Chinesische Container im Hafen von Los Angeles  | Bildquelle: AFP

US-chinesischer Handelsvertrag "Mehr Importe sind ohnehin unser Ziel"

Stand: 17.01.2020 07:23 Uhr

Der erste Teil des Handelsabkommens zwischen China und den USA steht. Die Führung in Peking bemüht sich, die gegebenen Importversprechen als Erfolg zu verkaufen. Experten sehen den Vertrag skeptisch.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Man habe Meinungsverschiedenheiten mit den USA, man streite sich, aber als zwei große, verantwortungsvolle Nationen löse man seine Konflikte - das ist die Kernaussage, die die kommunistische Führung heute über die Staatsmedien vermitteln will. Und: Der Handelsvertrag komme China zu Gute.

Angesichts des wachsenden Lebensstandards müsse das Land zusätzliche qualitativ hochwertige Lebensmittel importieren, zitiert ein Nachrichtensprecher im Sender CCTV Vizeregierungschef Liu He. Der hatte das so genannte "Phase eins"-Handelsabkommen mit der US-Regierung gestern in Washington unterschrieben.

Soja, Milch und Flugzeuge

Das Abkommen sieht unter anderem vor, dass China in den USA für rund 40 Milliarden US-Dollar zusätzlich Sojabohnen, Fleisch, Molkereiprodukte und andere Agrargüter kauft. Für weitere rund 160 Milliarden soll China außerdem Industriegüter in den USA kaufen. Flugzeuge zum Beispiel.

"In China leben 1,4 Milliarden Menschen. Waren im Wert von 200 Milliarden US-Dollar sind also keine zu große Angelegenheit für China", sagt Wang Honggang im Staatsfernsehen. Er ist Amerika-Experte am regierungsnahen Institut für Internationale Beziehungen in Peking. "Mehr Waren zu importieren, das ist ja ohnehin unser Ziel. Und das hat Generalsekretär Xi Jinping ja auch mehrfach gesagt."

Was das Staatsfernsehen nicht erwähnt

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping hatte sich während der Verhandlungen mit der US-Regierung nie persönlich zu Wort gemeldet zum Handelsstreit. Auch heute von ihm kein Wort. Stattdessen trat in Peking Regierungssprecher Geng Shuang vor die Presse. "Das Fazit des Phase-Eins-Handelsabkommens ist, dass es sowohl China, als auch den USA zu Gute kommt - und auch dem Rest der Welt."

Chinas Zugeständnis, seine in vielen Bereichen immer noch abgeschotteten Märkte zu öffnen, wird heute in der Volksrepublik nicht groß erwähnt. Auch nicht, dass die Kommunistische Führung versprochen hat, härter gegen Patentklau und Produktpiraterie vorzugehen.

Experten: Nur eine Atempause im Handelsstreit

Entscheidend ist nach Ansicht von internationalen Analysten das, was das Phase-Eins-Abkommen zwischen den USA und China nicht regelt: Den Streit um Chinas umstrittenen Technologiekonzern Huawei etwa oder das Misstrauen gegenüber Chinas Streben nach technologischer Vorherrschaft. Auch der wachsende Einfluss der kommunistischen Staatsführung auf die Wirtschaft bleibt bestehen. Und vor allem: Die bereits verhängten gegenseitigen Sonderzölle auf Waren im Wert von Hunderten Milliarden US-Dollar bleiben in Kraft.

Insofern warnen heute Experten aus aller Welt davor, in das Handelsabkommen zu viel Gutes hinein zu interpretieren. Stattdessen sei das Ganze vielmehr ein Waffenstillstand, eine Art Atempause im Handelsstreit.

Chinesische Börsen reagieren kaum

Die Börsen in China reagierten am Tag nach der Unterschrift kaum auf das US-Chinesische Teilabkommen. Der wichtige Hang-Seng-Index in Hongkong schloss nahezu unverändert im Vergleich zum Vortag. Auch die festlandchinesischen Börsen in Shanghai und Shenzhen bewegten sich kaum.

Teilabkommen im Handelskonflikt mit USA: China gibt sich standfest
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
16.01.2020 12:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: