Auszubildende im 2. Lehrjahr in Leipzig | dpa
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Ausbildung trotz Corona Bund weitet Hilfen für Betriebe aus

Stand: 05.12.2020 05:03 Uhr

Damit Betriebe auch in der Corona-Krise Auszubildende einstellen, gibt es Finanzspritzen vom Bund. Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios werden diese Hilfen ausgeweitet. Doch wirken sie überhaupt?

Von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Einen "Corona-Ausbildungs-Jahrgang" gelte es unbedingt zu vermeiden - so lautet seit Monaten das Mantra von Arbeitsminister Hubertus Heil. Um den Anreiz für kleine und mittlere Betriebe zu steigern, auch in der Krise weiterhin Lehrstellen anzubieten, können sie seit August Fördergelder beantragen: 2000 Euro pro Lehrvertrag, wenn sie die Zahl der Azubi-Stellen stabil halten. 3000 Euro, wenn sie diese sogar mitten in der Krise erhöhen. Hilfen, die nun auf mehr Betriebe ausgeweitet werden. "Wir haben jetzt nochmal nachgesteuert, weil der Zugang zu diesen Hilfen zu eng war", sagt Heil im Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

So können nun auch Betriebe mit geringeren Umsatzeinbußen als bisher Fördergelder beantragen. Und jene Firmen, die seit Ende Juni Auszubildende einstellten und von der zweiten Corona-Welle im Herbst erwischt wurden, können die Prämien auch rückwirkend abrufen. "Das Signal ist klar: Jetzt ausbilden, gerade jetzt! Die Krise wird vorbeigehen, wir brauchen qualifizierte Fachkräfte und wir müssen jungen Menschen eine Chance geben. Ich setze darauf, dass mehr Unternehmen jetzt mitziehen", mahnt der SPD-Politiker.

Bislang nur wenige Anträge eingegangen

Die Frage ist jedoch, ob die Betriebe die Signale des Bundesarbeitsministers auch wahrnehmen. Bislang kann keine Rede davon sein, dass sie der zuständigen Bundesagentur für Arbeit (BA) mit Anträgen die Türen einrennen: Wie aus einer Statistik der Agentur hervorgeht, die dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt, wurden bis zum 1. Dezember lediglich 20.300 Förderprämien bewilligt. Nur etwa sechs Prozent der Ausbildungsbetriebe stellten überhaupt einen Antrag.

Viele Unternehmen, etwa aus dem Bereich Handwerk, hatten beklagt, dass sie durchs Raster fielen, weil sie die Förderbedingungen nicht erfüllten. Hier bessert das Arbeitsministerium nun nach. Ob das reicht, die bislang überschaubaren Antragszahlen wirkungsvoll zu steigern, ist offen. "Ich glaube, die Instrumente müssen noch bekannter werden", gibt auch Arbeitsminister Heil zu.

Trostpflaster oder wirksames Heilmittel?

Nun ist Fachkräftemangel in Deutschland ein Dauerthema. Zwar bieten in diesem Jahr weniger Betriebe Lehrstellen an, gleichzeitig aber blieben in den zurückliegenden Monaten Tausende Ausbildungsplätze unbesetzt: Corona hat die Lage weder für die Betriebe, noch für die Jugendlichen vereinfacht - letztere sind durch die Krise noch verunsicherter. Die Bundesregierung hofft nun auf Nachvermittlungen.

Doch die bange Frage lautet: Wie sieht es 2021 aus? Um das bevorstehende Ausbildungsjahr mache er sich große Sorgen, bekundet Heil: "Es braucht eine gemeinschaftliche Anstrengung von Wirtschaft und Politik, für Ausbildung zu werben. Und deshalb werden wir auch im nächsten Jahr Ausbildungsprämien organisieren."

Für den FDP-Politiker Brandenburg ist die Gefahr, dass Unternehmen bei den Azubis sparen, um Corona-Einbußen auszugleichen, nicht gebannt. Aus seiner Sicht ist mehr nötig als Prämien; er fordert einen Azubi-Pakt 2030: "So sollte während der Krise Ausbildung komplett steuer- und abgabenfrei sein. Wir sollten mehr in die digitale Ausstattung der Berufsschulen investieren."  

Die Frage, ob die Ausbildungshilfen nur ein Trostpflaster sind für einige Unternehmen oder wirklich heilende Wirkung entfalten, wird sich wohl erst im kommenden Jahr beantworten lassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2020 um 23:35 Uhr.