Viele Einzelhändler stecken wegen der Corona-Pandemie in der Krise. | Bildquelle: dpa

Beratung für Kleinbetriebe Corona-Hilfsprogramm hilft nur wenigen

Stand: 09.11.2020 18:00 Uhr

Bis zu 4000 Euro will der Bund Selbstständigen zahlen, die sich in der Corona-Krise professionell beraten lassen. Doch Tausende warten bislang vergeblich auf die Hilfen.

Von Massimo Bognanni, WDR, und Peter Hornung, NDR

Bei einem vom Bundeswirtschaftsministerium aufgelegten Förderprogramm für von der Corona-Krise betroffene Soloselbständige und kleine Unternehmen gingen offenbar die meisten der ursprünglichen Antragssteller leer aus. Nach Informationen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wurde nur knapp jedem Vierten Hilfe zugesagt.

Bis zu 4000 Euro sollten Soloselbstständige und kleine Unternehmen bekommen, um dafür Unternehmensberater anzuheuern, die ihnen Wege aus der Corona-Krise aufzeigen. Doch die Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums sind ernüchternd - das im Frühjahr gestartete Programm war zwar extrem attraktiv, aber auch hoffnungslos unterfinanziert.

Teils langes Warten auf Zusage

Nach Informationen von NDR, WDR und SZ hat von gut 33.000 Antragstellern nur knapp jeder Vierte eine Zusage auf Förderung bekommen. 25.000 fielen bereits im Frühsommer durchs Raster, weil sie ihren Förderantrag zu einem Zeitpunkt gestellt hatten, als intern im Ministerium längst klar war, dass die im Bundeshaushalt dafür vorgesehenen 15 Millionen Euro nicht reichen werden. Doch auch diejenigen, die ihren Antrag rechtzeitig gestellt hatten, mussten nicht selten lange auf eine solche Zusage warten.

Das Problem: Ohne Zusage durften sie die Unternehmensberatung nicht beginnen. "Das ist wie beim Arzt. Man hat eine Krankheit, aber man geht erst einmal sechs Monate nicht zur Behandlung", sagt ein Unternehmensberater aus Norddeutschland. "Eine Zwickmühle" sei das. Auf der einen Seite brauche ein Unternehmen die professionelle Hilfe. Auf der anderen Seite sei ihm aber immer wieder gesagt worden, dass er mit seiner Beratung noch nicht beginnen dürfe, so der Unternehmensberater. Bei seinen Kunden sei erst nach sechs Monaten klar gewesen, ob eine Zusage kommt oder nicht.

Die Zahlen, die das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und das Bundeswirtschaftsministerium NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" mitteilten, zeigen, dass das Programm bislang nur wenigen zugutekam. Lediglich gut 2.000 solcher Corona-Beratungen waren bis Mitte Oktober vom Bund gezahlt worden. Gut 2.000 weitere Anträge waren noch nicht abschließend bearbeitet.

Fördertopf reicht nicht aus

Am Ende könnte ein weiteres Problem stehen: Wenn alle Antragsteller mit Förderzusage Geld haben wollen, wären das insgesamt um die 25 Millionen Euro - also zehn Millionen mehr, als im Haushalt angesetzt. Jeder, der eine Zusage habe und korrekte Beratungsberichte einreiche, bekomme Geld, heißt es aus dem Wirtschaftsministerium. Woher dieses Geld aber kommen soll, erklärt es nicht.

Kritik kommt von der FDP-Fraktion im Bundestag. Deren wirtschaftspolitischer Sprecher Reinhard Houben hat die Entwicklung des Programms über Monate verfolgt. Es sei "politisch ganz, ganz schlechtes Handwerk", sagt er. "Wenn das Geld nicht entsprechend im Haushalt vorhanden ist, dann ist das einfach peinlich, verstört die Leute, die darauf gesetzt haben, dass sie entsprechende Hilfe bekommen. Und es zerschlägt am Ende mehr Porzellan, als es den Unternehmerinnen und Unternehmern hilft."

Corona-Hilfsprogramm für Selbstständige
Peter Hornung, NDR
10.11.2020 09:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. November 2020 um 18:15 Uhr.

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