Ein child mit Click and Meet | AFP

Steigende Neuinfektionen Einzelhandel kämpft für "Click & Meet"

Stand: 20.03.2021 20:22 Uhr

Die Corona-Zahlen steigen, und die Sorge vor neuen Einschränkungen wächst: Elf Einzelhändler haben deshalb in einem gemeinsamen Brief gefordert, die Lockerungen nicht zurückzunehmen. Sie fühlen sich unfair behandelt.

Mehrere große Handelsketten haben vor einer Rücknahme der begrenzten, erst seit kurzem gültigen Einkaufsmöglichkeiten gewarnt. In einem gemeinsamen Schreiben von elf Einzelhändlern - darunter Tedi, Kik, Takko, Ernsting's family, Butlers und Thalia - heißt es, dem Handel dürfe nicht die Verantwortung für das steigende Inzidenz-Geschehen zugeschoben werden. Das Gegenteil sei der Fall, wie man am Beispiel Hannover und Thüringen sehe: "Dort sind die Inzidenzen in den letzten Tagen deutlich gestiegen - ohne dass der Einzelhandel geöffnet hat", hieß es in dem Schreiben.

Dieses richtet sich an Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie an die Ministerpräsidentinnen und -präsidenten der Bundesländer, die am Montag über das weitere Vorgehen in der Pandemie beraten werden. Bei ihrem vorigen Treffen Anfang des Monats war festgehalten worden, dass man bei einer Wochen-Inzidenz von 100 generell wieder strikter vorgehen wolle. Ob es zu Verschärfungen kommen wird, ist aber noch unklar.

Handelsketten gegen Click & Meet-Rücknahme

Die Firmen sehen sich derzeit unfair behandelt. Zwar waren zuletzt leichte Lockerungen samt Shopping nach Termin ("Click & Meet") ermöglicht worden, diese stehen nun wieder auf der Kippe. "Der Handel bringt große Opfer und wird dafür nicht einmal adäquat kompensiert. Für unsere Branche bedeutet dies ein Geschäfts- und Unternehmenssterben auf Raten", heißt es in dem Schreiben.

Dies habe schlimme Folgen für die Innenstädte. Die Firmenchefs appellieren daher an die Politik, das Terminshopping beizubehalten. "Lassen Sie uns das Verfahren "Click and Meet", am besten ohne Kopplung an Inzidenzwerte, als kleinen Hoffnungsschimmer weiterentwickeln."

Die Pandemie-Bekämpfung sollte "kreativer, pragmatischer und wirtschaftszugewandter" werden, schreiben die Unternehmen. Nicht nur die Wochen-Inzidenz, sondern auch die Auslastung der Klinik-Intensivbetten, der Anteil schwerer Krankheitsverläufe sowie vermehrte Tests und Impfungen sollten bei der Beurteilung der Corona-Lage berücksichtigt werden, fordern sie.

Inzidenz steigt auf 99,9

Die Infektionszahlen waren in den vergangenen Tagen weiter angestiegen. Die Gesundheitsämter meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) innerhalb eines Tages 16.033 Corona-Neuinfektionen. Das sind etwa 3300 mehr Neuansteckungen mehr als vor einer Woche, berichtete das RKI. Die Zahl der binnen sieben Tagen gemeldeten Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner (Sieben-Tage-Inzidenz) lag bundesweit bei 99,9 (Vortag: 95,6).

Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI außerdem 207 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden im Zusammenhang mit dem Coronavirus; vor einer Woche waren es 239. Der bundesweite Sieben-Tage-R-Wert lag laut RKI-Lagebericht bei 1,18 (Vortag 1,12). Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 118 weitere Menschen anstecken. Der Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen vor acht bis 16 Tagen ab. Liegt er für längere Zeit unter eins, flaut das Infektionsgeschehen ab; liegt er anhaltend darüber, steigen die Fallzahlen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 20. März 2021 um 17:52 Uhr.