Social-Media-App Clubhouse auf einem Smartphone

Social-Media-App aus den USA Fraglicher Datenschutz im Clubhouse

Stand: 19.01.2021 15:40 Uhr

Die Aufregung um Clubhouse ist in Deutschland angekommen: Die Audio-Anwendung gehört aktuell zu den beliebtesten im App Store von Apple. Experten äußern Kritik am Datenschutzkonzept des Anbieters.

Deutschland befindet sich im Clubhouse-Fieber: Zu Wochenbeginn hat die Audio-App den populären Messengerdienst Telegram von Platz zwei der Liste der am häufigsten heruntergeladenen Gratis-Anwendungen im App Store von Apple verdrängt. Clubhouse ist eine Anwendung, bei der sich die User Gespräche anhören und sich aktiv an Diskussionen beteiligen können.

Derzeit kann die App nur auf dem iPhone verwendet werden, nicht auf Android-Smartphones. Der Anbieter Alpha Exploration aus Salt Lake City beschreibt sie als "eine neue Art von sozialem Dienst, der auf Sprache basiert und es Menschen überall auf der Welt ermöglicht, sich zu unterhalten, Geschichten zu erzählen, Ideen zu entwickeln, Freundschaften zu vertiefen und interessante neue Leute zu treffen".

Einladungen heiß begehrt

Das Marketing-Konzept der Clubhouse-Macher basiert auf einer künstlichen Verknappung. So sind nicht nur alle Nutzer eines Android-Smartphones außen vor. Auch die meisten iPhone-Besitzer, die Clubhouse installiert haben, müssen noch warten, um die App überhaupt nutzen zu können.

Denn dafür brauchen sie eine Einladung von einem aktiven Anwender. Und diese sind hochbegehrt: Am vergangenen Wochenende wurden Clubhouse-Einladungen bei Ebay für bis zu 50 Euro gehandelt.

Aus der Perspektive des Datenschutzes ist Clubhouse allerdings nicht ohne Risiko. Für die virale Verbreitung wird auf eine umstrittene Methode gesetzt, die bereits Grundlage des rasanten Wachstums von WhatsApp gewesen war.

Zugriff auf Kontakte

Nachdem ein User die App installiert und die Einladung aktiviert hat, fordert die App Zugriff auf sämtliche Einträge im Kontakte-Adressbuch des verwendeten iPhones. Auch bei der Anmeldung über einen Social-Media-Account behält sich der Anbieter den Zugang für Follower und Freundeslisten vor.

Diese Praxis war bereits bei WhatsApp von Datenschützern in Europa heftig kritisiert worden, weil die Anwender eigentlich zuvor jeden einzelnen Kontakt um Erlaubnis fragen müssten, bevor die persönlichen Daten auf Server in den USA übertragen werden. Alpha Exploration kann auf diese Weise eine gigantische Menge persönlicher Daten von Kontakten sammeln, die die App nicht einmal auf dem Handy haben.

"Bei der App Clubhouse gibt es drei Punkte mit datenschutzrechtlicher Fragwürdigkeit", erklärt ein Sprecher der saarländischen Datenschutzbehörde im Gespräch mit tagesschau.de. Besonders der Zugriff auf Daten über das Kontaktbuch sei kritisch zu sehen. Zwar gebe es auch funktionale Gründe, da dadurch die Verbindung zwischen Nutzern hergestellt werde. Ohne Einwilligung und mit Einrichtung von Schattenprofilen sei das allerdings äußerst bedenklich.

Unklare Regeln

Hinsichtlich der Kontaktverbindungen gibt es laut der Aufsichtsbehörde deutlich datenschutzfreundlichere Wege. Etwa über einen sogenannten Hashwert, eine mathematische Zahlenfolge und damit keine Klardarstellung, sei es für Anbieter schwieriger, auf die ursprünglichen Daten zuzugreifen. Alternativ sei es möglich, den Abgleich nur kurzzeitig durchzuführen und anschließend Kontakte, die die App nicht installiert haben, wieder zu löschen.

Zweitens sei vieles intransparent. So gehe aus den Regeln nicht hervor, wofür die Daten eigentlich verwendet werden, so der Datenschützer. Laut eigener Datenschutzerklärung darf der Anbieter sie sogar weitergeben. Der dritte kritische Punkt sei schließlich das Mitschneiden von Gesprächen. Das Unternehmen behaupte, es gehe um einen potenziellen Eingriff bei Beschwerden oder Vergehen. Trotzdem sei diese Praxis kritisch zu sehen, so der Sprecher.

Medienberichten zufolge könnte das Datenschutzkonzept von Clubhouse gar gegen die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen. Das Problem dabei: Das US-Unternehmen Alpha Exploration hat keine Niederlassung in der Europäischen Union. "Das erschwert massiv die Aufsicht", heißt es von der Datenschutzbehörde im Saarland. Beim Umgang mit solchen Firmen sei vieles unklar.

"Nutzer sollten sich damit beschäftigen"

Da es keine vergleichbaren Urteile gebe, seien Verstöße gegen die Verordnung nicht eindeutig, meint Christof Stein, Pressesprecher des Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) gegenüber tagesschau.de. Zudem seien ohne Stellungnahmen des Unternehmens noch viele Fragen offen.

Dennoch liege es auf der Hand, dass Fragen gestellt werden müssen. Die Behörden in der EU und auch in Deutschland hätten die App auf dem Schirm, und es werde sicher Diskussionen darüber geben. An mögliche User appelliert Stein: "Nutzer sollten sich mit den Datenschutzrichtlinien beschäftigen und das Risiko abwägen, ob die Weitergabe von Daten die Nutzung der App wert ist."

"Fear of missing out" soll Nutzer anlocken

Viele Influencer in Deutschland haben das offenbar schon getan. So verfolgten beispielsweise über 1000 Menschen virtuell in einem Clubhouse-Raum, wie die Digitalministerin Dorothee Bär mit der Unternehmerin Tijen Onaran, der Journalistin Niddal Salah-Eldin und vielen anderen über das "Diversity Jahr 2021" diskutierten.

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär | dpa

Auch Digitalministerin Dorothee Bär zog im Clubhouse ein. Bild: dpa

Um die App noch bekannter zu machen, werden die Clubhouse-Mitglieder sowohl von den Machern des Dienstes als auch von den Moderatoren einzelner Gruppen aufgefordert, ihre Profile auf anderen Plattformen zu verknüpfen und dort die Inhalte der Gespräche zu kommentieren.

Damit soll in Netzwerken wie Twitter, LinkedIn und Instagram der Wunsch geweckt werden, möglichst schnell an eine Einladung zu dem Netzwerk zu kommen. Dieser Ansatz wird "Fear of missing out" genannt - die Angst, etwas zu verpassen.

Prominente schon früh dabei

Clubhouse startete im April 2020 und löste zunächst in den USA während der Corona-Krise einen "Hype" aus, der an die Anfänge von WhatsApp oder Snapchat erinnert. Der Wagnis-Kapitalgeber Andreessen Horowitz, der auch früh in Silicon-Valley-Stars wie Airbnb, Facebook, Instagram, Lyft und Twitter investiert hatte, steckte im Mai des gleichen Jahres zwölf Millionen Dollar in Clubhouse. Damit wurde das Start-up schlagartig mit 100 Millionen Dollar bewertet.

Zu dem Zeitpunkt waren nur rund 1500 Nutzer bei der Anwendung aktiv dabei. Darunter waren allerdings prominente User wie der Rapper Drake, der Comedian Kevin Hart und die US-Schauspielerin Tiffany Haddish.

Der Musiker Drake während eines Konzertes in New York | picture alliance / AP Images

Der Rapper Drake gehörte zu den ersten Usern von Clubhouse. Bild: picture alliance / AP Images

Verschiedene US-Medien berichteten allerdings auch von rechtsextremen, rassistischen oder sexistischen Äußerungen auf der Plattform. Die Journalistin Taylor Lorenz dokumentierte bei Twitter, dass auch der rechtsextreme Blogger Curtis Yarvin zu den regelmäßigen Nutzern der App gehört. Trotz wiederholter rassistischer Aussagen sei sein Profil bisher nicht gelöscht worden.

Verschiedene Rollen im Clubhouse

In der Clubhouse-App können die Anwender verschiedene Rollen einnehmen. Als Moderatoren können sie Audio-Chats starten, andere User auf die Bühne holen und ihren das Mikrophon übergeben. Sprecher beteiligen sich aktiv an der Diskussion.

Die Masse der User beschränkt sich auf eine Zuhörer-Rolle. Sie können aber virtuell die Hand heben, um den Moderator auf sich aufmerksam zu machen, wenn sie etwas zur Gesprächsrunde beitragen wollen. Im Gegensatz zu Netzwerken wie Twitter können Beiträge nicht schriftlich kommentiert oder "Likes" vergeben werden.

Über die Suchfunktion in der App haben die Nutzer zusätzlich die Möglichkeit, Menschen oder Clubs zu finden - Communitys, die sich auf bestimmte Themen spezialisieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 18. Januar 2021 um 17:19 Uhr.