Ein Arbeiter geht in einer Fabrik in Zouping (China) neben Aluminiumrollen | AFP

Chinas Wirtschaft Aufschwung bei geschlossenen Grenzen

Stand: 04.01.2021 11:59 Uhr

In China wurden die weltweit ersten Corona-Fälle nachgewiesen. Doch trotz der Krise konnte das Land seine Wirtschaftskraft ausbauen. Damit das so bleibt, will Staatschef Xi unabhängiger vom Rest der Welt werden.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Der Ausblick auf Chinas wirtschaftliche Entwicklung im neuen Jahr kommt nicht ohne einen Rückblick aus: Trotz Corona-Krise ist die chinesische Wirtschaft 2020 gewachsen, als eine der wenigen Volkswirtschaften der Welt - um etwa zwei Prozent im Vergleich zum Vorkrisen-Jahr. Im Euroraum und in den USA brach die Konjunktur im vergangenen Jahr hingegen ein.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Chinas zumindest kleines Wirtschaftswachstum sorgt für großes Selbstbewusstsein. Das gilt auch für Gesellschaft und Politik. Die Corona-Krise habe bewiesen, dass Chinas kommunistischer Einparteienstaat den westlichen Demokratien überlegen sei, so lautet die Erzählung der staatlichen Propaganda seit Monaten.

Die Partei baut ihren Einfluss aus

"Wir begehen 2021 den 100. Geburtstag der Kommunistischen Partei Chinas. Ihre nun bereits hundertjährige Reise schreitet mit großem Schwung voran. Das ursprünglich gesteckte hohe Ziel der Partei bleibt nach einhundert Jahren noch fester im Blick", sagte Staats- und Parteichef Xi Jinping in einer Neujahrsansprache in der vergangenen Woche.

Der Trend, dass die kommunistische Führung ihren Einfluss auf die chinesische Gesellschaft noch weiter ausbaut, gilt ausdrücklich auch für die Wirtschaft im neuen Jahr. Bernhard Weber, Vertreter des Landes Baden-Württemberg im ostchinesischen Nanjing, erkennt eine ideologische Verhärtung im Staatssystem. Trotzdem gebe es in der Volksrepublik weiter gute Chancen für deutsche Unternehmen, sagt er.

Handelskrieg wird andauern

Chinas wirtschaftliche Grundprobleme aber bleiben: Die große Schuldenlast ist durch die Corona-Konjunkturpakete noch zusätzlich gestiegen. Der Zoll- und Handelskrieg mit den USA wird auch unter dem neuen US-Präsidenten Joe Biden zunächst weitergehen.

Im März wird der chinesische Volkskongress den neuen Fünf-Jahres-Plan beschließen. Er soll das Land wirtschaftlich stabil halten. Das Schlagwort darin lautet "doppelter Wirtschaftskreislauf". "Der erste der beiden Kreisläufe bezieht sich auf die inländische Wirtschaft. Chinas Führung möchte sie stärken", erklärt Wang Dan, die Chefökonomin der Hang-Seng-Bank in Shanghai. Das gelte für die Produktion und für den Konsum. "Der zweite der Kreisläufe bezieht sich aufs Ausland, auf ausländische Märkte."

Misstrauen gegen die Führung

Investitionen, Expertenwissen und Spezialbauteile aus dem Ausland bleiben zwar wichtig für Chinas Wirtschaft. In den Schlüsselbereichen der Wirtschaft aber will Chinas Staatsführung das Land unabhängig machen vom Rest der Welt. Das ist auch eine Reaktion auf das international wachsende Misstrauen gegenüber der kommunistischen Führung.

Chinas massive Menschenrechtsverletzungen und die Missachtung internationaler Verträge wie beim Vorgehen in Hongkong sorgen weltweit zunehmend für Ärger. Die weiterhin fast vollständig geschlossenen Grenzen Chinas bereiten deutschen Wirtschaftsvetretern kurzfristig die meisten Sorgen. Geschäftsreisen, Messebesuche und wichtige Reparatureinsätze müssen größtenteils weiter warten. Dass Chinas Führung die Grenzen bald wieder öffnet, ist zunächst nicht absehbar.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Januar 2021 um 09:07 Uhr.