Sojabohnen aus den USA | Bildquelle: AP

Handelsstreit mit China Trumps Zölle bringen US-Farmer in Not

Stand: 14.05.2019 08:52 Uhr

Der eskalierende Zollstreit zwischen den USA und China versetzt US-Farmer in Angst. Sie fürchten, auf ihren Sojabohnen sitzen zu bleiben. Auch die Börse reagiert zunehmend nervös.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Es war das Topthema der US-Nachrichtensendungen - der sich hochschaukelnde Handelskonflikt mit China. "Das war der schlimmste Tag an der Börse seit vier Monaten", begann Anchorman Lester Holt die Abendnachrichten im Sender NBC.

Börsenbarometer stürzt ab

Um mehr als 600 Punkte stürzte der Dow Jones an der Wall Street ab. Es sei vor allem die Unsicherheit, die den Märkten zu schaffen mache, meinen Wirtschaftsexperten. Dass China die Warnung Donald Trumps vor Vergeltungszöllen ignoriert und ebenfalls nicht nachgeben will, schürt Ängste vor einem längeren Handelskonflikt.

Obwohl der US-Präsident die Aktienkurse gerne als Beleg seiner erfolgreichen Politik anführt, gab er sich zuversichtlich. Amerika sitze am längeren Hebel: "Das ist ein sehr positiver Schritt und ich liebe die Position, in der wir uns befinden. Es kann etwas Vergeltung geben, aber im Vergleich zu uns kann das nichts Substantielles sein."

Broker an der New Yorker Börse (Archiv) | Bildquelle: JUSTIN LANE/EPA-EFE/REX
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Auch die Broker an der New Yorker Börse blicken zunehmend besorgt auf den eskalierenden Handelsstreit. (Archiv)

Silos sind prall gefüllt

Das sehen Amerikas Farmer anders. Lange hatten sie Verständnis dafür, dass Trump die unfairen Handelspraktiken Chinas attackiert. Bis vor kurzem schenkten sie den Beteuerungen der Regierung Glauben, man stehe kurz vor einer Einigung mit China. Doch die scheint nun weiter entfernt denn je. Die Silos der Farmer im Mittleren Westen sind immer noch prall gefüllt mit Sojabohnen, die eigentlich nach China verkauft werden sollten.

Der Vorsitzende der Sojabohnen-Vereinigung, der Farmer John Heisdorffer aus Iowa, beklagte, die Stimmung unter den Farmern werde von Tag zu Tag schlechter: "Unsere Geduld schwindet und unsere Finanzen leiden." Der Sojabohnen-Farmer John Boyd aus Illinois warf Trump im Sender CNN vor: "Der Präsident treibt seine Spielchen mit China, während Amerikas Farmer darunter leiden. Ehrlich gesagt, wundere ich mich, weshalb sich nicht mehr Farmer im Mittleren Westen empören."

Wichtige Wählergruppe

Die Farmer sind eine wichtige Wählergruppe, die 2016 mehrheitlich für Trump stimmte. Auch deshalb kündigte Trump Entschädigungsprogramme für die Farmer an. Das Geld dafür habe sein Finanzminister dank der Milliarden durch Zölle auf Produkte aus China: "Von diesen Milliarden geht ein kleiner Anteil an unsere Farmer. Denn Chinas Vergeltungsmaßnahmen richten sich wahrscheinlich gegen diese."

Dass jedoch nicht China die Zölle zahlt, sondern die US-Verbraucher in Form höhere Preise für Produkte aus China, darauf weisen Wirtschaftsexperten seit Tagen hin. Auch Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow musste zugeben, bei einem längeren Handelskonflikt würden letztlich "beide Seiten zahlen".

Treffen mit Xi geplant

Trump sendet unterdessen unterschiedliche Signale an China. Noch habe er nicht entschieden, ob er in einer nächsten Stufe weitere Zölle auf dann fast alle Produkte aus China einführe. Eher hoffnungsvoll klang seine Ankündigung, er werde sich Ende Juni am Rande des G20-Gipfels in Japan mit Chinas Präsidenten treffen. Dies werde "wahrscheinlich ein sehr ergiebiges Treffen", versprach Trump.

Handelsstreit mit China: US-Märkte und Farmer nervös
Martin Ganslmeier, ARD Washington
14.05.2019 08:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Mai 2019 um 07:00 Uhr.

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