Luftverkehr in China Die Verspätung fliegt immer mit

Stand: 22.03.2019 15:31 Uhr

Pünktlichkeit ist im chinesischen Luftverkehr eine Ausnahme. In Peking hebt nicht mal jede fünfte Maschine planmäßig ab. Auch Chinas Fluglinien sorgen mit ihrer Unzuverlässigkeit für Ärger. Die Behörden handeln nun - doch das Hauptproblem ist ungelöst.

Von Axel Dorloff, ARD-Hörfunkstudio Peking

Maschine startet am Flughafen in Peking
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An allen chinesichen Flughäfen ist verspätete Starts und Landungen ein großes Problem.

Immer wieder kommt es an Chinas Flughäfen wie in Peking zu tumultartigen Szenen. Passagiere reagieren aufgebracht, weil ihr Flugzeug sich wieder mal verspätet hat. Nur 18 Prozent der Flugzeuge heben in Peking pünktlich ab - das ist nicht mal jedes fünfte. Von den Maschinen der Fluggesellschaft Air China startete im Juni gerade mal die Hälfte weltweit pünktlich.

Jeder Chinese, der regelmäßig fliegt, kennt die leidigen Flugverspätungen, wie dieser junge Wissenschaftler. "Ich bin dieses Jahr ein paar Mal dienstlich nach Huangzhou geflogen", sagt Gao Lingjiang. "Jedes Mal gab es auf der Strecke Hangzhou-Peking eine Verspätung von zwei bis drei Stunden, offenbar wegen des Wetters."

Chinas Kampagne gegen Flugverspätungen
A. Dorloff, ARD Peking
16.07.2013 11:57 Uhr

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Nicht mal jede zweite Maschine pünktlich

Laut einer Studie des Brancheninformationsdienstes FlightStats schafft keiner der chinesischen Flughäfen eine Pünktlichkeitsrate von 50 Prozent. Zum Vergleich: Auf den japanischen Flughäfen Osaka und Tokio sind 95 Prozent der Flüge pünktlich.

Passagiere in China beklagen vor allen Dingen mangelnde Kommunikation - wie diese Frau am Flughafen Peking. "Sie haben mir überhaupt nicht erklärt, warum es zu der Verspätung gekommen ist. Und auch nicht, wie lange sie dauern wird", sagt Ma Rui. "Die Airlines lassen die Leute meistens völlig im Unklaren warten."

Luftfahrtbehörde kündigt neue Strafen an

Maschine von Air China
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Die Fluglinien wie Air China müssen mit Strafen rechnen, wenn sie ihre Pünktlichkeit nicht deutlich verbessern können.

Offenbar will China sein Verspätungsproblem im Flugverkehr jetzt in den Griff bekommen. Die staatliche Luftfahrtbehörde (CAAC) kündigte drastische Strafen an. Demnach sollen chinesische Fluglinien verwarnt werden, wenn sie zu den schlechtesten 20 Prozent gehören oder wenn mehr als die Hälfte aller Flüge unpünktlich sind. Wenn die Schuld bei den Airlines selbst liegt, können sie sogar ihre Slots verlieren oder dürfen sich im nächsten Jahr nicht mehr bewerben.

Das sei ein guter Anfang, aber etwas zu kurz gesprungen, findet Xu Guangjian, Flugverkehrs-Experte von der Renmin Universität in Peking. "Höhere Strafen können vielleicht bei einigen Fluglinien nützlich sein, denen Flugverspätungen tatsächlich egal sind und die sich auch nicht genug um die Passagiere kümmern", sagt er. "Darum glaube ich schon, dass es nötig ist, Strafen zu erhöhen. Aber das ist nicht die Lösung des eigentlichen Problems."

Militär beansprucht 80 Prozent des Luftraums

Die Fluglinien und Flughäfen sehen die Schuld nicht bei sich selbst. Sie weisen vor allem darauf hin, dass fast 80 Prozent des Luftraums über China fürs Militär reserviert ist. Das mache die Planung und die Koordination des Luftverkehrs schwierig. In USA beansprucht das Militär gerade mal 20 Prozent des Luftraums. Weil aber immer mehr Menschen in China fliegen und immer mehr Flugzeuge in der Luft sind, brauche es dringend Reformen, sagt Flugexperte Xu.

"Chinas Wirtschaft entwickelt sich rasend schnell, genau wie der zivile Luftverkehr", erklärt er. "Es gibt immer mehr Passagiere, aber die Ausstattung des zivilen Luftverkehrs kommt überhaupt nicht hinterher". Als Beispiele nennt er den Flughafenbau und die Qualität des Luftverkehrsmanagements. "Der Luftraum ist zu klein und wir haben nicht genug Start- und Landebahnen", sagt Xu.

Die chinesische Luftfahrtbehörde kündigte an, ihren Strafenkatalog in den kommenden sechs Monaten konsequent umzusetzen. Das ändert aber zunächst mal wenig: Auch wegen des schlechten Wetters in weiten Teilen Chinas fielen gestern allein in Peking mehr als 400 Flüge aus. Weit über 1000 Flüge hatten eine Verspätung von mehr als vier Stunden. Im Radio kam regelmäßig der Hinweis: Passagiere sollten doch bitte den Schnellzug nehmen.  

Dieser Beitrag lief am 16. Juli 2013 um 14:38 Uhr auf NDR Info.

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