klimafreundlichen Politik.

Premierminister Justin Trudeau wirbt mit seiner Umweltpolitik. Für den Öl- und Gas-Staat hat er etwa landesweit die CO2-Steuer durchgeboxt. Nach seiner knappen Wiederwahl im vergangenen Herbst hatte seine grün gefärbte Liberale Partei versprochen, den Klimawandel aktiver zu bekämpfen als bisher. Trudeau verteidigt den "Green Deal" bei der Corona-Hilfe für die Wirtschaft: "Die Investoren fragen künftig, wie die Unternehmen mit Pandemien umgehen. Aber wir wissen auch, dass der Klimawandel für viele Unternehmen ein großes Risiko darstellt."

Von dem Finanzpaket der Regierung sollen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 198 Millionen Euro profitieren. Sie müssten aber vorher offenlegen, wie sie ihren Schadstoff-Ausstoß verringern wollen.

Milliarden-Hilfe für Öl- und Gassektor

Die Forderungen erzeugen viel Kritik im Westen des Landes, wo schwerpunktmäßig die Öl- und Gasindustrie angesiedelt ist. Doch Trudeau hält dagegen: Einige Öl- und Gasfirmen hätten bereits solche Schritte für den Klimaschutz eingeleitet. "Sie haben begriffen, dass wir uns bei Ausstoß von Emissionen verbessern müssen: Als Land - aber auch als Industriezweig." Der Sektor ist besonders durch den Erdöl-Preissturz betroffen.

Im April hatte die kanadische Regierung angekündigt, dass sie ihn mit umgerechnet gut einer Milliarde Euro unterstützen will. Die Regierung knüpfte die Hilfe an Umweltauflagen. So sollen die Mittel speziell für die Säuberung stillgelegter Brunnen verwendet werden, die das Grundwasser verunreinigen und Treibhausgase freisetzen können.

Auch Fluggesellschaften sollen Hilfe bekommen

Auch die angeschlagenen Fluggesellschaften seien angesprochen. Die größte von ihnen - Air Canada - hat bereits ihre halbe Belegschaft entlassen müssen. Darunter wiederum leidet auch die deutsche MTU Maintenance mit Hauptsitzen in Berlin und Hannover. An ihrem Standort in Vancouver hält das Unternehmen normalerweise die Air Canada-Flotte instand, erklärt Yvonne Denz, stellvertretende Leiterin der deutsch-kanadischen Handelskammer. Das grüne Hilfsprogramm verfolgt sie mit großem Interesse: "Die kanadische Handelskammer geht davon aus, dass es circa 3000 Unternehmen in Kanada gibt, die dafür in Frage kommen."

Dass deutsche Unternehmen in Kanada diese Staatshilfe bräuchten, denkt die Wirtschaftsexpertin nicht. Die Firmen, die die entsprechende Größe hätten, seien für das Programm auch grün genug. Unternehmen wie Siemens oder BASF "könnten das ohne weiteres nachweisen", so Denz. In den kommenden Wochen sollen weitere Details zu Kanadas grünem Deal mit der Corona-Hilfe kommen. ​

Kanadas Green Deal mit der Corona-Hilfe
Antje Passenheim, ARD New York
21.05.2020 23:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Mai 2020 um 05:54 Uhr.

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