Containerhafen in Lianyungang, China | AFP

Chinesischer Außenhandel Exporte übertreffen alle Erwartungen

Stand: 07.03.2021 11:35 Uhr

Trotz weltweiter Corona-Krise erlebt China einen unerwarteten Boom seines Außenhandels: Die Exporte stiegen um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Woran liegt das und inwieweit profitiert auch Deutschland?

Chinas Wirtschaft zeigt ungewöhnlich starkes Wachstum. Die Ausfuhren der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt zogen im Januar und Februar gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent an, wie aus Zolldaten hervorgeht. Die Experten hatten mit einem Anstieg der Exporte um rund 39 Prozent gerechnet.

Die Importe stiegen im Januar und Februar im Jahresvergleich um etwa 22 Prozent. Analysten hatten ein Plus von 15 Prozent prognostiziert. Der Handelsbilanzüberschuss belief sich in den beiden Monaten auf mehr als 103 Milliarden US-Dollar.

Wegen der Schwankungen durch das chinesische Neujahrsfest, das immer unterschiedlich auf Januar oder Februar fällt, fasst China die Daten für die beiden Monate zusammen. In diesem Jahr arbeiteten viele Unternehmen aber auch über die Neujahrsferien. Die Regierung hatte aus Angst vor einer neuen Ausbreitung des Coronavirus die Arbeiter aufgefordert, nicht wie üblich in ihre Heimat zu reisen. So konnten viele Exportaufträge auch früher erfüllt werden.

Niedrige Vergleichszahlen und nachgefragte Produkte

Als eine Ursache für die ungewöhnlich starken Zuwächse sehen Ökonomen die niedrige Vergleichsbasis zu Beginn des Vorjahres. Nach dem Corona-Ausbruch in der zentralchinesischen Metropole Wuhan hatte China damals scharfe Kontrollmaßnahmen ergriffen und Fabriken geschlossen.

Der Außenhandel entwickelte sich aber schon seit der zweiten Jahreshälfte 2020 wieder kräftig. Den chinesischen Exporteuren kommt etwa zugute, dass sie viele Güter herstellen, die in der Corona-Pandemie weltweit gefragt sind - etwa Medizinausrüstung wie Masken oder Laptops und Bildschirme für das Arbeiten zu Hause.

Außerdem konnte die Regierung in Peking den Corona-Ausbruch mit Maßnahmen wie Ausgangssperren und Massentests für Millionen sowie Kontaktverfolgung, Quarantäne und außergewöhnlich strikten Einreisebeschränkungen weitgehend unter Kontrolle bringen. So konnten sich der Alltag und die Wirtschaft schon seit dem vergangenen Sommer weitgehend normalisieren.

Auch Deutschland profitiert

Während in der Corona-Krise die Geschäfte Deutschlands mit anderen Ländern schlecht laufen, profitiert die deutsche Wirtschaft von dem robusten Wachstum seines wichtigsten Handelspartners. Deutsche Exporteure konnten nach chinesischen Berechnungen in US-Dollar in den beiden Monaten rund 31 Prozent mehr Güter nach China liefern. Die chinesischen Ausfuhren nach Deutschland stiegen demnach auch um mehr als 71 Prozent.

Vorsichtige Ziele

Der Exportboom unterstützt den wirtschaftlichen Aufschwung in China stärker als Experten erwartet hatten. Nach einem Wachstum von 2,3 Prozent im vergangenen Jahr soll Chinas Wirtschaft nach den Zielen von Regierungschef Li Keqiang um "mehr als sechs Prozent" wachsen. Das Ziel gilt allerdings als vorsichtig. So rechnet der Währungsfonds (IWF) 2021 sogar mit 8,1 Prozent Wachstum in China.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2021 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.