Die Zentralen von Deutscher Bank und Commerzbank in Frankfurt | dpa

Commerzbank und Deutsche Bank Beginnt die Suche nach neuen Partnern?

Stand: 12.01.2021 13:28 Uhr

Deutsche Bank und Commerzbank kommen nicht zusammen. Das freut viele Finanzexperten. Das Thema Fusion ist aber nicht vom Tisch - schon wird über andere Partner spekuliert.

Von Konrad Busen ARD-Studio Frankfurt

Freunde hatte die Idee von der Fusion an der Börse und am Finanzplatz Frankfurt wenige. Oliver Roth etwa, Chef-Aktienhändler bei Oddo Seydler, wurde in den letzten Wochen nicht müde zu betonen:

Auf keinen Fall zusammen gehen, das ist meine feste Überzeugung. Das macht wenig Sinn, weder für den Finanzplatz, noch für die Mitarbeiter, langfristig auch nicht für die Aktionäre.

Die Aktienkurse beider Banken drückten in den letzten Wochen auch aus, dass die Anleger nicht überzeugt waren. Der Kurs der Commerzbank legte zwar ein bisschen zu, nachdem offiziell wurde, dass beide Banken miteinander reden. Der Aktienkurs der Deutschen Bank aber dümpelt seit Wochen nur vor sich hin.

"Wirtschaftlich vernünftig"

Nun also die Absage: "Es ist ein wirtschaftlich vernünftiger Schritt, zu sagen, man beendet diese ganze Geschichte", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz: "Ich habe nie verstanden, wieso die Politik - allen voran der Bundesfinanzminister - gesagt hat, wir brauchen einen deutschen Champion, damit die deutsche Industrie bei ihren Investitionsvorhaben gut begleitet wird."

Das könne die Deutsche Bank auch ohne Fusion mit der Commerzbank, meint Nieding:

Der nationale Champion wäre ja auch kein internationaler Champion gewesen. Insofern bin ich ganz froh. Es gibt ja diverse Optionen für beide Banken, beispielsweise sich innereuropäisch einen anderen Partner zu suchen, und ich glaube, das ist auch der richtige Schritt.

Eine Frage von Zeit und Geld

Eine Fusion wäre viel zu komplex geworden, angeblich haben gerade in den vergangenen Tagen auch Großaktionäre der Deutschen Bank davor gewarnt. Darunter der Finanzinvestor Blackrock, das Emirat Katar und der chinesische Konzern HNA. Sie fürchteten eine mögliche Kapitalerhöhung, also, dass sie Geld nachschießen müssen, um ihren Einfluss zu erhalten.

Robert Halver von der Baader Bank erklärt, warum eine Fusion viel zu komplex gewesen wäre: "Wenn man fusionieren sollte, dann sind beide Häuser, ich sag' mal, zwei Jahre mit sich selbst beschäftigt."

Drohender Kundenschwund

Große Geschäftskunden beider Banken sollen bei den Bankchefs Christian Sewing und Martin Zielke vorgesprochen haben. Auch sie waren wohl eher skeptisch.

Dieter Hein, Bankanalyst von "Fairresearch" warnte sogar vor Kundenschwund:

Es gibt ja etliche Kunden, die sich bewusst für die eine oder andere Bank entscheiden, oder aber Konten bei beiden haben. Und wenn die Institute zusammengehen würden, würden sicher auch Kunden das kombinierte Unternehmen verlassen.

Mögliche Fusionskandidaten

Was passiert jetzt? Die Börse wäre nicht die Börse, wenn nicht sofort neue Spekulationen auf den Tisch kämen. "Für die Commerzbank sehe ich durchaus Unicredit als interessanten Ansprechpartner. ING und Coba sind genauso denkbar, BNP Paribas ist auch ein weiterer Spieler. Das wird interessant, zu sehen, wen sich die Commerzbank letztendlich einverleibt", sagt Nieding.

Und bei der Deutschen Bank? Nieding glaubt nicht an eine große Fusion in kurzfristiger Zeit. "Was wir sehen werden sind vielleicht Fusionen innerhalb der Gesamtbank, zum Beispiel mit DWS, die ja heftig umworben wird. Das sehe ich eher kurzfristig."

Die Schweizer UBS soll mit der Deutschen Bank darüber reden, die eigene Vermögensverwaltung mit der Deutsche-Bank-Tochter DWS zu verbinden.

Kurstreibend sind solche Spekulationen zur Zeit aber nicht. Der Aktienkurs der Deutschen Bank schoss zwar erst einmal nach oben, Stunden später aber stehen beide Aktien deutlich im Minus.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. April 2019 um 17:41 Uhr.