Ein Condor-Banner am Flughafen Frankfurt am Main. | Bildquelle: dpa

Pleite von Thomas Cook Rufe nach Geld für Condor werden lauter

Stand: 24.09.2019 08:30 Uhr

Nach der Pleite des Mutterkonzerns Thomas Cook mehren sich die Rufe nach Finanzhilfen für den deutschen Ferienflieger Condor. Die Bundesregierung prüft das. Vorerst hält Condor seinen Betrieb aufrecht.

Der britische Reisekonzern Thomas Cook ist pleite - heißt das auch das Aus für dessen direkte Tochter, den deutschen Ferienflieger Condor? Das ist noch unklar. Die Entscheidung darüber liegt nun bei der Bundesregierung, die von Condor um Finanzspritzen gebeten wurde. Ein solcher Überbrückungskredit für die bisher profitable Fluggesellschaft könnte möglicherweise verhindern, dass Condor im Sog der Insolvenz des Mutterkonzerns Thomas Cook ebenfalls in Schräglage gerät.

Die Airline hatte bereits kurz nach den gescheiterten Verhandlungen des Mutterkonzerns Thomas Cook mit möglichen Geldgebern einen Überbrückungskredit bei der Bundesregierung beantragt. Es geht dem Vernehmen nach um rund 200 Millionen Euro, um Liquiditätsengpässe zu verhindern. Aber ist eine solche staatliche Hilfe auch sinnvoll und gerechtfertigt? Nach EU-Recht sind Staatshilfen nur zulässig, wenn das betroffene Unternehmen dauerhaft überleben kann.

Verbraucherschützer für Finanzhilfe

Während die Bundesregierung darüber noch nachdenkt, werden die Stimmen für und gegen eine solche Finanzhilfe lauter. Zu den Befürwortern zählen die Verbraucherschützer: Sie appellieren an die Bundesregierung, den beantragten Kredit an die Fluggesellschaft zu gewähren. "Die Bundesregierung sollte Condor unterstützen, schon aus Gründen der Gleichbehandlung", sagte der Vorstand des Verbraucherschutz Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Die Erfahrung mit einem solchen Kredit sei gut, sagte Müller und verwies auf das Beispiel Air Berlin. Die insolvente Airline zahlte jüngst ihre letzte Kreditrate zurück.

Reisende eines gestrichenen Fluges von Thomas Cook sitzen am Flughafen auf Mallorca fest. | Bildquelle: AP
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Reisende eines gestrichenen Fluges von Thomas Cook sitzen am Flughafen auf Mallorca fest.

Auch Flughafenbetreiber hoffen auf den Fortbestand der Airline. Der Flughafenverband ADV begrüßte, dass Condor den Flugbetrieb trotz der "schwierigen Situation versucht aufrechtzuerhalten". Die heimische Luftverkehrswirtschaft könne es sich nicht leisten, eine weitere deutsche Airline zu verlieren: "Dem deutschen Ferienflieger sollte eine faire Chance zum langfristigen Weiterbetrieb gegeben werden", forderte der Verband.

Steuerzahlerbund gegen Zahlung

Auch Gewerkschaften fordern von der Bundesregierung, Condor zu unterstützen, um die 4900 Arbeitsplätze bei der Airline zu erhalten. Dagegen lehnt der Steuerzahlerbund staatliche Hilfen für Condor ab.

Neben der Finanzhilfe seitens der Bundesregierung steht auch ein kompletter oder teilweiser Verkauf von Condor an die Lufthansa im Raum. Lufthansa wollte sich bisher nicht dazu äußern. Aber bereits im Mai hatte Europas größte Airline ein vorläufiges Kaufgebot für Condor abgegeben; besonders deren Langstreckengeschäft schien für die Lufthansa attraktiv.

"Alle Flüge finden planmäßig statt"

Eine weitere Frage: Was ist mit den Kunden von Condor, die bereits im Urlaub sind oder bald eine Reise mit Condor antreten wollen? "Zusatzinformation für Pauschalreisegäste von Thomas Cook: Alle Condor Flüge finden planmäßig statt", heißt es auf der Webseite von Condor. Aber: Aus rechtlichen Gründen dürfe Condor Urlauber, die mit Thomas-Cook-Veranstaltern gebucht haben, nicht mehr an ihr Reiseziel bringen, teilte die Airline mit.

Tourismusbranche in Sorge

Auch in der europäischen Hotel- und Tourismusbranche ist die Sorge groß. Die Pleite von Thomas Cook könnte allein die Hoteliers auf der griechischen Insel Kreta zwischen 80 Millionen und 100 Millionen Euro kosten, wie der Präsident des Hotelier-Verbands in Heraklion auf Kreta, Nikos Chalkiadakis, dem Nachrichtensender Skai sagte.

Bulgarien befürchtet nach Aussage der Regierung in Sofia "ernsthafte Schwierigkeiten" für die dortige Tourismusbranche. Auch die Sommersaison 2020 werde davon betroffen sein, warnte Tourismusministerin Nikolina Angelkowa. Thomas Cook bringe im Sommer zwischen 350.000 und 450.000 Touristen an die bulgarische Schwarzmeerküste. Nach Angaben der britischen Botschaft in Sofia hielten sich zuletzt rund 2500 Kunden von Thomas Cook in Bulgarien auf.

Thomas-Cook-Pleite: Griechenlands Reisebranche sorgt sich
Michael Lehmann, ARD Istanbul
24.09.2019 07:21 Uhr

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Flugbetrieb in Skandinavien wieder aufgenommen

Auch in anderen Ländern in Europa gibt es betroffene Tochtergesellschaften von Thomas Cook. Dazu gehören auch die Airline Scandinavia in Schweden und Norwegen. Deren Flüge waren nach Bekanntgabe der Pleite zunächst eingestellt worden - aber heute sollen diese wieder aufgenommen werden. Das teilte die Thomas-Cook-Tochter Ving mit.

Auch andere skandinavische Töchter, darunter Tjaereborg, Globetrotter und Spies, würden den Betrieb fortsetzen, hieß es weiter. Weil sie unabhängige und profitable Teile der Gruppe seien, könnten sie "mit Hilfe unserer Banken, Gläubiger und Bürgen den Betrieb fortsetzen", sagte der Geschäftsführer von Thoma Cook Nordeuropa, Magnus Wikner. Erwartet wird, dass Kunden in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden wieder zu und von ihren Urlaubszielen fliegen könnten.

Thomas Cook-Insolvenz: Wie sie Touristen auf Mallorca erleben
Marc Dugge, ARD Madrid
24.09.2019 06:18 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 24. September 2019 NDR Info um 06:45 Uhr in den Nachrichten und die tagesschau um 09:00 Uhr.

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