Yuan-Banknoten | ROMAN PILIPEY/EPA-EFE/REX

Staatskonzerne mit Schulden Lässt China unrentable Firmen pleite gehen?

Stand: 28.11.2020 01:50 Uhr

Wenn seine Staatskonzerne in Zahlungsnot gerieten, sprang China bisher meist ein. Wegen der enormen Verschuldung vieler Firmen könnte sich das nun ändern - wie Fälle der vergangenen Tagen zeigen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Die Verschuldung chinesischer Unternehmen ist in den vergangenen zehn Jahren massiv gestiegen. Der Schuldenstand beträgt rund 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts Chinas. Das hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel ausgerechnet, eine Art Zentralbank der Zentralbanken.

Steffen Wurzel ARD-Studio Shanghai

Zum Vergleich: In Deutschland liegt der Schuldenstand von Unternehmen demnach bei etwas mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, die Firmenschuldenquote in den USA beträgt knapp 80 Prozent.

Staat springt bei Zahlungsproblemen nicht mehr zwangsläufig ein

In China haben vor allem staatseigene Konzerne in den vergangenen Jahren mächtig Schulden aufgenommen, also: Anleihen ausgegeben. Dass diese Anleihen nicht zurückgezahlt werden, war in China bisher sehr selten. Weil die Staats- und Parteiführung kein Interesse an Pleiten hatte, übernahm sie die Schulden schlecht wirtschaftender Unternehmen häufig einfach - per staatlichem Bail-out.

In den vergangenen Wochen aber haben gleich mehre große Staatskonzerne in China Anleihen nicht zum fälligen Termin bedient, also Schulden nicht pünktlich zurückgezahlt. Fachleute sprechen von einem so genannten Default. Die Firmen sind also zunächst zahlungsunfähig. Betroffen waren etwa der staatliche Computerchiphersteller Tsinghua Unigroup, der Kohleminen- und Kraftwerkskonzern Yongcheng und der Autokonzern Huacheng, der in China ein Jointventure mit BMW betreibt.

Chips des chinesischen Staatsunternehmens Tsinghua Unigroup liegen in einem Präsentationskoffer | AFP

Der Chiphersteller Tsinghua Unigroup gehört zu den Staatskonzernen, die in den vergangenen Tagen ihre Schulden nicht pünktlich zurückzahlen konnten. Bild: AFP

Unrentablen Staatskonzernen droht nun die Pleite

"Das hat die Finanzmärkte ganz klar aufgeschreckt", erklärt Wang Dan, die Chefökonomin der Hang-Seng-Bank in Shanghai. "Denn solche offenen Anleihenausfälle sind recht selten in China. Wir werden wahrscheinlich weitere Anleihenausfälle erleben, und zwar, weil die Staatsführung das nun ausdrücklich zulässt", sagt Wang Dan. "Die staatseigenen Unternehmen werden dadurch gezwungen, besser zu wirtschaften. Außerdem sind diese Ausfälle für die Regierung ein gangbarer Weg, um schlecht wirtschaftende Staatsbetriebe loszuwerden."

Angesichts insgesamt rasant wachsender Schulden in China ist die Staatsführung offensichtlich nicht mehr bereit, schlecht wirtschaftende Firmen jederzeit aufzufangen. Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass nun einige unrentable chinesische Staatskonzerne pleite gehen und verschwinden werden.

Mögliche internationale Folgen einer Pleitewelle

Investoren außerhalb Chinas sind von den Anleiheausfällen zunächst kaum betroffen. Nach Zahlen der Investmentbank Goldman Sachs halten ausländische Investoren weniger als ein Prozent der Anleihen chinesischer Firmen.

Aber: Falls nun in großem Stil Firmen in China pleite gehen sollten, könnte das dem Vertrauen in die Wirtschaft des Landes schaden. Das hätte dann indirekt Auswirkungen auf die Wirtschafts- und Finanzwelt überall auf der Welt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. November 2020 um 13:52 Uhr.